Landwirtin Gabriele Mörixmann mit ihren Schweinen
Janina Schuster | am

Osnabrück: Livestream aus dem Aktivstall für Schweine

Im Düsseldorfer Rewe-Markt von David Hegemann kann man jetzt fernsehen. Statt der hiesigen Fernsehsender kann man dort jedoch Schweinen zugucken. Per Livestream in den Aktivstall der Meller Landwirtsfamilie Mörixmann.

Der Bildschirm für den Livestream ist passend hinter der Fleischtheke platziert. "Wissen wo es herkommt" bekommt in diesem Zusammenhang erst die richtige Bedeutung. Denn, dass was der Supermarktkunde dort sehen kann, ist der Alltag der Schweine eines Aktivstalls in Melle im Landkreis Osnabrück. Aus diesem Stall bezieht Hegemann sein Schweinefleisch. Der potentielle Schweinefleischkäufer oder die -käuferin kann sich so selbst von den Haltungsbedingungen überzeugen. Marktchef Hegemann geht es dabei um mehr als die reine Information - es geht um Vertrauen.

Haltungsstufe 4 als Priorität

Schon seit längerer Zeit arbeitet der Düsseldorfer Rewe-Markt mit dem Tierschutzverein Düsseldorf zusammen, um beispielsweise Spenden zu sammeln. Dann kritisierte der Verein, dass das Fleisch in Hegemanns Markt ja immer noch aus der schlechtesten Haltungsstufe stamme. Doch Tierschutzverein und Hegemann wurden auf die Meller Landwirtsfamilie Mörixmann und ihren Aktivstall in Hilter aufmerksam. Der Marktchef überzeugte sich vor Ort von den Haltungsbedingungen und nahm die Produkte des Hofes mit Aktivstallkonzept in sein Sortiment auf. Zeitgleich sortierte er sämtliches Schweinefleisch schlechterer Haltungsstufen an der Theke aus.

Kundschaft blieb skeptisch - bis zum Livestream

"Es gab aber immer noch skeptische Kunden, die bezweifelten, ob das wirklich Haltungsstufe 4 sei", berichtet Hegemann und spielte fortan Kurzfilme vom Hof an der Fleischtheke ab. Doch auch das ließ die Skepsis der Kundschaft nur mäßig sinken. So kam Hegemann auf die Idee mit dem Livestream. Fortan konnten Kunden live dabei zusehen, wie die Schweine in der Sonne liegen, um Strohballen rennen und ihre Köpfe in den Futtertrog versenken. Sie konnten sehen, dass es einen Außenbereich, einen Strohstall und Spaltenboden gibt.

Livestream zeigt alles - auch das Negative

"Vertrauen kriegt man nicht geschenkt, man muss was dafür tun", sagt Landwirtin Gabriele Mörixmann. Sie und Hegemann wollen dieses Vertrauen der Kunden gewinnen. Der Livestream ist für beide die "Flucht nach vorne". Das kann auch nach hinten los gehen. Denn so schön spielende und herumspringende Schweine sind, was ist mit den Schattenseiten eines Schweinestalls? Theoretisch kann im Leben eines Schweins eine Menge passieren: Kämpfe zwischen den Tieren, Krankheit und auch Tod. Mörixmann sagt dazu: "Wer hat schon gerne ganztägig einen Livestream von seinem Arbeitsplatz?" Doch zu verheimlichen habe sie nichts. Negative Ereignisse möchte die Landwirtin im Internet aufarbeiten. Der Livestream führe zu einer höheren Kommunikationsbereitschaft. Die Kunden würden eher mal nachfragen. Die Verkäufer seien extra geschult, diese Fragen zu beantworten.

Idee zieht neue Kunden an

Bis zu 40 Prozent teurer ist das Fleisch aus dem Aktivstall. Da der Stadtteil nicht die höchste Kaufkraft besitze, habe sich Hegemann Sorgen gemacht, ob die Produkte überhaupt nachgefragt würden. Seine Lösung: Das Fleisch lediglich 20 Prozent teurer anbieten und damit auf einen Teil der Gewinnspanne verzichten. Dank neuer Kunden gehe diese Rechnung auf.

Den Kunden gefällt der Livestream. "Vielleicht wird dem Einen oder Anderen dann klar, dass sein Schnitzel mal ein lebendes und fühlendes Wesen war! Vergleichbar mit dem Familienhund!", schreibt eine Userin auf der Facebook-Seite des Rewe-Marktes. Diese Rückmeldungen spornen an. Hegemann hat bereits weitere Pläne. Demnächst soll es eine Liveübertragung aus einem Hühnerstall geben.

Mit Material von NOZ
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