gülle wird mit Schleppschlauch auf Acker ausgebracht
Christel Grommel | am

Cloppenburg: Streit um Gülle mit Greenpeace

Greenpeace kritisierte, dass es einen "Gülletourismus" gebe und die Gülle zudem mit resistenten Keimen und Antibiotika belastet sei.

Greenpeace hat laut eigenen Angaben Proben aus elf schweinehaltenden Betrieben im Raum Cloppenburg analysieren lassen. Die untersuchten Proben hätten Antibiotikarückstände und sieben davon (multi-)resistente Keime aufgewiesen.

Die Umweltorganisation kritisierte auch den "Gülletourismus" - das Verbringen von Gülle in andere Regionen. Man habe die Transporte beobachtet und verfolgt, es sei im Schnitt 220 Kilometer zurückgelegt worden, teils nach Sachsen-Anhalt oder Mecklenburg-Vorpommern. So würden die Keime in der Gülle auch in andere Regionen verteilt. 

"Diese unverantwortliche Streuung der Risiken kann nicht die Lösung für die Überproduktion von Billigfleisch und Gülle sein", so der bei Greenpeace für Landwirtschaft zuständige Dirk Zimmermann.

Greenpeace befürchtet, dass mit der Verschärfung der Düngeverordnung noch mehr Transporte nötig werden könnten.

Landvolk weist auf Antibiotika-Rückgang hin

Landvolk-Präsident Albert Schulte to Brinke entkräftet die Vorwürfe: "Es ist sehr viel unternommen worden in den vergangenen Jahren. Der Einsatz von Antibiotika zum Beispiel ist innerhalb von zehn Jahren um 60,7 Prozent zurückgegangen. Antibiotika wird heute sehr bewusst und kontrolliert eingesetzt."

Das Niedersächsische Landwirtschaftsministerium (ML) gab an, sich seit Langem für die Transparenz von Nährstoffströmen einzusetzen. Alle Landwirte, die ihren Wirtschaftsdünger verbringen, müssen diese Daten in ein eigens hierfür eingerichtetes Meldeprogramm eintragen. Die Meldungen fließen in den jährlich erstellten Nährstoffbericht des Landes ein.

Die Interessengemeinschaft Deutscher Schweinehalter (ISN) kritisierte das Vorgehen von Greenpeace. Der Antibiotikaeinsatz in der Schweinehaltung sei in den letzten Jahren sehr deutlich zurückgegangen und habe sich nachhaltig auf einem niedrigen Niveau eingependelt. "Wir wollen das Thema keineswegs verharmlosen", so ISN-Geschäftsführer Dr. Torsten Staack. "Im Gegenteil: Wir bekennen uns schon seit Jahren zu einem verantwortungsbewussten Umgang mit Antibiotika in der Tierhaltung. Und wir scheuen hier auch nicht die offene Diskussion. Die Zahlen sprechen ganz klar für das Engagement der Bauern."

Die Vorgehensweise bei der Datenbeschaffung sei wenig belastbar. Die ISN forderte zu offenen Karten seitens Greenpeace und zu einem Dialog statt Anschuldigungen auf.

Mit Material von Greenpeace, Weser-Kurier, ML, ISN
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