Land schafft Verbindung-Debatte
Maren Diersing-Espenhorst | am

Osnabrück: Bauernmilliarde bekommt schlechte Noten

Der ländliche Raum und die Landwirtschaft müssen gestärkt werden, darin waren sich die Teilnehmer der Diskussionsrunde zum Thema „Landwirtschaft geht uns alle an – Ländliche Räume werden aktiv“ von „Land schafft Verbindung“ in Osnabrück einig. Wie der Weg zu dieser Stärkung aussehen kann, dafür scheint es aber kein Konzept zu geben.

„Wir haben dafür Sorge zu tragen, dass die Menschen in Lohn und Brot kommen, damit sie mehr Geld für Lebensmittel zahlen können“, sagte MdB Rainer Spiering (SPD) vor etwa 800 Zuschauern. Dass sie diese Ansicht für naiv halte, antwortete eine junge, angestellte Landwirtin aus dem Publikum: „Auch wenn Menschen mehr verdienen, werden sie dieses höhere Einkommen niemals für teurere Nahrungsmittel ausgeben.“

Landwirtschaftliche Betriebe erhalten

Für Anna Kebschull (Bündnis 90/Die Grünen), Landrätin des Kreises Osnabrück, hat es höchste Priorität alle landwirtschaftlichen Betriebe, die es im Landkreis derzeit noch gibt, zu halten. Diese Ansicht hielt MdB Dr. Gero Hocker (FDP) für wenig überzeugend. Er sieht, wie in allen Wirtschaftsbereichen, die Chancen im Wachstum der Betriebe: „Landwirte scheuen den Wettbewerb nicht“, sagte er. „Sie wollen unternehmerisch handeln und nicht von Almosen des Staats abhängig sein.“ Deswegen gab er der Bauernmilliarde der großen Koalition auch die Schulnote 5, denn sie zeige, dass die Politik in Berlin verstanden habe, dass sich etwas ändern müsse. Allerdings würden falsche Schlüsse gezogen und die versprochenen Gelder seien kein geeignetes Instrument, um die Landwirtschaft zu fördern.

MdB Dr. André Berghegger (CDU) gab der Milliarde mit der Schulnote 3 ein etwas milderes Urteil, fügte aber hinzu: „Es besteht noch dringender Diskussionsbedarf mit den Eltern.“

Für ländliche Räume einsetzen

Hinsichtlich der Düngeproblematik waren sich die Teilnehmer einig, dass in der Vergangenheit Fehler gemacht wurden und man versäumt hätte aktiv zu werden. „Dafür können wir nicht Brüssel verantwortlich machen“, stellte Spiering klar.

Fritz Pucher, Deutsche Vilomix Tierernährung, fügte hinzu, dass das Thema Düngeverordnung gelaufen sei: „Wir stehen am Ende eines rechtlichen Prozesses. Das Kind ist in den Brunnen gefallen. Die Düngeverordnung kommt.“

Stephan Künne von „Land schafft Verbindung“ sagte abschließend, dass sich seine Organisation im Landkreis auch zukünftig für die Belange der Landwirtschaft und des ländlichen Raums einsetzen wolle. Er sieht aber die Herausforderung darin, dass die Politik zwar viel verspreche. Man gäbe aber den Landwirten nicht die Zeit, sich zu entwickeln und auf die neuen Anforderungen einzustellen. „Wir sind innovativ und haben uns immer weiterentwickelt“, sagt er, „und wir wollen auch in Zukunft Landwirtschaft betreiben.“

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