Das Start-Up "a.ware" aus Osnabrück will mit dem Verkauf von B-Ware die Lebensmittelverschwendung bekämpfen und Landwirten helfen.
Ellen Hartmann | am

Osnabrück: Start-Up aus Bramsche rettet Lebensmittel

Regionale und saisonale Lebensmittel von Bauernhöfen: das Start-Up "a.ware" aus Bramsche bei Osnabrück will Lebensmittel von Landwirtinnen und Landwirten "retten", die als vermeintliche B-Ware entsorgt werden würden. So will sich das Unternehmen für die Landwirtschaft und mehr Nachhaltigkeit einsetzen.

Erst einen Tag bevor ihr Unternehmen "a.ware" in eine zweiwöchige Testphase startetet, lernten sich die Gründer Jonathan Sehl (25), Stephan Lankes (23) und Sinjo Neitsch (38) überhaupt erst persönlich kennen. Mitgründerin Antonia Stein (24) war an diesem Tag jedoch nicht dabei. Bis zu ihrem Treffen hatte die Gruppe nur digital miteinander kommuniziert. 

Wie kamen die Gründer auf die Idee?

Kennengelernt hatten sich Sehl, Lankes, Stein und Neitsch im Sommer über einen Arbeitskreis der Hochschulgruppe von Fridays for Future. Gemeinsam entwickelten sie ihre Idee vom Kampf gegen die Lebensmittelverschwendung und gründeten eine GbR. Wichtig ist ihnen dabei, Lebensmittel zu "retten", bevor sie überhaupt auf den Markt kommen. Die Produkte beziehen sie dabei von Höfen aus der Region Osnabrück. Meist werden die Lebensmittel, die es nicht in den Handel schaffen, an Tiere verfüttert oder in Biogasanlagen verwertet. 

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Erschreckend, wie viel weggeschmissen wird

"Ich fand es damals schon erschreckend, wie viele Lebensmittel täglich weggeschmissen werden", erklärt Sehl gegenüber Campusbier, einem Online-Shop der Hochschule Osnabrück. Sehl hat eine Ausbildung im Großcatering gemacht und sich schon länger mit der Thematik beschäftigt. "Es sind Lebensmittel, die noch absolut genießbar sind und für die eine Menge an Wasser und weiteren Ressourcen verwendet wurde." Um das Gemüse zu vermarkten, arbeitet das Start-Up mit dem Campusbiershop zusammen. Hier werden die Lebensmittel verkauft. "Wir haben in der Vergangenheit schon mit regionalen Direktvermarktern zusammengearbeitet und Lebensmittel über unseren Shop verkauft", so Prof. Dr. Ulrich Enneking, Professor für Agrarmarketing. "Außerdem ist dieses Projekt ein sehr gutes Beispiel für die Transferleistung, die wir an der Hochschule ermöglichen."

Warum eigentlich "a.ware"?

Der Name des Unternehmens soll auf die gute Qualität aussortierter Lebensmittel anspielen. Denn laut den Gründerinnen und Gründern sind viele Lebensmittel gar keine B-Ware, sondern vielmehr A-Ware. Gleichzeitig soll der Name aber auch das Thema Lebensmittelverschwendung bewusster machen. So lehnt sich "a.ware" auch an das englische Wort "aware" - also bewusst oder sensibilisiert - an. Laut Neitsch sei es das Ziel des Unternehmens, die Lebensmittelverschwendung n der Landwirtschaft zu reduzieren und die Landwirtschaft damit noch nachhaltiger zu machen. Gerade die Vorgaben, die Obst und Gemüse erfüllen müssen, um überhaupt ins Supermarktregal zu kommen, seien ein Grund dafür, warum auch dem Weg zwischen Acker und Teller, rund 30 Prozent der Ernte entsorgt werde. 

Der Plan: Lebensmittel retten

Das Problem sei, dass die meisten Supermärkte nur A-Ware einkaufen würden. B-Ware, also auch eine nicht weniger schmackhafte Tomate, die aber vielleicht etwas unförmiger und größer herangewachsen sei, werde nicht abgenommen. "Gemüse und Co. können sich in der Natur auch mal verformen", so Lankes. Kollege Sehl, der ausgebildeter Gemüsegärtner ist, hofft daher: "Es wäre klasse, wenn wir eine Plattform oder ein Netzwerk schaffen können, von dem letztendlich auch die Landwirte profitieren." Produkte die von Supermärkten nicht abgenommen werden, könnten so über das "a.ware" vermarktet werden. Für Mitbegründer Sinjo Neitsch ist "a.ware" bereits das zweite Start-Up, an dem er sich beteiligt. Seine Leidenschaft seien Erneuerbare Energien und Agrarwissenschaften, so der Student.

Bewusstsein für Lebensmittelverschwendung fördern

Unterstützung bekommt das junge Unternehmen nicht nur vom Campusbiershop, sondern auch von "Die Gemüsegärtner". "Mithilfe dieser Kooperation haben wir die Möglichkeit zu schauen, wie sich das Projekt finanziell rentiert, ohne Gefahr zu laufen, ein dickes Minusgeschäft zu machen", macht Sehl deutlich. "Unser Ziel, das Bewusstsein für Lebensmittelverschwendung und Nachhaltigkeit zu fördern, werden wir auf jeden Fall erreichen. Selbst, wenn wir nicht alles verkaufen können", so Lankes über seine Wünsche für die Zukunft. Nach der ersten Verkaufswoche zieht Neitsch eine positive Bilanz, das Unternehmen habe 80 Lebensmittel-Tüten verkauft - vorwiegend an Studenten. Der Verkauf geht über den Campusbiershop, Bestellfrist ist immer am Vortag bis 12 Uhr. Abgeholt werden können die Tüten dann: 

  • am 28. Oktober: 12 bis 14 Uhr Mensa-Foyer am Campus Westerberg (Barbarastraße 20, 49076 Osnabrück)
  • am 29. Oktober: 16 bis 18 Uhr Schmied im Hone am Campus Haste (Oldenburger Landstraße 64, 49090 Osnabrück)
Mit Material von NOZ und Campusbier
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