Windrad
Birgit Greuner | am

Ostfriesland: 1.500 Stellen bei Enercon in Gefahr

Deutschlands Windenergieausbau in der Krise: Vom Kampf Niedersachsens gegen den Stellenabbau bei Enercon und große Planungshürden.

Der Auricher Windkraftanlagenbauer Enercon hält nach einem Krisentreffen mit Politikern aus Niedersachsen und Sachsen-Anhalt am angekündigten Abbau von 1.500 Arbeitsstellen in Aurich fest. Weiterhin sind in Magdeburg in der dortigen Rotorblattfertigung ebenfalls 1.500 Stellen in Gefahr.

Enercon-Chef Hans-Dieter Kettwig sagte am Mittwoch (13. November) in der Staatskanzlei in Hannover: „Letztendlich müssen wir jetzt für uns ganz klar festhalten, dass an dem Schritt, den wir vergangenen Freitag angekündigt haben, kein Weg vorbeigeht."

Ein wesentlicher Grund sei, dass in Deutschland in letzter Zeit kaum noch neue Windkraftanlagen errichtet worden seien. „Es bricht etwas weg, was wir nicht auffangen können.“

Task-Force soll Perspektiven ausloten

Bei einem weiteren Krisentreffen zum Jobabbau beim Windkraftanlagenbauer Enercon in Aurich hatte es am Mittwochabend nach Angaben vom NDR noch keine konkreten Ergebnisse gegeben. Wirtschaftsminister Bernd Althusmann (CDU) traf sich mit der Geschäftsführung und Vertretern der Gewerkschaften, des Landkreises und der Arbeitsagentur.

Althusmann lobte die Bereitschaft von Enercon, sich weiter an Gesprächen über die Zukunft der 1.500 Beschäftigten in Aurich zu beteiligen. Schon kommende Woche soll eine Task-Force unter dem Dach des Wirtschaftsministeriums eingerichtet werden. Darin sollen Vertreter von Enercon sowie aus Politik und Gewerkschaften ausloten, welche Perspektiven es für die Beschäftigten gibt.

Weil: Planungshürden senken

Um den Ausbau der Windenergie wieder in Schwung zu bringen, forderte Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) vom Bund eine Vereinfachung von Genehmigungsverfahren für neue Windräder. Insbesondere an Standorten, an denen ausgediente Windanlagen durch neue ersetzt werden, müssten die Planungshürden gesenkt werden.

Ansonsten drohe faktisch ein Rückbau der Windenergie. Die von der Flugsicherung als nötig empfundene Blockade großer Flächen für neue Windräder müsse auf der Basis neuer Studien kritisch geprüft werden.

Weil: Niedersachsen rückt von Abstandsregelung ab

Zugleich kündigte Weil ein Abrücken Niedersachsens von der bundesweit geplanten Abstandsregelung von 1.000 Metern zwischen neuen Windrädern und Wohnsiedlungen an. „Innerhalb der niedersächsischen Landesregierung sind wir uns einig, dass wir diese Abstandsregelung nicht für richtig halten."

Es sei klar, dass das noch einmal zu einer drastischen Reduzierung der verfügbaren Flächen führen würde, betonte Weil. Deswegen werde sich das Land diese Regelung im Rahmen der vorgesehenen Öffnungsklausel nicht zu eigen machen.

Der Entwurf des Bundesgesetzes ermöglicht Ländern und Kommunen ein Abrücken von der Regelung. „Wir prüfen gerade sehr genau anhand unserer Potenziale, wie eine richtige Regelung für Niedersachsen ausschauen würde“, meinte Weil. Die 1000-Meter-Regelung solle für Niedersachsen jedenfalls nicht übernommen werden.

Mit Material von dpa, NDR
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