Viele Hände greifen ineinander
Meinung | Maren Diersing-Espenhorst | am

Zusammenhalten für Schokolade

Bökern ist eine Artländer Tradition. Was diese mit Zusammenhalt zu tun hat, erklärt Maren Diersing-Espenhorst.

Moin liebe Leserinnen und Leser, „Was macht Ihr Silvester? Mit einem Holzhammer an Scheunentore donnern, weglaufen und Euch dann verstecken? Warum?“ So hört es sich an, wenn ich versuche jemandem, der nicht aus der Artländer-Ecke kommt, Bökern zu erklären.

Das Gute daran ist, dass ich mir deswegen viele Gedanken über diese Tradition gemacht habe und zu dem Schluss kam, dass es ein einzigartiger Brauch ist und ich es schön finde, dass die Kinder ihren Nachbarn, Freunden und Bekannten zum Neuen Jahr liebe Wünsche bringen.

Neujahrsbriefe für die Nachbarn

Als Kind sah ich das aber anders. Die gesamten Weihnachtsferien waren wir mit dem Schreiben von Neujahrsbriefen mit guten Wünschen für die Nachbarn beschäftigt. Das empfanden meine Geschwister und ich als Zumutung. Und wehe, eine dieser Botschaften war nicht in bester Handschrift geschrieben, dann wurde der Brief von Oma oder Mama zerrissen.

Waren schließlich alle Briefe ordentlich verfasst, schön bemalt und akkurat gefaltet, durfte ich nach der Mittagsstunde am 31.12. mit meinen Geschwistern den Ort unsicher machen. Wir gingen von Hof zu Haus – bewaffnet mit einem Holzhammer. Mit diesem wurde laut an das Scheunentor gehämmert, wir liefen weg und versteckten uns. Nun war es an den erwachsenen Bewohnern des Hauses uns Kinder zu suchen.

Vor einigen Höfen haben wir uns mit unseren Freunden getroffen, um in einer Rotte „anzugreifen“. Denn auf diesen Gehöften war das Scheunentor durch ein Bökerbrett ersetzt worden. Und das wurde direkt unter dem Küchenfenster positioniert – eine Gemeinheit, wie wir fanden. Alleine hatte man keine Chance sich schnell genug zu verstecken. Also haben wir zusammengehalten und ein Mitglied unserer kleinen Horde auserkoren, das sich zum Wohle der Allgemeinheit opfern musste.

Gut, dass ich kleine Geschwister hatte, die dafür herhalten konnten. Alle anderen hatten dadurch die Möglichkeit sich zu verstecken, so dass den Bewohnern des Betriebs nichts anderes übrigblieb, als doch auf die Suche zu gehen.

Enger Zusammenhalt für Landwirte und Landwirtinnen!

Das war für uns der größte Spaß: den Erwachsenen eins auszuwischen. Dafür haben wir zusammengehalten – auch wenn meine Geschwister und ich uns sonst nicht immer einig waren. Wurden wir gefunden, überreichten wir die Bökerbriefe und bekamen Süßigkeiten als Dank für die guten Wünsche.

Natürlich waren diese Süßigkeiten nicht zu verachten, aber von denen hat man am Silvesterabend dann häufig gespuckt und die besten Schokoladen hatte sich sowieso unser Herr Papa reserviert. Aber wir wussten, wo das Versteck war und auch bei der Rückeroberung unserer Bökerschokoladen haben wir zusammengehalten.

Ich wünsche den Landwirtinnen und Landwirten für das Jahr 2020 genauso einen engen Zusammenhalt, um die bevorstehenden Herausforderungen gemeinsam zu meistern. Und Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, wünsche ich ein gesundes, glückliches und erfolgreiches neues Jahr - Proost Niejohr!

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