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Edith Kahnt-Ralle | am

Ammerland: Rote und Graue Gebiete lassen verzweifeln

Die Ausweisung der nitrat- und phosphatsensiblen Gebiete führt in Niedersachsen zu weiterem Protest der betroffenen Landwirte. Ralf und Frank Borgmann aus dem Ammerland haben gleich zwei Probleme.

Die Neuabgrenzung der Roten (Nitrat) und Grauen (Phosphat) Gebiete kurz vor Weihnachten lässt in Niedersachsen viele betroffene Landwirtinnen und Landwirte fachlich gesehen nur noch mit dem Kopf schütteln. So auch die Brüder Ralf und Frank Borgmann aus Westerstede-Garnholt im Landkreis Ammerland. Ihr Betrieb ist durch die rote und graue Gebietskulisse betroffen. Ralf Borgmann: "Von unseren über 300 ha bewirtschafteter Fläche fallen 94 % in das Rote Gebiet und 49 % in das Graue Gebiet."

Nicht nachvollziehbar

Das Graue Gebiet wird durch den Einzugsbereich des Zwischenahner Meeres begründet, das Rote Gebiet durch einen Brunnen in Wiefelstede. Borgmann: "Wir kennen die Vorgeschichte des Brunnens, in unmittelbarer Nähe wurde früher Stoppelrübensilage, wie damals üblich, auf den Feldern als Feldrandmiete gelagert." Erhöhte Nitratwerte in diesem Brunnen führen die Brüder Borgmann auch auf Grundlage von Zeitzeugen auf genau diesen Umstand zurück. Auch der erste Brunnen im 12 km entfernten Eggeloge sei nicht aussagekräftig gewesen, da der Brunnen einem erheblichen äußeren Einfluss ausgesetzt war. Er sei vom NLWKN deshalb durch den Brunnen bei Wiefelstede ersetzt worden.

Die Grundlage stimmt nicht

Die Ammerländer Landwirte fragen sich: "Wie kann man auf einer solchen Grundlage ein großes Gebiet als Rotes Gebiet ausweisen und damit so scharfe Eingriffe in das landwirtschaftliche Eigentum legitimieren." Zwar seien durch die Neuabgrenzung der Roten Gebiete die meisten Grünlandflächen vor Ort wieder rausgenommen worden, doch die meisten Ackerflächen sind dringeblieben, selbst ein seit Jahren ungedüngter Wildacker im Wald. 

Die Landwirte beklagen auch, dass sie nicht wissen, welche genauen Daten (Messwerte, Stickstoff-Emissionsdaten) ihrem Roten Gebiet zugrunde liegen. Das wurde bisher vom Ministerium nicht kommuniziert und lasse sich auch anhand der Karten nicht nachvollziehen. 

Aktiv für den Gebietsschutz

Der Betrieb der Brüder liegt mit 80 ha im Wasservorranggebiet des OOWV-Wasserwerks Westerstede, wodurch die Borgmanns nachweisen können, dass ihre Nmin-Werte im Herbst in einem moderaten Bereich liegen. Zudem beteiligen sie sich auch an Stickstoffreduktionsmaßnahmen wie dem Maisanbau mit reduzierter Düngung. Dabei muss die Düngung zu Mais mindestens 10 % unter dem ermittelten Düngebedarf liegen. Die Auszahlung einer „Prämie“ erfolgt erfolgsorientiert, je niedriger der Nmin-Wert, desto höher der Auszahlungsbetrag. Auch der Anbau von Zwischenfrüchten gehört zu den Wasserschutzmaßnahmen und die ehrenamtliche Mitarbeit von Ralf Borgmann in der Wasserschutzkooperation.

Die Auflagen kosten

Die Auflage, ihre Zwischenfrüchte nicht mehr düngen zu dürfen, hinterfragen die Landwirte fachlich: "Wie soll dann langfristig in den Böden Humus aufgebaut werden, wenn die Pflanzen hungern", so Frank Borgmann.

Sei Anfang der 90er Jahre gibt der Betrieb Nährstoffe ab, damals noch im Nahbereich. Heute und in Zukunft noch stärker müssen Gärreste und Putenmist bedingt durch den Druck aus dem Roten und Grauen Gebiet in weitere Entfernungen überbetrieblich verbracht werden, was teuer ist. 

Die Brüder haben bereits einige Maßnahmen investiert und planen noch weitere. Aber das braucht auch Zeit und ist teilweise von der Witterung abhängig. 

Ralf Borgmann fragt sich: "Was können wir überhaupt noch zusätzlich unternehmen, um wieder grün zu werden?"

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