Marderhund, Nutria und Waschbär breiten sich im Raum Osnabrück immer weiter aus und das sorgt auch für Probleme.
Ellen Hartmann | am

Osnabrück: Nutria, Waschbär und Marderhund machen sich breit

In Osnabrück gibt es derzeit so einige Probleme mit Wildtierarten, die es in Deutschland noch nicht lange gibt. Die Rede ist von Nutria, Waschbär und Marderhund. Sie haben Osnabrück und die Umgebung um die Stadt herum scheinbar als ihren neuen Lebensraum ausgewählt.

"Die erste Nutria in Osnabrück tauchte 2016 am Haarmannsbrunnen auf", weiß Reinhold Rethschulte, Jagdaufseher der Stadt Osnabrück. "Doch schon etwa drei Jahre zuvor berichteten mir Jäger von Sichtungen dieser Tierart in Ostbevern." Den Waschbär habe man zum ersten Mal im Jahr 2011 in Osnabrück entdeckt. Damals sei das Tier durch typische Kratzspuren an Bäumen im Heger Holz und im Osnabrücker Stadtteil Atter identifiziert worden, so Rethschulte gegenüber der Neuen Osnabrücker Zeitung (NOZ). 

Einschleppung der Wildtiere auf dem See- oder Luftweg

Doch mit Waschbär und Nutria nicht genug, nun habe auch ein weiteres Tier Osnabrück entdeckt: "Und jetzt scheint der Marderhund auch da zu sein“, so Rethschulte. Erst Ende September sei auf einem Firmengelände in der Stadt ein Marderhund in eine Falle getappt. Vorher hatte das Tier Bürokabel angenagt. Eigentlich stammen die Wildtierarten Nutria, Waschbar und Marderhund nicht aus Europa. Vielmehr wurden sie in den letzten Jahren durch die zunehmende Globalisierung in unsere Gefilde eingeschleppt - ob bewusst oder unbewusst. Hier konnten sich die Tiere dann ausbreiten. 

Nutria und Waschbär gelten als "invasiv"

Marderhund, Nutria und Waschbär gehören zur Gattung der Neozoen - also zu einer eingeführten, gebietsfremden Art. Durch ihr Vorkommen in  neuen Lebensräumen können die Neozoen das ökologische Gleichgewicht in ihrer Umwelt durcheinander bringen. Denn meist verdrängen sie heimische Arten, da sie ihnen die Nahrung wegfressen oder Krankheiten auf sie übertragen. Allerdings ist dies nicht immer der Fall: es gibt auch Tier- und Pflanzenarten, die sich in unsere Umwelt gut einfügen und die biologische Vielfalt damit bereichern. Da Nutria und Waschbären in ihren Lebensräumen jedoch ökologische und ökonomische Schäden anrichten, hat das Bundesamt für Naturschutz hat Veränderungen in der Tier- und Pflanzenwelt Deutschlands sie als "invasiv" eingestuft. Der Marderhund gilt als "potenziell invasiv". 

Woher kommen Nutria?

Ursprünglich stammen Nutria aus Südamerika. Nach Europa gelangten die Neozoen, um sie auf Pelztierfarmen zu züchten. "In der DDR gab es vier große Farmen, auf denen Nutria wegen ihrer Pelze und auch zur Fleischgewinnung gehalten wurden", erklärt Rethschulte weiter. "Nach dem Mauerfall hatten die Farmen keine Bedeutung mehr und die Tiere wurden einfach frei gelassen. Von dort aus haben sie sich bis zu uns ausgebreitet." Erste Nutria wurden im Jahr 2016 am Haarmannsbrunnen in der Osnabrücker Innenstadt entdeckt, nur wenige Monate später dann auch auf dem VW-Firmengelände in Fledder. "Seitdem haben sich die Nager, die oft mit Bisamratten oder Bibern verwechselt werden, zu einer regelrechten Plage in Osnabrück und auch im Umland entwickelt", weiß der Osnabrücker Jagdaufseher. 

Warum fühlen sich die Neozoen bei uns so wohl?

Eine Frau füttert Nutria.

Dass sich die Wildtiere bei uns so heimisch fühlen und immer weiter verbreiten, liegt laut Rethschulte auch daran, dass die Tiere oftmals von Spaziergängern gefüttert werden. So verlieren sie jedoch ihre natürliche Scheu vor Menschen. "Das geht soweit, dass sich Nutria am Regenrückhaltebecken in der Dodesheide in den unteren Teil eines Kinderwagens setzten und sogar einem Mann am Haster Weg in den Finger bissen", erinnert sich Rethschulte, der bei Problemen mit Neozoen hinzugezogen wird. 

Osnabrücker klagen über "Nutria-Hotspot"

Mittlerweile gebe es in allen Teilen der Stadt Osnabrück sogenannte "Nutria-Hotspots", so der Jagdaufseher: Die Tiere leben hinter dem Nettebad, an der Nette in der Nähe der Angela-Schule, im Hase-Feuchtgebiet in Lüstringen, an den Regenrückhaltebecken in der Dodesheide uns auch in den Hase-Auen an der alten Römerbrücke im Wesen Osnabrücks. Laut Rethschulte haben allerdings nicht alle Nutria braunes Fell, sondern auch mal grau-braunes oder weißes. An vielen dieser genannten Stellen richten Nutria ökonomischen Schaden an, da die Tiere Uferböschungen untergraben, die an landwirtschaftliche Flächen angrenzen und auch mal Traktoren versinken lassen. Unter anderem sorgen ihre Grabungen an den Klärteichen in Eversburg derzeit dafür, dass Schmutzwasser in die Hase gelangen könnte. Jäger dürfen die Tiere übrigens ganzjährig bejagen. Ausnahmen gelten nur für weibliche Tiere mit Nachwuchs. 

imago0126604995h.jpg

Marderhund könnte Tollwut wieder verbreiten

Doch neben den Nutria sind auch Marderhund und Waschbär in und um Osnabrück aktiv. So niedlich die Tiere auch sein mögen, ist der Waschbär erstmal auf Nahrungssuche, durchwühlt er gerne Mülltonnen und Komposthaufen, erklimmt Häuser, hebt Dachpfannen hoch, rupft Dämmmaterial heraus oder verwüstet Dachböden. "Der Waschbär ist in Osnabrück, aber es gibt deutlich weniger Exemplare als von Nutria", heißt es von Rethschulte. Allerdings bereitet der Waschbär nicht nur Menschen Probleme, sondern auch Bodenbrütern und Amphibien. Denn der Allesfresser gelangt sowohl an Eier in Bodennestern als auch an Eier aus Nestern auf Bäumen.

Der Marderhund hingegen ist im Vergleich zu Nutria und Waschbär scheu und in Deutschland noch selten vertreten. Dennoch soll das Tier als potenziell invasive Art laut Gesetz bejagt werden, das er mit heimischen Arten wie Dachs und Fuchs in Konkurrenz steht. "Problematisch ist, dass der Marderhund Wirt für den Tollwuterreger ist", macht Rethschulte deutlich. "Durch ihn könnte sich die inzwischen hier besiegte Tollwut in Deutschland wieder ausbreiten." 

Mit Material von NOZ
Produkte entdecken

Digitale Ausgabe

Jetzt bestellen
digitalmagazin

✓ Artikel merken und teilen

✓ exklusiv: Video und Audio

✓ Familienzugang

✓ 1 Tag früher informiert

Digitale Ausgabe

✓ Artikel merken und teilen
✓ exklusiv: Video und Audio
✓ Familienzugang
✓ 1 Tag früher informiert
 
Das könnte Sie auch interessieren

Inhalte der Ausgabe

  • Schafe auf der Weihnachtsbaumplantage
  • Vor dem Rentenantrag genau rechnen
  • So wintern Sie die Pflanzenschutzspritze ein
  • Züchterleidenschaft für Hannoveraner: Pferdezucht Bollhorst

JETZT DAS WOCHENBLATT KENNENLERNEN – GEDRUCKT ODER DIGITAL!

Reinschnuppern: 12 Ausgaben ab 10€

Jetzt bestellen