Seehund am Strand

Das ist ein Artikel vom Top-Thema:

Wilke Specht | am

Jäger im Einsatz für Seehundbabys an der Nordsee

Schon in kurzer Zeit werden die jungen Seehundbabys im Wattenmeer und auf den Inseln geboren. Doch nur selten brauchen sie Hilfe.

Meist gegen Mitte Juni erblicken die niedlichen Seehundwelpen in der Nordsee – und vor allem im Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer - das Licht der Welt. Ihre Wiege steht oft auf einer Sandbank der ost-, west- und nordfriesischen Inseln. Sie liegen dann am Strand und sind in eine Babydecke aus zartem, weißem Fell gehüllt. Die Blicke aus den großen, dunklen Kulleraugen lösen bei Gästen fast immer einen bestimmten Reflex aus, der das Leben der Welpen auf einen Schlag verändern kann: streicheln. Damit würden sie sofort zu Waisen – sogenannten Heulern – gemacht. Das Muttertier wird es dann nicht mehr annehmen.

Wattenjagdaufseher im Einsatz

Um genau dies zu verhindern, sind auf den Inseln und an den Küsten die sogenannten „Wattenjagdaufseher“ ab Anfang Juni ständig unterwegs. Bei ihnen handelt es sich um speziell weitergebildete Jäger, die aufgrund ihrer Schulung und ihres enormen Fachwissens in der Lage sind, verwaiste Seehunde von „normalen“ zu unterscheiden.

Hintergrund: Jungtiere werden normalerweise an Land gesäugt. Während die Mutter sich auf die Suche nach Nahrung begibt, legt sie die Welpen kurzfristig am Strand ab. Ein allein im Sand liegendes Seehundjunges ist also nicht zwangsläufig ein Heuler, der dauerhaft von seiner Mutter getrennt wurde. Wird dieses Tier allerdings zwischenzeitlich von einem Menschen angefasst, oder kommen ihm die Menschen während der Rückkehr der Mutter zu nahe, kommt die Mutter nicht an Land zurück und hinterlässt damit einen „klassischen Heuler“. Ohne diese Störung durch den Menschen holt die Mutter ihr Junges wieder ab.

Christian Teppe (links) und Benedikt Schwenen (rechts).

Hunde an die Leine nehmen

Es sei „missverständliche Tierliebe“, mit einem Seehundbaby „auf Tuchfühlung“ kommen zu wollen, sagen die Wattenjagdaufseher Christian Fink und Jonny Böhm von der Nordseeinsel Borkum. Auch Hunde müssen dringend an die Leine genommen werden: Zum Schutz des Seehundes und zu seinem eigenen Schutz, wissen die erfahrenen Waidmänner zu berichten. Zwischen 40 und 50 Heuler müssen die beiden Jäger im Schnitt jedes Jahr am Strand der Insel einsammeln und an die Seehundaufzucht- und Forschungsstation nach Norddeich verschicken. Nein, natürlich nicht mit der Post, sondern im ausgepolsterten Weidenkorb auf dem Seeweg. In Norddeich werden die Tiere zunächst in ein Quarantäne-Becken befördert und auf etwaige Krankheiten untersucht. Erst danach dürfen die Tiere in die eigentliche Aufzuchtstation gelangen.

Von hier aus geht es dann nach zwei bis drei Monaten des „Aufpäppelns“ wieder in die Freiheit. Zusammen mit anderen jungen Seehunden werden die Wildtiere dann in der Nähe ihres Fundortes im ostfriesischen Wattenmeer wieder ausgewildert. Die Aufgaben der Seehundstation reichen neben der Aufnahme und Pflege der Seehunde auch hin zu Forschungsansätzen und Information für die Touristen in diesem Urlaubsgebiet.

 

Seehund-Bestandszahlen aus dem Flugzeug ermittelt

Übrigens: Die Bestandszahlen des Seehundes werden seit 1972 kontinuierlich aus dem Flugzeug ermittelt. Die Kosten hierfür werden aus Jagdabgabemitteln des Niedersächsischen Ministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz gefördert. Hintergrund: Der Seehund unterliegt zwar noch dem Jagdrecht, hat aber seit dem Jahr 1974 keine Jagdzeit mehr. Hierdurch unterliegt er nach wie vor den Regelungen des Jagdrechts und somit auch der Hegeverpflichtung. Die Landesjägerschaft Niedersachsen (LJN) schreibt hierzu:

„Eine Bejagung des Seehundes steht für uns nicht zur Debatte. Der Seehund ist die Symboltierart für das niedersächsische Wattenmeer und wie keine andere Art geeignet, Kinder und Jugendliche für die Belange des Ökosystems Wattenmeer zu interessieren. Die niedersächsischen Jägerinnen und Jäger sind sich ihrer Verantwortung bewusst und werden sich auch weiterhin für den Schutz der Seehunde einsetzen.“

Wichtigste Regel: Abstand halten

Um den Tieren diesen Stress im Vorfeld zu ersparen, setzen die Verantwortlichen bereits weit im Vorfeld auf Aufklärung. Wichtigste Regel: Abstand halten! Ganz wichtig ist den erfahrenen Männern auch, dass das Tier „nicht bewacht“ werden müsse. Erst wenn es nach längerer Zeitspanne (mindestens einen Tag) immer noch an gleicher Stelle liege, sollte der Fund unter der Nummer 04931-973330 an die Seehundaufzuchtstation gemeldet werden. In der Zwischenzeit sperren die Experten den Fundort in der Regel weiträumig mit Flatterband ab, damit das Tier dort in Ruhe liegen kann. Erst wenn der Seehund am nächsten Tag immer noch dort liegt, erfolgt die Einsammlung und Weiterleitung in die Aufzuchtstation. Dies geschieht in der Regel kostenlos durch die jeweiligen Fährdienstleister.

Digitale Ausgabe

Jetzt bestellen
digitalmagazin

✓ Artikel suchen und merken

✓ exklusiv: Video und Audio

✓ Familienzugang

✓ 1 Tag früher informiert

Digitale Ausgabe

✓ Artikel merken und teilen
✓ exklusiv: Video und Audio
✓ Familienzugang
✓ 1 Tag früher informiert
Produkte entdecken
 
Das könnte Sie auch interessieren

Inhalte der Ausgabe

  • Maissorten zur Energieerzeugung
  • Blackout - das müssen Sie bei Notstromaggregaten beachten
  • So erstellen Sie einen Notfallordner
  • Ordnung im Agrarbüro schaffen
  • EU prüft Schutzstatus des Wolfes

JETZT DAS WOCHENBLATT KENNENLERNEN – GEDRUCKT ODER DIGITAL!

Reinschnuppern: 12 Ausgaben ab 10€

Jetzt bestellen