Gesundes-Dorf-Strohfiguren-Aufmacherfoto
Hilke Lehmann | am

Gemeinsam statt einsam im Dorf leben

Was schätzen die Menschen im Dorf und was trägt zu ihrem Wohlbefinden bei? Fragen wie diesen widmen sich ehrenamtliche Gruppen im Landkreis Ammerland in den drei Dörfern Ocholt, Tarbarg und Garnholt.

Früher war es für die Menschen in den Dörfern selbstverständlich, das seit Generationen mündlich überlieferte Gesundheitswissen über Mensch und Tier im täglichen Leben anzuwenden. In vielen Orten gab es damals noch einen "Knackenbrecker" (Knochenbrecher), eine Art Heiler, der viel mehr konnte als "nur" Gelenke einzurenken. Die älteren Dorfbewohner hatten außerdem ein breites Wissen über Wetter und Mond, über Bräuche, Traditionen und Rituale.

Das Modellprojekt "Gesundes Dorf

Dieses althergebrachte Wissen wieder aufzuspüren und für zukünftige Generationen zur Verbesserung der Lebensqualität im Dorf zu nutzen, ist eine der Säulen im Modellprojekt "Gesundes Dorf". Zahlreiche Bewohner der drei Westersteder Dörfer Ocholt, Tarbarg und Garnholt im Landkreis Ammerland beschäftigen sich deshalb seit dem Frühjahr 2020 ehrenamtlich mit dieser Thematik in dem für Niedersachsen einzigartigen Vorhaben. Zur Grundidee gehört hierbei auch, sich ausschließlich auf das Positive zu konzentrieren und daraus Ideen und Lösungen für die nächsten Generationen in den Modelldörfern zu entwickeln.

Altes Wissen "heben"

So wurden im ersten Projektschritt Dorfchroniken auf die erwähnten Themenstellungen hin "durchgeforstet" und die ältere Bevölkerung in den drei Dörfern – zumeist Seniorinnen und Senioren über 80 Jahre – unter anderem nach früher genutzten Gesundheitskompetenzen sowohl für die Menschen als auch für die Tiere befragt. Grundlage dieser Interviews war ein komplexer Fragenkatalog zu Themen wie Selbsthilfe, alten Hausmitteln und Rezepten. Dabei ging es nicht nur um das Wissen, wie akute Beschwerden behandelt wurden, sondern auch um Hinweise dazu, was man früher zur Vorbeugung von Erkrankungen und zur Gesunderhaltung tat.

Garnholter Wünsche

Der nächste Schritt war für die ehrenamtlichen Arbeitsgruppen in den drei Modelldörfern die Aufgabe, aus den Antworten die wichtigsten Aspekte auszuwählen und so aufzubereiten, dass sie – möglichst wieder in Präsenzveranstaltungen – vorgestellt werden konnten. Ein gutes Informationsformat bildeten dabei Wandzeitungen, um Infos übersichtlich zu präsentieren. In Garnholt lief das zum Beispiel so ab: Dort wurden die Ergebnisse im August bei einem Bürgerfrühstück vorgestellt. Der Garnholter Projektverantwortliche Volker Neemann: "Da den Bürgern seit Anfang der Coronakrise ein gemeinsames Treffen versagt gewesen war, kamen nun alle Generationen im Alter von einem halben bis zu 90 Jahren." Neemann berichtete im Gespräch mit der LAND & FORST, dass viele Menschen im Dorf sich zurzeit ganz besonders nach gemeinsamen Festen und Feiern sehnen.

Ocholter Träume

Ebenfalls im August tagten die Arbeitsgruppen in Ocholt – mit der Projektleiterin Martina Stoczczak im Schuljugendheim – und in Tarbarg mit Projektleiter Wolfgang Siems im Dörpshus. Auch hier war Fantasie gefragt, frei nach dem Motto "Wenn du etwas erträumen kannst, dann kannst du es auch erschaffen". Wichtig sei den Dorfbewohnern auch, dass sehr schonend mit der Natur umgegangen werde. Der Bahnhof soll erhalten bleiben und eine bessere "Taktung" bekommen. Auch in Ocholt besteht der Wunsch nach mehr gemeinsamen Unternehmungen und Treffen. Und auch das Thema alternative Energien soll künftig in Ocholt eine größere Rolle spielen als bisher.

Zukunftsträume

Im nächsten Projektbaustein geht es um klare Zukunftsaussagen und die konkrete Entwicklung von Maßnahmenplänen. Ziel ist, die Zukunftsprojekte im Anschluss direkt umzusetzen. In Ocholt tagte bereits am 18. September eine Arbeitsgruppe, in Tarbarg geht es am 23. Oktober weiter und in Garnholt sind am 9. und 30. Oktober weitere Treffen geplant. Neemann: "Wir hoffen, dass wir durch die Pandemie nicht ausgebremst werden, sondern wie geplant das Projekt im Frühjahr 2022 soweit beenden können, um dann unsere Träume und Projekte planen und verwirklichen zu können."

Mehr zum Projekt lesen Sie in unserer aktuellen Ausgabe der LAND & FORST 39/21. 

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