Düngung
Edith Kahnt-Ralle | am

Cloppenburg: Düngeverordnung – jetzt wird es ernst

Mit ihrer Veranstaltungsreihe „Wirtschaften mit den Anforderungen der neuen Landesdüngeverordnung“ möchte die Landwirtschaftskammer Niedersachsen die Betriebe auf die neuen Vorgaben in der Düngung vorbereiten. Auftakt war vergangene Woche in Bühren im Landkreis Cloppenburg.

Ein volles Haus im Gasthof Frieling in Bühren zeigte, es wird ernst. Nach der Veröffentlichung der Landesdüngeverordnung am 28. November 2019 sind alle Auflagen scharfgeschaltet. Wie Hubertus Berges, Kreislandwirt von Cloppenburg, eingangs feststellte, gilt es jetzt, den betrieblichen Schaden, der durch die Düngeverordnung droht, zu minimieren.

Dies gilt vor allem mit Blick auf die Minus-20-Prozent-Regel bei der Stickstoffdüngung in den Roten Gebieten, die unter anderem als weitere Verschärfung der Düngeverordnung nach Brüssel gemeldet wurde, aber noch nicht entschieden ist.

Sollte diese Regelung kommen, und Experten gehen davon aus, muss laut Berges im Schnitt der Betriebe mit einem Verlust von 150 Euro je Hektar gerechnet werden. Bei dieser Mangelernährung seien Mindererträge die Folge. Hochgerechnet bedeutet das für die niedersächsischen Landwirte in den Roten Gebieten (1 Mio. ha) einen Verlust von 150 Mio. Euro. 

Der hohe Pachtflächenanteil von über 50 % im Gebiet Südoldenburg verschärft die Lage zusätzlich, machte Berges klar. Ebenso kommt eine zeitliche Brisanz dazu. Berges: „Die Verschärfungen der Düngeverordnung sollen bis zum 20. Mai 2020 durchgepeitscht werden“. Die Fristen für die Verbändeanhörung wurden über die Weihnachtszeit „unverschämt“ kurzgehalten.

Brisanz hat zugenommen

Doch 20 Kreislandvolkverbände haben laut Berges längst reagiert und einen Gutachter beauftragt. Dieser soll die Messstellen, die in Niedersachsen zur Abgrenzung der Roten Gebiete geführt haben, genau unter die Lupe nehmen. Es geht darum, ob die ausgewählten Messstellen alle technisch in der Lage sind, auch Nitrat zu messen. Es gibt laut Berges über 30 Punkte (DIN-Norm), die von den Messstellen erfüllt werden müssen.

Buehren-Veranstaltung-DVO

Scharf kritisiert wird seitens des Landvolks auch das Vorgehen bei der Auswahl der repräsentativen Messstellen. Zuerst sei im Vorfeld die Belastung der Region durch theoretisch kalkulierte Nährstofffrachten ermittelt und erst dann die Messstelle dazu bestimmt worden.  Das sei 2005 passiert. Berges: „Wir haben damals schon einen Brief an den Ministerpräsidenten Wulf geschrieben, aber da war die Brisanz des Themas noch nicht da“. Auch unter den Landwirten spielte das Thema rotes oder grünes Gebiet all die Jahre keine Rolle. Erst seit einem Jahr ist die Brisanz da.

Messstellennetz wird überprüft

Dem Landvolk ist ebenso wichtig zu klären, wie andere Bundesländer zu ihren Roten Gebieten gekommen sind. Ein einheitliches Vorgehen kann das Landvolk dabei nicht erkennen. Auch die Binnendifferenzierung in den Roten Gebieten wirft laut Berges Fragen auf, ebenso wie das offenbar sehr uneinheitliche Vorgehen in der EU bei der Auswahl der als repräsentativ geltenden Messstellen.

Positiv stimmt den Kreislandwirten die Information, dass das Messstellennetz seitens des Umweltministeriums in Hannover zurzeit überprüft wird. Außerdem arbeitet die Landwirtschaftskammer Niedersachsen an der Zusammenstellung ihrer Ergebnisse aus Versuchen mit einer Düngung unter Bedarf.

Region Cloppenburg am stärksten betroffen

Wichtig war dem Kreislandvolkvorsitzenden der Hinweis, dass die Abgrenzung der Roten Gebiete und die Verschärfungen der Düngeverordnung ohne Einbeziehung der Landwirtschaftskammer Niedersachsen erfolgt sind. Die Veranstaltungsreihe soll den Landwirten Lösungen anbieten, wie mit der neuen Situation auf den Betrieben umgegangen werden kann.

Dr. Clemens Hackstedt, Leiter der Fachgruppe Betrieb/Tier/Unternehmensberatung/Förderung bei der Bezirksstelle Oldenburg Süd, moderierte die Veranstaltung. „Unsere Region trifft die Düngeverordnung am stärksten“, so Hackstedt. Es ginge jetzt darum, wie die eigenen Wirtschaftsdünger noch vernünftig eingesetzt werden können. Die meiste Unruhe entsteht laut Hackstedt zurzeit durch Unwissenheit. Hier kann die Veranstaltungsreihe abhelfen.

Weitere Termine und Hinweise zu den Veranstaltungen unter www.landwirtschaftskammer-niedersachsen.de und in der LAND & FORST Ausgabe 4/2020.   

Inhalte der Ausgabe

  • Thema der Woche: Betriebsunfall - Landwirt kämpft sich zurück ins Leben
  • Agrarpolitik: Debatte zur Farm-to-Fork-Strategie
  • Technik: So wird der Mähdrescher mit Zwiewuchs bei der Ernte fertig
  • Pflanzenbau: Anbautipps zur Rapsaussaat
  • Tierhaltung: Schweinehaltung in Offenställen
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