Durch Feldmäuse geschädigtes Grünland
Meinung | Edith Kahnt-Ralle | am

Grünland: Vom guten Image kann keiner leben

Die Düngeverordnung trifft gerade Grünlandbetriebe, auch mit Weidehaltung, sehr hart. Warum eigentlich?

Es macht zurzeit keinen Spaß, Grünlandwirt zu sein. Die Wetterextreme der vergangenen drei Jahre von totaler Nässe bis totale Trockenheit geben einen Vorgeschmack auf den Klimawandel. Angespannte Futterversorgungslagen könnten sich häufiger wiederholen und damit Futterzukauf und/oder Abstockung der Tierbestände mit entsprechenden finanziellen Folgen auslösen.

Die Mäuse- und Tipula-Plage sorgt auf vielen Grünlandflächen Niedersachsens aktuell für hohe Schäden bis hin zum Totalausfall der Grasnarbe.

Sowohl wertvolles Wirtschaftsgrünland – in Niedersachsen die Grundlage für hochprofessionelle Milcherzeugung - als auch schützenswerter artenreicher Lebensraum für Vögel und Pflanzen sind den Schädlingen gleichermaßen zum Opfer gefallen.

 

Naturschützer dürften jetzt nachvollziehen können, was die Reparaturarbeiten an der Grasnarbe kosten werden. Ganz zu schweigen davon, dass es nicht unbedingt das erwünschte Saatgut geben wird.

Pragmatisch vorgehen

Die Grünlanderneuerung wird vor allem bei schutzwürdigem Grünland nicht ohne Genehmigung für den notwendigen Grünlandumbruch ablaufen, das gebietet schon die Rechtslage. Doch im Zuge der Härtefallregelung muss in den ausgewiesenen Gebieten so pragmatisch wie möglich vorgegangen werden.

Denn der Vogel- und Naturschutz ist vielerorts auf die Grünlandwirte angewiesen und die brauchen jetzt vor allem Futter. Es stimmt ein wenig positiv, dass zwischen den Ministerien in Hannover und den Behörden vor Ort hier ein schnelles Einvernehmen hergestellt werden konnte.

Düngeverordnung trifft Grünlandwirte hart

Vor diesem Hintergrund verblasst schon fast die Tatsache, dass die Düngeverordnung gerade Grünlandbetriebe, auch mit Weidehaltung, sehr hart trifft. Warum eigentlich? Es ist fachlich unstrittig, dass eine Grünlandnarbe auch mehr als 170 kg Stickstoff aus Wirtschaftsdünger gut verwerten kann, ohne Nitratprobleme im Grundwasser zu verursachen.

Zu Zeiten der Derogationsregelung, wo 230 kg N aus Wirtschaftsdünger bei intensiver Grünlandnutzung zugelassen waren, wurde das auch von Brüssel mitgetragen.

Keine fachliche Begründung

Diese Erkenntnis reicht jetzt aber offenbar nicht aus, um die Dauergrünlandflächen wenigstens in den roten Gebieten generell von den weiteren Verschärfungen der Düngeverordnung auszunehmen. Nur, wenn der Anteil von Dauergrünland in diesen Gebieten nicht mehr als 20 % beträgt, werden sie von der Kürzung der Stickstoffdüngung um 20 % verschont. Die fachliche Begründung? Gibt es nicht.

Grünland dient dem Wasserschutz

Alle wissen: Grünland ist die Flächennutzung, die dem Grundwasserschutz am ehesten dient. Auch beim Klimaschutz soll Dauergrünland als C02-Speicher gute Dienste leisten. Weidehaltung wird gerne von der Gesellschaft gesehen. Ganz zu schweigen vom Vogel- und Artenschutz, der offenbar am besten auf Grünland umzusetzen ist.

Grünland hat ein so tolles Image. Warum müssen sich Grünlandwirte dann Sorgen um ihre Existenz machen? 

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