Wegweiserschild für Hausarztpraxis
Janina Schuster | am

Osnabrück: Kommt die Landarztquote?

Laut einer Studie könnte die Hausarztdichte im Landkreis Osnabrück bis 2035 um 47 Prozent zurückgehen. Kann man dieser Entwicklung mit einer Landarztquote begegnen?

Mit dieser Prognose wäre Osnabrück der landesweit am stärksten betroffene Landkreis. Die Studie im Auftrag der Robert Bosch Stiftung ergab, dass es in einem Jahr schwierig werden könnte, einen Hausarzt im Osnabrücker Land zu finden. Noch sei die Situation in der Stadt zwar nicht dramatisch, doch auch in Osnabrück selbst könnte die Hausarztdichte bis 2035 um 14 Prozent zurückgehen.

Wir werden immer älter - auf dem Land ist das ein Problem

Innerhalb der nächsten 14 Jahre werden viele Hausärzte in den Ruhestand gehen, so die Ergebnisse der Untersuchung. Gleichzeitig fehlen Nachwuchsmediziner, die sich in gleicher Zahl niederlassen möchten. Viele jüngere Ärzte bevorzugen heute das Angestelltenverhältnis oder wählen Teilzeitmodelle. Wegen des demografischen Wandels und der zunehmenden Alterung der Gesellschaft sehen Experten zukünftig einen Mehrbedarf und eine individuelle Unterstützung in allen Lebensbereichen. So reiche es nicht, einfach nur die Zahl der Hausärzte zu erhöhen. 2019 wurde eine Bevölkerungsprognose für den Landkreis veröffentlicht. Diese besagte, dass die Zahl der über 65-Jährigen bis 2035 um rund 40 Prozent steigen wird.

Es droht ärztliche Unterversorgung

Während die Zahlen in diesen Bereichen steigen, nehmen sie in anderen ab: die Zahl der in Niedersachsen niedergelassenen Hausärzte wird bis 2035 von 5044 auf 3750 sinken, so Detlef Haffke, Sprecher der Kassenärztlichen Vereinigung Niedersachsen (KVN). „Hausärzte, aber auch fachärztliche Disziplinen stehen im ländlichen Raum mittelfristig stark unter Druck“, sagt Haffke. "Die Sicherstellung der flächendeckenden vertragsärztlichen Versorgung wird immer schwerer werden." Es droht eine Unterversorgung.

Rahmenbedingungen in den Landkreisen müssen sich verbessern

Die KVN investiert bereits in Niederlassungsförderung. Doch reicht das am Ende nicht aus. So setzt sie sich für die Erhöhung der Studienplätze für Medizin, aber auch für eine Landarztquote ein. Damit "geben wir hochmotivierten Bewerbern die Chance, Ärztin oder Arzt zu werden, auch wenn sie keine Traumnote im Abitur haben", erläutert Haffke. Doch müssen auch die Rahmenbedingungen für Niederlassungen verbessert werden. Das ginge nur in enger Zusammenarbeit mit den Gemeinden und Landkreis. So müsse der öffentliche Nahverkehr erhalten bleiben, um die Mobilität der Menschen gewährleisten zu können. Auch Patienten müssten in der Lage sein, mit Bussen in die Arztpraxen kommen zu können.

Medizinische Versorgungszentren als Lösung?

Bislang gilt, dass Ärzte sich immer dann niederlassen dürfen, wenn sie eine bestehende Praxis übernehmen. Ander Niederlassungsmöglichkeiten gibt es für Fachärzte nicht. In vielen Gemeinden sind laut KVN diverse Praxen jedoch unbesetzt geblieben. In Melle scheint die Lage am gravierendsten: dort sind 7,5 Hausarztsitze unbesetzt.

Eine Idee, um diesem Problem zu begegnen sind Gesundheitszentren. Dort könnten Ärzte in verschiedenen Arbeitsmodellen zusammenarbeiten und unterschiedliche Gesundheitsberufe unter einem Dach vereint werden. Diese sogenannten medizinischen Versorgungszentren (MVZ) wurden sogar Landratswahlkampfthema. "Die Hausarztversorgung ist ein Problem. Wir müssen uns mit neuen Modellen darum kümmern, dass auch in kleinen Orten wie hier in Gehrde der Arzt vor Ort anwesend ist. Und das sehe ich über Satellitenpraxen, über MVZ, die hier zumindest tage- und stundenweise den Arzt vor Ort haben. Darum werde ich mich als Landrätin kümmern", sagte Anna Kebschull bei einem Ortstermin in Gehrde im Nordkreis vor zwei Jahren. Kommunen und Gemeinden könnten eigene MVZ gründen und Ärzte anstellen, so die Idee.

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