Wildgänse auf einer Wiese
Christel Grommel | am

Ostfriesland: Gänse richten Schaden an

Vogelschützer und Touristen sind begeistert, wenn nordische Gastvögel an der niedersächsischen Küste Rast machen. Sie richten jedoch für die Landwirte auch großen Schaden an.

Auf Äckern und Wiesen bedeuten rastende Gänse Ertragsverluste für Landwirte. Der Ertragsverlust von beteiligten Betrieben in Nordniedersachsen habe 2019 bei rund 50 Prozent gelegen, teilt der NLKN mit. 

Ein neues Projekt soll dafür jetzt Ausgleich schaffen. Der NLWKN und die Landwirtschaftskammer Niedersachsen hatten dieses vor einem Jahr gestartet. Mit dem Pilotprojekt sollen Einbußen auf Grünland in Vogelschutzgebieten erfasst und ausgeglichen werden. 

 

Schäden auch auf Äckern

Im letzten Jahr waren bei einem Test Flächen im Rheiderland und in der Wesermarsch, die beide Rastgebiete für besonders geschützte Bläss- und Nonnengänse sind, begutachtet worden. Vergrämung oder Bejagung der Tiere ist hier nicht erlaubt. 

Bei 17 von 23 Betrieben wurde wegen großer Gänse-Ansammlungen Ausgleich etwa für Ersatzfutter angeboten, rund 33.000 Euro insgesamt. Dabei handelt es sich um freiwillige Zahlungen des Landes Niedersachsen. 

Die Schäden sind nicht immer auf das Grünland beschränkt. Im Raum Norden-Norddeich liegen viele Ackerflächen im Vogelschutzgebiet. Für außerordentliche Ertragseinbußen bei Äckern stehen seit 2011 Fördermittel zur Verfügung. Pro Jahr können dabei Schadenssummen von bis zu 50.000 Euro pro Betrieb finanziert werden.

Das Projekt wird 2020 fortgesetzt, so die NLWKN. Landwirte im Rheiderland und der Wesermarsch können bis Ende April Schäden melden. Der tatsächliche Ertragsverlust wird ermittelt und dann die Kosten für Ersatzfutter sowie eine Pauschale für zusätzliche Nachsaat- und Pflegemaßnahmen errechnet.

Landwirte begrüßen Projekt

Landwirt Klaus Borde im Rheiderland begrüßt das Projekt. "Wir hoffen, dass das praktikabel ist und gut läuft und man das dann auch außerhalb der Kulissen anbietet", also außerhalb von Vogelschutzgebieten. "Nichts wäre gerechter, als den Schaden überall gleich zu entschädigen - nach tatsächlichem Aufkommen und nicht nach festgelegten Prämien."

Die Lage hat sich laut Borde zugespitzt: "Bei uns ist das größte Problem geworden, dass sich die Rastdauer der Nonnengänse verlängert hat. Wir haben teilweise noch große Trupps bis Mitte Mai. Vor über 20 Jahren waren die Gänse Mitte März weg."

Weil den Gänsen im Osten durch Wegfall von Landwirtschaft Zwischenstopps fehlen, müssen sich die Tiere an der Nordseeküste mehr Energiereserven anfressen. 

Mit Material von dpa

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