Bauern protestieren mit Traktoren vor einem Aldi-Lager
Christel Grommel | am

Landwirte blockieren Aldi-Lager - Protest nun beendet

Mit rund 400 Schleppern sind die Landwirte angereist und blockieren damit seit Sonntagabend ein Aldi-Lager. Anlass ist eine starke Senkung des Butterpreises.

Aldi-Blockade beendet

Gegen 22:40 Uhr am Dienstagabend (29. Dezember) sind die Landwirte mit ihren Schleppern wieder abgefahren.

Aldi habe zugesagt, Anfang Januar ein Gespräch mit den Landwirten sowie mit Vertretern des Lebensmitteleinzelhandels und der Politik zu führen. Auch die drastische Absenkung des umstrittenen Butterpreises sei vom Tisch, teilte der Sprecher des LsV mit. Es werde wohl nur zur üblichen Absenkung um zehn bis 20 Cent kommen. 

Klöckner gibt Statement ab

Inzwischen hat sich auch Julia Klöckner, mit der man einen Gesprächstermin gefordert hatte, in einem Statement geäußert. 

Laut dieser Pressemitteilung könne sie den Unmut der Bauern verstehen. "In den aktuellen Protesten deutscher Landwirte vor Lagern des Lebensmitteleinzelhandels drückt sich einmal mehr das massive Machtungleichgewicht zwischen Erzeugern und dem Handel aus. Den Landwirten geht es nicht um Luxus, sondern schlicht um ihre Existenzen."

Die jetzt in Rede stehende Absenkung der Einkaufspreise des Lebensmitteleinzelhandels für Butter sei vor dem Hintergrund der gegenwärtigen Marktlage in dieser Höhe überraschend und kaum zu rechtfertigen.

Konkreter wurde es aber nicht - im Statement verweist die Ministerin auf die UTP-Richtlinie und den Verhaltenskodex, der im Januar verbindlich mit dem Handel vereinbart werden soll. 

Nur noch deutsche Frischmilch bei Aldi?

Aldi reagierte heute Nachmittag mit einer Erklärung: Es seien "gemeinsame Lösungswege für die schwierige Situation der deutschen Landwirtschaft" mit allen Beteiligten nötig. "Wir verstehen die Landwirte, aber wir sind nicht alleine in der Lage, das gesamte Problem zu lösen", sagte eine Sprecherin. Das Unternehmen könne die Preise nicht mit den Landwirten direkt aushandeln: "Dazwischen stehen die Molkereien."

Bereits gestern gab der LSV in einer Pressemitteilung bekannt, dass am 28. Dezember eine kurzfristige Telefonkonferenz zwischen Aldi und dem LsV-Vorstand stattgefunden hatte. Zu diesem Zeitpunkt sei noch kein neuer Butterkontrakt geschlossen worden und es sei zu merken gewesen, "dass Aldi sich Gedanken macht", so der LSV-Vorstand.

Darin hatte Aldi geäußert, in Zukunft nur noch Frischmilch aus heimischer deutscher Landwirtschaft vermarkten zu wollen. Das betrifft sowohl Biomilch als auch konventionelle. Außerdem wolle Aldi künftig vermehrt langfristige Verträge schließen, um die Planungs- und Vermarktungssicherheit zu stärken.

LsV wertete dies als "einen Anfang, der aber bei weitem noch nicht ausreichend" sei. 

Blockade dauert an

Bauern protestieren vor dem Aldi-Lager in Hesel

Laut Informationen von LsV haben sich der Aldi-Konzern und die Landwirte in Gesprächen angenähert. Die von Aldi vorgesehene Preissenkung für Butter um 56 Cent sei wieder vom Tisch - allerdings betrifft das nur die Butter einer Molkerei. An anderen Standorten sei diese aufgrund eines Konkurrenzangebots ausgelistet worden.

In Hesel hat man aufgrund der Annäherung 18 LKW mit Frischware vom Gelände fahren lassen. Die anderen Standorte bleiben blockiert. 

Barbara Otte-Kinast äußerte sich zu den Protesten: "Ich kann den Ärger und die Wut der Landwirte verstehen. Diese Energie möchte ich gerne in die richtigen Bahnen lenken. Um Lösungen zu finden, müssen alle Marktpartner an einen Tisch. Wir brauchen langfristige Strategien. Am 13. Januar werden wir in einer Videokonferenz mit Handel, Verarbeitern und Landwirten sprechen. Dann geht es um Strategien für Gemüse, Milch und Fleisch. Ich nehme die Sorgen der Bauern ernst – aber Politik macht keine Preise."

Friedrich Ostendorff, Sprecher der Grünen für Agrarpolitik, ist ähnlicher Meinung: "Die Proteste der Milchbauern und -bäuerinnen sind absolut berechtigt. Die anhaltenden Niedrigpreise auf dem Markt zwingen die letzten bäuerlichen Milchbetriebe in die Knie, die Wut der Bäuerinnen und Bauern ist nachvollziehbar." Man müsse sich bei der Milcherzeugung von Quantität zu Qualität bewegen, dafür müsse aber der Kuchen der Wertschöpfung gerechter verteilt werden.

 

Blockaden auch in Lingen und anderen Orten

Bauern blockieren Aldi-Lager in Lingen

Die Blockade in Hesel, die sich laut LsV-Sprecher Lee zu einem "Symbolstandort" entwickelt hat, dauert weiter an. In der Nacht von Montag auf Dienstag waren es etwa 400 Traktoren, wie die Polizei mitteilte.

Auch vor anderen Aldi-Lagern in Niedersachsen kam es am Montagabend zu Protesten, die auch am Dienstagmorgen noch anhielten. Im emsländischen Lingen protestierten die Landwirte ebenfalls. "In der Spitze standen hier 80 Traktoren", sagte ein Polizeisprecher. Gegen 3.00 Uhr am Dienstag waren es noch etwa 60 Trecker. "Viele haben Feuertonnen und Decken dabei und richten sich auf eine lange Blockade ein", hieß es. Auch etwa in Rinteln gab es Blockaden, hier sprach die Polizei von "Dutzenden Traktoren", die die Zufahrtswege versperrten.

"Die Landwirte bleiben so lange, bis Aldi sich bewegt und konstruktive Vorschläge bringt", kündigte LsV-Sprecher Lee an. 

Lastwagen stauen sich

28. Dezember

Etwa 70 LKW stehen laut LsV auf der Bundesstraße bis zur Abfahrt Filsum. 

Im Laufe des Vormittags soll es Verhandlungen zwischen den Bauern und Unternehmens-vertretern geben. Die Bauern wollen solange in Hesel bleiben, bis sie verlässliche Zusagen bekommen. Weitere Landwirte mit Treckern wollen später im Landkreis Leer eintreffen, um ihre Kollegen abzulösen. Die Bauern wehren sich gegen die Senkung der Butterpreise. 

"Aldi ist nicht in der Lage, die Situation der Landwirtschaft zu verstehen oder will es nicht", hatte Anthony Lee, Sprecher der Bewegung "Land schafft Verbindung" in Niedersachsen, zum Beginn der Proteste am Sonntagabend festgestellt.

Die Polizei hat am Vormittag damit begonnen, Kennzeichen der Traktoren zu notieren, es drohen Bußgelder. Die Landwirte kündigten an, mögliche Strafen gemeinsam tragen zu wollen. Ein Ende der Blockade ist vorerst nicht in Sicht.

Auch vor einem Aldi-Lager in Beverstedt im Landkreis Cuxhaven versammelten sich am Montagmorgen laut Polizei Landwirte mit rund 20 Traktoren.

Starke Preissenkung stößt auf Unverständnis

Unternehmenssprecher Joachim Wehner teilte mit, Aldi Nord und Aldi Süd seien turnusmäßig in der Ausschreibung für Butter. "Die Preise, die wir zahlen, richten sich nach Angebot und Nachfrage auf dem gesamten Markt, beeinflusst von vielen weiteren Faktoren." Es sei völlig normal und wiederhole sich jedes Jahr aufs Neue, dass die Butterpreise aufgrund der hohen Nachfrage zur Weihnachtszeit steigen und danach zu Jahresbeginn wieder zurückgehen.

Lee zufolge will Aldi Nord den Preis für Butter pro Kilo um bis zu 60 Cent senken. Üblich sei zum Jahresende eine Senkung von 10 bis 20 Cent. Warum der Discounter, der in der Corona-Pandemie kräftig verdiene, den Preis so stark drücken wolle, sei nicht nachvollziehbar, sagte der Sprecher. Für betroffene Landwirte gehe es um die blanke Existenz. Schon jetzt könnten manche das Futter für ihre Tiere nicht mehr bezahlen.

Mit Material von NDR, dpa, LsV
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