Ferkelkastration
Anne-Maria Revermann | am

Cloppenburg: Landwirte suchen Alternativen zur Ferkelkastration

Auf dem Fachforum Schwein in Cloppenburg beschäftigen Landwirte sich mit Alternativen zur Ferkelkastration.

Die Schweine-Branche bereitet sich derzeit auf Alternativen zur Kastration vor. "Über 80 Prozent der Landwirte wollen am liebsten gar nicht mehr kastrieren", sagte am Mittwoch (5. Februar) der Marktexperte ISN (Interessengemeinschaft der Schweinehalter ), Matthias Quaing, auf dem Fachforum Schwein in Cloppenburg.

Landwirte offen für neue Verfahren

Die Alternative zur Kastration ist zum Beispiel die Immunokastration, bei der die Schweine gegen den strengen Ebergeruch geimpft werden. Nach wie vor sei aber die Vermarktung dieses Fleisches relativ schwer, sagte Quaing.

Viele Schlachter argumentierten, das Fleisch schlechter international vermarkten zu können. Der Göttinger Agrarwissenschaftler Prof. Dr. Daniel Mörlein meint hingegen, anderen Ländern wie Brasilien oder Australien gelinge es auch, Fleisch von immunokastrierten Schweinen international zu verkaufen.

Handel und Schlachter gingen allerdings sehr differenziert mit dem Thema um - es gebe auch Handelsketten, die offen für Fleisch von immunokastrierten Schweinen sei. Dass inzwischen eine große Zahl von Schweinehaltern sich offen für das Verfahren zeige, sei eine erfreuliche Entwicklung. Noch vor zwei, drei Jahren sei die Immunokastration eher auf Skepsis gestoßen, was aber auch an dem damals zu geringem Wissen über die Immunokastration liege, so Mörlein.

Verbraucher akzeptieren Immunokastration

Die Immunokastration sei letzten Endes die eleganteste Lösung, weil sie unblutig sei und die wenigsten Beeinträchtigungen für die Tiere mit sich bringe. Studien hätten gezeigt, dass auch Verbraucher diese Lösung akzeptierten.

Die meisten Verbraucher interessierten sich nicht im Detail für die Tierhaltung, sagte Mörlein. "Sie wollen aber wissen, ob die Haltung tiergerecht ist." Wenn es der Branche gelinge, überzeugend zu vermitteln, für mehr Tierwohl in den Ställen zu sorgen, seien die Kunden auch bereit, für den Mehraufwand zu zahlen.

Wichtig sei, dass die Landwirtschaft nach außen ein Leitbild vermittele, wo sie sich hinentwickeln wolle. Ebenso wichtig sei auch, dass die einzelnen Landwirte für die Verbraucher ein Gesicht bekämen und sich um die regionale Vermarktung kümmern.

Isofluran-Geräte noch nicht zertifiziert

Eine weitere Alternative bei der Ferkelkastration ist die Betäubung der Ferkel mit Isofluran. In Cloppenburg konnten sich die Besucher Geräte zur Betäubung von Ferkeln anschauen. Die Geräte seien aber noch nicht zertifiziert, sagte Quaing. Daher gebe es auch noch keine Schulungen für diese Geräte.

In der Bio-Landwirtschaft ist die Kastration mit Isofluran-Betäubung schon länger Standard. Das Verfahren sei problemlos, sagte Bio-Ferkelerzeuger Heinz-Dieter Lödden aus der Grafschaft Bentheim, der 850 Muttersauen hält. Die Branche habe eigentlich zu spät damit begonnen, sich um Alternativen zur betäubungslosen Ferkelkastration zu kümmern. "Wir müssen das bieten, was die Verbraucher verlangen", sagte er.

Mit Material von dpa

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