Verlegung von Hochspannungs-Erdkabeln für die Südlink Stromtrasse in der Nähe von Diepholz.
Ellen Hartmann | am

Neue Stromtrassen könnten durch Osnabrück und das Emsland führen

Nach dem Netzausbau-Projekt "SuedLink" steht nun das nächste Vorhaben in den Startlöchern: "Korridor B". Hierbei sollen zwei Hochspannungsleitungen Strom von der Küste ins Ruhrgebiet befördern. Die neue Stromautobahn könnte dabei allerdings durch das Osnabrücker Land und auch durch das Emsland laufen.

Nach Angaben der Neuen Osnabrücker Zeitung (NOZ) gewährt der Gesetzgeber beim Projekt "Korridor B" Erdkabeln Vorrang. Doch was verbirgt sich hinter dem Vorhaben? Es handelt sich hierbei um zwei 525-KV-Gleichstromleitungen, die Strom von der Küste ins Ruhrgebiet transportieren und so das Wechselstromnetz entlasten sollen. Dabei beträgt die Strecke zwischen den Netzverknüpfungspunkten Wilhelmshaven und Hamm knapp 270 Kilometer. Zwischen den Netzverknüpfungspunkten Heide/West und Polsum liegen sogar 440 Kilometer. 

Gehen die Trassen durch das Osnabrücker Land und das Emsland?

Wenn die Punkte direkt miteinander verbunden werden, kreuzen sich die Trassen theoretisch bei Vechta. Laut der NOZ sollen beide Leitungen jedoch etwa ab Cloppenburg auf einer gemeinsamen "Stromtrasse" zusammengeführt und ab Münster wieder voneinander getrennt werden. Für den Übertragungsnetzbetreiber Amprion ist Korridor B somit aktuell "ein zentraler Baustein der Energiewende". Denn die Jahre der Kohlekraftwerke sind mittlerweile gezählt, bis 2030 soll der Ausstieg aus der Kohle erfolgen. Das setzt aber voraus, dass der Ausbau der Windkraft ausgebaut wird. Windstrom aus den Küstenländern soll so den Industrieländern im Westen und Süden Energie liefern. 

Momentan liegt für Korridor B eine Grobplanung vor. Derzeit wurden verschiedene Verlaufsvarianten vorgestellt. In der Planung seien städtische Ballungsräume, Naturschutzgebiete und Moorflächen berücksichtigt worden, berichtet die Deutsche Presse-Agentur (dpa). Bis zum Frühjahr kommenden Jahres will Amprion die Planungen bei Informationsveranstaltungen vorstellen, danach sollen die Pläne der Bundesnetzagentur vorgelegt werden. Im Jahr 2026 könnte nach jetzigem Stand die Planung abgeschlossen und mit dem Bau begonnen werden. 2030 soll der Korridor B fertig sein.

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Was bedeutet das für die Regionen?

Momentan befindet sich die Trassenfindung noch in einem frühen Stadium. Würde die westliche Variante durch das Emsland genehmigt werden, wären voraussichtlich Dohren, Lengerich, Thuine beziehungsweise Freren, Schapen, Spelle und Salzbergen betroffen, heißt es hierzu von der NOZ. Bei der östlichen Variante würde die Trasse durch Quakenbrück, Bersenbrück, Ankum, Schwagstorf und Neuenkirchen im Landkreis Osnabrück verlaufen und dann nach Nordrhein-Westfalen in den Kreis Steinfurt laufen. 

Wie wird die Stromtrasse festgelegt?

Festgelegt wird die Trasse in einem mehrstufigen Verfahren. Nach Ansicht von Amprion soll im Sommer 2022 der am besten geeignete Korridor bei der Bundesfachplanung der Bundesnetzagentur vorgestellt werden. Im Anschluss an die Planfeststellung wird dann die endgültige Trassenführung festgelegt. Die Arbeiten an der Trasse könnten dann im Jahr 2026/2027 theoretisch beginnen. Bis Windstrom aus Schleswig-Holstein und Niedersachsen nach NRW könne es aber noch bis 2030 dauern. Amprion sei laut der NOZ jedoch auch in der "komfortablen Position", einen gesetzlichen Auftrag auszuführen. Denn der Korridor B ist seit März diesen Jahres als Vorhaben 48 und 49 im Bundesbedarfsplangesetz (BBPIG) verankert. Die Kosten des Projekts werden derzeit auf rund sieben Milliarden Euro geschätzt. Dabei entfallen zwei Drittel auf den Bau und die Kabel. 

Amprion plant für den 9. November von 18 bis 20 Uhr eine digitale Bürgerinformation für die Bewohner des Osnabrücker Landes sowie des Emslandes. Informationen hierzu gibt es auf der Website des Unternehmens. 

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Welche Auswirkungen haben die Kabel auf den Boden?

Vom Übertragungsnetzbetreiber Amprion heißt es zu den Auswirkungen der Kabel auf den Boden, dass es abgesehen von der Bauphase zu keinen Beeinträchtigungen für die Landwirtschaft kommen solle. Das Erdreich, dass für den bau ausgehoben werden müsse, solle gelagert und wieder eingesetzt werden. Im Anschluss solle der Boden rekultiviert werden und Ackerbau sei dann wie zuvor wieder möglich, heißt es weiter. Zudem sollen die Landwirtinnen und Landwirte während der Bauphase für Beeinträchtigungen entschädigt werden. Dennoch: zahlreiche Landwirte befürchten durch den Trassenbau Bodenerwärmungen. Amprion sagt hierzu, dass nach bisherigen Erkenntnissen kaum Temperaturunterschiede festgestellt worden seien. 

Mit Material von NOZ und dpa
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