Familie Droste zwischen ihren geschlagenen Weihnachtsbäumen
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Osnabrück: 50 Hektar Weihnachtsbaumkultur halten gut auf Trab

Familie Droste aus Vehrte, Kreis Osnabrück, bauen Weihnachtsbäume im Vollerwerb an – auf inzwischen 50 Hektar.

In den 80er Jahren pflanzte Rolf Drostes Vater in Vehrte im Osnabrücker Raum die ersten Weihnachtsbäume, hielt Milchkühe und mästete Bullen. Heute baut Rolf Droste auf 50 Hektar Weihnachtsbaumkulturen im Vollerwerb an. Und die ganze Familie ist in der Hochsaison mit dabei.

Gerade ernten die Saisonarbeiter des Betriebes Schnittgrün. Ein Teil der Bäume wurde eigens für diesen Zweck gepflanzt. Mit geübter Hand und einer meterlangen Baumsäge schneiden die Rumänen zwei Kränze von den Stämmen. Die beiden Reihen darüber bleiben stehen. In zwei Jahren sind auch sie reif für den Schnitt.

Seit vielen Generationen im Familienbesitz

Der Hof von Adriana und Rolf Droste ist schon von weitem mit dem weißen Fachwerkgebäude in der hügeligen Landschaft am Rande des Wiehengebirges zu sehen. Der Betrieb ist seit vielen Generationen im Familienbesitz. Das Bauernhaus aus dem Jahr 1751 ist in seiner ursprünglichen Bauweise erhalten geblieben.

Unweit des alten Hofkomplexes befindet sich ein Altenteiler-Haus, das in moderner Holzbauweise errichtet wurde. Hier wohnt die junge Familie mit den Kindern Allan (22), Alana (21), Alene (17) und Amelie (3). Mutter Adriana ist in Brasilien geboren. „Wir haben uns auf dem Stadtfest kennengelernt“, erzählt Landwirt Droste. Der 44-Jährige sagt scherzhaft: „In Brasilien kennt man nur Plastikbäume.“

Mittlerweile aber sind alle in der Familie Fans der duftenden Tannen auf dem Hof.

Saison startet mit Advents-Deko und Trauerfloristik

Anfang 2001 hat Droste den landwirtschaftlichen Betrieb übernommen. Mit den 50 ha Weihnachtsbaum-Kulturen einschließlich der Pachtfläche ist der Hof einer der größeren Anbauer in Deutschland. Denn laut Bundesverband der Weihnachtsbaum-Erzeuger bewirtschaften 75 Prozent der Anbauer eine Fläche unter 10 ha.

Die Saison auf Hof Droste beginnt mit dem Verkauf von Schnittgrün für die Trauerfloristik und Advents-Deko. Dafür werden in der Scheune die Zweige zu 1-Kilo-Bunden zusammengefasst. Nebenan werden zeitgleich die Paletten für den Transport der Weihnachtsbäume vorbereitet.

„Die Arbeit steigert sich jetzt von Woche zu Woche“, erzählt Rolf Droste. „Mit sechs Leuten beginnen wir. Mitte November haben wir 15 Arbeitskräfte, Anfang Dezember 25 und ab dem 10. Dezember sind es dann 45 Arbeitskräfte. Der größte Teil kommt aus der Region und ist schon lange dabei.“

Heiße Sommer sind Herausforderung

Vor der Hofübernahme hatte sich Rolf Droste für eine Ausbildung in einem anderen Beruf entschieden. „Ich bin gelernter Karosserie-Bauer, das kommt mir heute auf dem Betrieb zugute“, erklärt er. Denn das Angebot an technischen Hilfsmitteln für Weihnachtsbaum-Kulturen ist überschaubar. „Es gibt keine Produkte von der Stange zu kaufen“, weiß Rolf Droste. Die Palettier-Maschine und die Pflanzmaschine sind in Eigenbau entstanden, wie auch viele andere Kleinigkeiten, die die Drostes benötigen.

Bis ein stattlicher Baum das Wohnzimmer schmückt, vergehen viele Jahre. Eine 14 Jahre alte Nordmanntanne ist zwei Meter hoch. Damit immer eine ausreichende Anzahl in verschiedenen Größen vorhanden ist, wird jährlich neu gepflanzt. Die vierjährigen Setzlinge werden gekauft und kommen im März in den Boden.

Die heißen, trockenen Sommer der letzten Jahre waren dabei eine neue Herausforderung für den erfahrenen Landwirt.

Jungpflanzen setzen per Maschine

Eine Weihnachtsbaumkultur von Familie Droste mit Blick ins Osnabrücker Land

„Bei der Anpflanzung der Jungpflanzen hatten wir ein Problem“, erklärt er und zeigt auf kleine braune Tannen, die in den Lücken zwischen den hohen Nadelbäumen stehen. „Diese wurden von Hand gesetzt und sind vertrocknet. Geschieht das mit der Maschine, kriegen die einen guten Bodenschluss.“

Das bedeutete, dass um den Wurzelballen herum keine Hohlräume verbleiben und die frisch austreibenden Wurzeln gleich Wasser und Nährstoffe aufnehmen können.

Saat auf dem Betrieb gewonnen

Auch die Aussaat ist auf dem Hof erprobt. Dafür werden die Zapfen der 15 Meter hohen Nordmann-Tannen gepflückt. „Nach vier Jahren wird der junge Nadelbaum auf den Endstandort verpflanzt, nach weiteren fünf Jahren ist er einen Meter hoch und man kann die Tendenz sehen, ob es ein guter Baum wird“, fährt Droste fort. Eine Abdeckung mit Vlies schützt die Jungpflanzen gegen späte Nachtfröste.

Damit Vögel die empfindlichen Baumspitzen nicht abbrechen, werden Stäbe angebracht. Düngen und Unkraut regulieren sind weitere Pflegemaßnahmen. Im Mai erfolgt dann ein Formschnitt. „Ein Baum muss wie eine Pyramide aussehen, dann hat er die richtige Form, “ weiß der Vehrter.

Nordmanntanne besonders beliebt

Der gängigste Weihnachtsbaum ist immer noch die Nordmanntanne. 85 Prozent macht ihr Anteil an den Kulturen aus. „Ich werde oft gefragt, ob die Nordmanntanne noch der Trendbaum ist“, berichtet der Landwirt. „Seit 1983 ist sie in der Beliebtheit nicht zu schlagen. Sie hält sich am längsten und ihre Nadeln sind weich.“

Die üblichen Maße sind 1,80 m und 1,90 m, und er muss schmal sein.

Blaufichte nur noch 10 Prozent

Bei der Blaufichte waren es einmal 20 Prozent, nun sind es noch 10 Prozent. Die Nachfrage nach den blauen Tannen ist gesunken. „Den Anbau der Frasertanne haben wir ganz auf null zurückgefahren. Die haben einen Pilz bekommen und die Nadeln werden innerhalb von Monaten braun“, beschreibt Rolf Droste ein weiteres Problem, das er auf das veränderte Klima zurückführt.

Andere Sorten konnten sich im Laufe der Jahre wiederum nicht am Markt durchsetzen. So sind von den ehemals 15 noch vier übriggeblieben. Kiefern und Zypressen werden auf Nachfrage angeboten. Ein ganz wichtiges Kriterium für eine gute Vermarktung ab Hof ist die Frische. „Die Floristen schicken abends ihr Fax oder eine Nachricht per WhatsApp, und am anderen Tag liefern wir. Das Schnittgrün darf einen Tag alt sein, aber keine Woche. Bei den Bäumen ist der Ablauf identisch“, erklärt der Familienvater den Ablauf.

15 Verkaufsstände in der Hochsaison

Ab dem 1. November sind die neun Bullis des Betriebs täglich unterwegs. Beliefert werden 15 Verkaufsstände in Osnabrück und Umgebung. Der Transport der Weihnachtsbäume für die Kundschaft aus dem gewerblichen Bereich wie Kirchen, Hotels, Geschäfte oder Fußgängerzonen erfolgt ebenfalls ab Hof.

Das hofeigene Geschäftsmodell lautet dabei: Weihnachtsbaum mit Ständer zur Miete und Aufstellen an Ort und Stelle plus Abholen nach dem Fest. Bestellt werden Bäume in jeder Größe, die bis nach Holland, ins Rheinland oder ins Ruhrgebiet geliefert werden.

Mehr über den Familienbetrieb Droste im Osnabrücker Land lesen Sie in der LAND & FORST 50/19.

Mit Material von Margot Bischof

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