Großeltern mit Enkeln im Wald
Meinung | Maren Diersing-Espenhorst | am

WDR-Schmählied: Lasst unsere Omas in Ruhe

Das Satirelied "Meine Oma ist 'ne alte Umweltsau" schlug hohe Wellen. Ein Kommentar von Maren Diersing-Espenhorst.

Moin liebe Leserinnen und Leser, ich hoffe Sie hatten einen entspannten Rutsch ins neue Jahr. Ich bin mit Zorn reingestartet. Da verbringt man Zeit im Kreis der Familie – also auch mit Großeltern – und dann hört man plötzlich ein Lied, das Omas beschimpft.

Mir ist der Weihnachtsbraten fast im Hals stecken geblieben. Denn auch, wenn der Westdeutsche Rundfunk (WDR) das Lied „Meine Oma ist ’ne alte Umweltsau“ seines Kinderchors als Satire bezeichnet, finde ich es einfach nur geschmacklos.

Wir haben unseren Großeltern viel zu verdanken

Ja, wir haben in Deutschland das Recht unsere Meinung zu sagen und dafür bin ich dankbar. Aber anscheinend haben die Kollegen beim WDR vergessen, dass es unsere Eltern, Großeltern und Urgroßeltern waren, die dafür Sorge trugen, dass wir dieses Recht überhaupt ausüben dürfen. Denn vor über 70 Jahren sah das, weiß Gott, noch ganz anders aus.

Dass nun ausgerechnet diese Generationen, die Deutschland nach dem schrecklichen Zweiten Weltkrieg wieder aufgebaut haben, beschimpft werden, ist für mich eine Respektlosigkeit, die mir den Atem raubt. Es waren diese Generationen, die das Wunder vollbrachten, dass aus zwei Teilen Deutschlands wieder ein gemeinsames Land in der Mitte Europas wurde. Ein Staat, in dem wir seit 75 Jahren in Frieden leben dürfen. Es waren die Nachkriegsgenerationen, die dafür sorgten, dass wir in einem nie gekannten Wohlstand leben können und hierzulande niemand mehr hungern muss.

Ressourcen bewusst nutzen

Meine Großeltern achteten sehr darauf, dass keine Lebensmittel verschwendet und gerissene Kleidungsstücke wieder gestopft wurden. Das macht auch meine Mutter, die ebenfalls Großmutter ist, und damit wohl auch zu den Beschimpften zählt. Mein Großvater ist bis ins hohe Alter mit dem Rad gefahren und als Kind haben er und seine Geschwister den Schulweg zu Fuß zurückgelegt und wurden nicht mit dem Auto vor dem Schultor abgesetzt.

Ich teile also die Empörung über dieses Lied. Ja, wir müssen umdenken und unsere Ressourcen bewusster nutzen. Ja, wir müssen uns die Frage stellen, wie wir zukünftig Energie gewinnen und vernünftig einsetzen. Und ja, wir werden wohl alle Kompromisse eingehen müssen, um unser Klima zu schützen. Aber ich verwehre mich dagegen, bestimmten Gruppen die alleinige Schuld an der derzeitigen Situation zuzuweisen. Denn alles, was unsere Vorfahren taten, war dafür zu sorgen, dass ihre Kinder und Kindeskinder eine bessere Zukunft haben.

Es ist also unnötig, so unverschämte Anschuldigungen von Kindern singen zu lassen, die nicht einmal wissen, was sie da sagen. Sinnvoller wäre es miteinander zu reden, um zu verstehen, wie die damaligen Zeiten waren und warum bestimmte Entscheidungen getroffen wurden. Daraus können Rückschlüsse für die Zukunft gezogen werden, die dann von allen Generationen gemeinsamen gestaltet und mitgetragen wird.

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