Fleischrinder
Jan-Gerd Ahlers | am

Vechta: Hier haben Galloways Familienanschluss

Annette und Carsten Haase aus Dinklage, Kreis Vechta, züchten Galloways. Mit den besten Schautieren sind sie nächste Woche in Berlin.

on_Weidekühe

Familie Haase aus Dinklge im Landkreis Vechta züchtet seit 1990 blonde (dun) und schwarze Galloways. Die Tiere werden extensiv gehalten und intensiv betreut. Zur Herde gehören derzeit 52 Tiere: 14 schwarze und fünf blonde Kühe, drei Deckbullen, sowie Färsen, Absetzer und Kälber. Die ältesten Tiere sind Dalinka vom Kronenhof mit 17 Jahren und Karl T 121 Holsten mit zwölf Jahren. Beide stehen für die Zucht auf das Merkmal Langlebigkeit.

Mit Vertrauen und Respekt

Bewirtschaftet werden rund 45 ha Weideland, davon sind 25 ha Naturschutzflächen. Die Weiden von Haase liegen in einem Umkreis von 5 bis 20 km verteilt vom Wohnhaus. Durch schonenden Verbiss und Tritt wird sich im Laufe der Jahre die Weidequalität mit einem höheren Anteil von Kräutern und Leguminosen verbessern.

Wichtig ist Familie Haase die Nähe zu den Tieren mit gegenseitigem Vertrauen und Respekt. Haases Leitspruch ist es, die Tiere extensiv zu halten und intensiv zu betreuen. So ist die Familie jeden Tag auf der Weide und kontrolliert, ob alles in Ordnung ist. Bürste und Striegel sind immer mit dabei, da die Tiere es mögen, durchgebürstet zu werden und es für die Fellpflege ohnehin gut ist.

Galloways sind gute Futterverwerter

Die Mutterkühe vom Kronenhof bringen ihre Kälber meist problemlos (witterungsabhängig auf der Weide oder im Stall) zur Welt. Wenn bei den Flächen kein Stall zur Verfügung steht, gibt es einfache Weidezelte, die mit Stroh bestückt werden, als Unterstand. Das Kalb läuft dann acht bis zehn Monate bei der Mutterkuh mit und ernährt sich von Muttermilch.
Hinzu kommen nach und nach Gras, Heu und Grassilage als Ergänzung. Die Galloways sind gute Futterverwerter und begnügen sich mit Futter von der Weide und Naturschutzflächen sowie Heu, Grassilage und Stroh.

Durch das regelmäßige Beschicken von Tierschauen und Auktionen müssen die Tiere bereits früh lernen, ein Halfter zu tragen und das „sich führen lassen“ wird trainiert. Auch hier erweist sich Geduld, Respekt und Liebe zum Tier als gute Basis. Und man ist stolz darauf, dass alle Tiere halfterführig sind.

Trainingslager

Gallowayzucht-Stephanie-Haase

Direkt nach dem Absetzen von der Mutterkuh (nur im Herdenverband) wird der Nachwuchs bei Familie Haase an das Halfter gewöhnt. Und nach und nach schenkt jedes Jungtier das nötige Vertrauen für das Führen am Halfter. Darum kümmert sich in erster Linie Tochter Stephanie (28).

Die tierliebe junge Frau besuchte bereits zehnmal die jährlichen Trainingslager für den Züchternachwuchs im Fleischrinderbereich der Masterrind in Verden. Auf diesen Wettbewerben holte sich Stephanie Haase das Know-how für die Arbeit mit den Kälbern/Absetzern in der Herde.

Gefüttert, gewaschen und geföhnt

Auf dem Programm der Wochenendveranstaltung stehen Gewichte schätzen, Tierbeurteilung und natürlich das Vorführen, wobei die älteren Teilnehmer die jüngeren unterstützen. Dann müssen die Rinder für den Vorführwettbewerb gefüttert, gewaschen und geföhnt werden; dabei darf das eigene Äußere natürlich auch nicht zu kurz kommen. Eine Besonderheit im Wettbewerb: Die älteren Teilnehmer richten den „Nachwuchs“.

Rassetypisch mit Charakter

Zuchtziel ist ein ausdruckstarkes, rassetypisches Rind mit gutem Fundament und ruhigem Charakter. Bei der Bullenauswahl geht es auch immer um interessante Blutlinien, die noch nicht so stark verbreitet sind. Alle Galloways sind reinrassig und im Herdbuch bei der Masterrind in Verden eingetragen. 70 % der Tiere werden als Zuchttiere ab Hof und über Auktionen vermarktet.

on_Sieger Fleischrinder

Die Züchterfamilie ist seit über 20 Jahren auf Tierschauen von der Kreis- bis zur Bundesebene vertreten und überaus erfolgreich. Auf Landesebene waren Diabolo, Komet und Nilson vom Kronenhof Siegerbullen in Verden, und in Tarmstedt siegten die Bullen Ultimo vom Eichenhof, Karl T 121 Holsten, Nordlicht aus dem Suletal, Komet vom Kronenhof und Beethoven sowie die Färsen Dinky, Olea, Ocka und Lykke vom Kronenhof.

Herausragende Platzierungen auf Bundesebene erreichten Dalinka, Ocka, Kamal und Lykke vom Kronenhof. Ocka ist derzeit die Bundessieger Kuh mit Kalb 2018 und Lykke ist Junior Champion 2018.

Unbekannte Schönheiten

Bis vor 40 Jahren war die Rasse hierzulande nur einigen Experten bekannt. Inzwischen beweiden sie mit ihrem angenehmen Temperament, gepaart mit Genügsamkeit und Robustheit, Naturschutzflächen und Grünland. Es sind genügsame, langlebige, stark herdenorientierte, friedfertige Tiere, die ausgeprägte Naturinstinkte und hervorragende Muttereigenschaften besitzen. Sie sind robust und widerstandsfähig und können somit das ganze Jahr über draußen gehalten werden.

Die Wiege der Galloways

Die Galloways gelten als die älteste Rinderrasse Großbritanniens. Die heutigen Nachfahren der Rassen mit Hörnern (Chillingham-Rinder), so nimmt man an, sind die Devons, Sussex, Herefords und Highlands, während die Nachkommen der hornlosen Rasse ( Chatelherault-Rinder) Galloway, Angus, Suffolk und Norfolk sind.

Der Name Galloway weist auf eine Region Schottlands hin, die denselben Namen trägt. Dieser Landstrich – die Wiege der Galloways – ist durch sein hügeliges Relief und durch hohe Niederschläge von Regen und Schnee gekennzeichnet.

Lesen Sie auch: Bundesschau Fleischrinder

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