Krabbenkutter vor Sankt Peter Ording
Janina Schuster | am

Krabbenfischer in großer Existenznot

Es sieht nicht gut aus für die Krabbenfischer an der Nordsee. Drei Jahre in Folge schon müssen die Fischer herbe Verluste hinnehmen. Nun geht es um ihre Existenz, denn die Reserven sind aufgebraucht.

Ertragsschwankungen sind für die Fischer an der Nordsee ein geläufiges Wort und jährlicher Begleiter. Die Krabbenfischer an der Nordsee sind die "Launen der Natur" dementsprechend gewohnt. Sie kennen gute und schlechte Jahre. Doch seit drei Jahren bedroht eine Krise nach der anderen ihre Existenz. Im Jahr 2019 nahm der Handel ihnen aufgrund der vollen Lager die Krabben nicht ab. Dann kam Corona und 2020 lief das Krabbenpulen nicht. 2021 gehen den Fischern die Krabben nicht in ausreichender Menge in die Netze. Für die Krabbenfischer wird es eng und die Aussichten lassen wenig Raum für Optimismus.

Reserven sind aufgebraucht

"Nach drei schlechten Jahren sind alle Reserven aufgebraucht", sagt Dirk Sander, Geschäftsführer der Erzeugergemeinschaft der Deutschen Krabbenfischer (EzDK). Im Winter leben die Krabbenfischer normalerweise von ihrem Ertrag aus dem Jahresfang, bringen Netze und Kutter auf Vordermann. Doch einige der rund 100 Betriebe, die Sander mit der Erzeugergemeinschaft vertritt, werden am Jahresende "kräftig im Minus sein".

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Zahlen bestätigen Eindruck

Zahlen bestätigen, was Sander beschreibt: in diesem Jahr gingen den Fischern rund 7.000 bis 8.000 Tonnen Krabben in die Netze. Das entspricht in etwa den Zahlen aus dem Vorjahr und ist nur halb so viel wie im Rekordjahr 2018. Ähnliches lassen die Daten der Landwirtschaftskammer verlauten. Deren Experte für Fischerei, Philipp Oberdörffer, beziffert den Umsatz der deutschen Krabbenfischer auf knapp 30 Millionen Euro – ein Drittel weniger vom Mittel der letzten zehn Jahre. 2019 betrugen diese sogar nur 25 Millionen Euro.  "Wenn das so weiter geht, sehe ich da keine wirtschaftliche Zukunft", sagt Oberdörffer mit Blick auf die Umsatzzahlen.

Viele Faktoren führen in Existenznot

Anlass zur Sorge geben nicht nur die schwankenden Ertragsmengen. Es sind auch die gestiegenen Betriebskosten und Investitionen in eine immer älter werdende Flotte, die den Fischern Bauchschmerzen bereiten. Hinzu kommt ein niedriger und stagnierender Verbraucherpreis. Die Nachfrage nach Krabben sei in Gastronomie und Handel aufgrund des boomenden Küstentourismus zwar ordentlich, doch haben die Fischer davon nicht profitiert, bemerkt Günter Klever, Geschäftsführer der zweiten großen Erzeugergemeinschaft "Küstenfischer der Nordsee". Rund 3 Euro pro Kilogramm Krabben lautet der derzeitige Erzeugerpreis. "Das ist eigentlich für die Fangmenge, die angelandet wurde, zu gering", sagt Klever. "Es hätten doch an die zehn Euro sein müssen."

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Marktregeln außer Kraft gesetzt

Niedrige Fangmengen und eine hohe Nachfrage müssten den Marktregeln nach zu höheren Preisen führen, doch genau das scheint nicht zu passieren. Den Erzeugergemeinschaften nach funktioniert auf dem Markt das System von Angebot und Nachfrage zwischen Krabbenfischern, Großhändlern und dem Lebensmittelhandel nicht mehr richtig. Oberdörffer beschreibt es als "eine total verfahrene Situation", die 2018 ihren Anfang fand. In dem Rekordjahr überstiegen die Fangmengen die Nachfrage. Viele Abnehmer füllten sich die Lager und froren die Krabben ein. Das führte wiederum zu vollen Lagern und wenig Bedarf an Krabben im darauffolgenden Jahr. Die gesunkene Nachfrage 2019 drückte die Erzeugerpreise, die von einst bis zu 12 Euro auf nunmehr 3 Euro pro Kilogramm Nordseekrabben sank.

Dieselpreis auch hier ein Faktor

Zu guter Letzt ist es auch in dieser Branche der Dieselpreis, der zusätzlich zu schaffen macht. Laut den Erzeugergemeinschaften habe sich dieser in jüngster Zeit verdoppelt. Es gibt also wenig Optimismus. "Die Stimmung ist nicht mehr schlecht. Die Stimmung kippt schon Richtung Resignation", fasst Oberdörffer die Situation zusammen. Für die Fischer sei nicht absehbar, wo die Reise in den kommenden Monaten hingehen werde. Fast alle der Betriebe seien überaltert und müssten investieren. Fehlende Rücklagen erlauben dies jedoch nicht. Einziger Wehrmutstropfen: langsam laufen die Lager der Großhändler leer, dann könnte auch der Preis für Krabbenfleisch wieder steigen. Dafür muss dann jedoch wieder der Fang mitspielen. Es bleibt eine verzwickte Situation.

Mit Material von dpa
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