Landwirt Karl Große Ostendarp und seine Partnerin halten in Jeggen im Landkreis Osnabrück mehrere Wagyu-Rinder.
Ellen Hartmann | am

Osnabrück: Wie 35 Wagyu-Rinder in Jeggen leben

Sie sind sein ganzer Stolz: 35 reinrassige Wagyu-Rinder sowie rund 30 Kreuzungen aus Wagyu und Deutschem Schwarzbunten Niederungsrind stehen auf der Weide von Landwirt Karl Große Ostendarp in Jeggen im Landkreis Osnabrück. Beim Gedanken an das Fleisch der Tiere dürfte so manchem Feinschmecker das Herz höher schlagen.

"Vor gut acht Jahren habe ich das erste Mal von den unvergleichlich leckeren Wagyu-Steaks gehört, aber festgestellt, dass mir der Preis zu teuer war", berichtet Landwirt Große Ostendarp gegenüber der Neuen Osnabrücker Zeitung (NOZ). Wagyu-Fleisch zählt zu den teuersten Lebensmitteln der Welt, ein Kilo des japanischen Rindfleisches kann mehrere hundert Euro kosten. 

Warum züchtet Große Ostendarp ausgerechnet asiatische Rinder?

Bei dem Kaufpreis der Tiere habe er noch gezögert, dann aber doch nicht widerstehen können, gibt der Landwirt zu und zeigt auf seine Herde, die auf einer Weide in Jeggen steht. "Das ist Lara. Mit ihr hat alles angefangen." Unterstützt wird er von seiner Lebenspartnerin Jutta Kassens. Jeden Tag geht das Paar für zwei Stunden auf die Weide und versorgt die Rinder aus Asien. Die Zucht von Große Ostendarp begann damit, dass er hochwertige Spermien kaufte und seine Lara damit künstlich besamte. In den folgenden Jahren bekam sie mehrere Kälber und die Herde wuchs stetig an. Zusätzlich stehen neben den 35 reinrassigen Wagyu-Rindern aber noch 30 Kreuzungen aus Wagyu und Deutschem Schwarzbunten Niederungsrind auf der Weide des Landwirts. "Wenn entsprechende Bullen eingesetzt werden, kommt auch das Fleisch ganz nah an das hundertprozentige Wagyufleisch ran."

Werden Wagyus in Japan mit Bier eingerieben?

Um die Aufzucht der aus Japan stammenden Rinder ranken sich zahlreiche Geschichten. So sollen die Japanerinnen und Japaner die Tiere angeblich mit Sake und Reisstroh füttern und sie mit Bier einreiben. Große Ostendarp kann da nur lachen: "Unsere Tiere haben hier mehr Wohlfühlurlaub als die in Japan. Und das Bier trinke ich lieber selbst." Auch die Theorie, dass erst die Massage zu der typischen Marmorierung des Fleisches führe, widerlegt der Landwirt. Große Ostendarp ist begeistert von dem Fleisch der Wagyus, vom intramuskulären Fett, das bei niedrigen Temperaturen zu schmelzen beginnt und dann eine cremige Konsistenz bilde. 

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Wie funktioniert die Vermarktung?

Die Rinder von Große Ostendarp wachsen ohne Stress auf, sagt er. Schlachten lasse er die Tiere regional in "Tims Hofladen" in Lienen in der Region Tecklenburger Land. Hier wird das Fleisch der Rinder auch für einige Wochen in einem speziellen Trocknungsschrank gereift. Die verschiedenen Cuts sowie Bratwürste, Tafelspitz, Burger Patties, Grillsteaks, Brisket oder Gulasch werden dann im offiziellen Hofverkauf vermarktet. Zur Wurst verarbeitet wird das Fleisch von Große Ostendarps Rindern ebenfalls regional von einem Metzger aus Georgsmarienhütte. Derzeit liegt der Kilopreis Filet bei 99 Euro, reich mache sie das aber nicht, so der Landwirt. 

Große Ostendarp setzt auf Tierwohl

"Durch Corona läuft die Direktvermarktung ganz gut", erklärt der Jutta Kassens. "Die Menschen ernähren sich bewusster, achten auf mehr Qualität und wollen wissen, wo das Fleisch herkommt." Große Ostendarp ergänzt: "Wir versuchen es hier familiär zu halten." So bieten die Beiden nicht nur Rezeptvorschläge zum Grillen oder Smoken für ihre Besucher an, sondern auch Informationen über die Tiere. Wer mag, kann sich die Rinder auch auf der Weide anschauen und sich vom Tierwohl überzeugen. Wer Wagyu-Fleisch kaufen wolle, müsse aber vorher vorbestellen - am besten über Social Media. "Tomahawk und Filet sind immer als erstes weg", bilanziert der Tierhalter. 

Mit Material von NOZ
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