Edith Kahnt-Ralle | am

Ostfriesland: Landwirte gründen „Verein Nachhaltige Naturlandschaft“

Drohende Ausweisung eines weiteren Naturschutzgebietes im Landkreis Aurich und Leer führt zum Zusammenschluss betroffener Bürger.

Die Landwirte im Bereich des Bagbander- und Flumm-Fehntjertiefs im Landkreis Aurich und Leer fühlen sich übergangen: Ohne, dass mit den betroffenen Flächenbewirtschaftern oder -besitzern direkt über die Maßnahme konkret gesprochen wurde, soll auf ihren Flächen in dem schon existierenden FFH-Gebiet ein weiteres Naturschutzgebiet von 1.700 ha Größe entstehen.

Zwar wurde seitens der Landkreise eine landwirtschaftliche Betroffenheitsanalyse vorgenommen, aber nur „über unsere Köpfe hinweg und ausschließlich die Betroffenheit der Fläche festgestellt“, formuliert Landwirt Ludwig Soeken aus Timmel Anfang der Woche bei einem Pressegespräch in Großefehn.

Existenz landwirtschaftlicher Betrieben bedroht

Ein weiteres Naturschutzgebiet wird aber die Existenz von 130 landwirtschaftlichen Betrieben sowie die finanzielle Versorgung von 440 Flächeneigentümern infrage stellen. „Wir befürchten hier einen wirtschaftlichen Schaden durch das neue geplante Naturschutzgebiet von insgesamt 40 bis 50 Mio. Euro“, so Eilert Smit aus Ayenwolde. 

Diese beträchtliche Summe haben die Landwirte aus den Einnahmerückgängen der Landwirte, den Pachtverlusten der Flächeneigentümer (bedeutet auch den Verlust der Altersvorsorge) sowie dem Kaufkraftverlust in der betroffenen Region hochgerechnet. Hinzu kommt nach ihrer Aussage der Vermögensverlust, denn die Banken haben kein Interesse an Flächen, die sie nicht veräußern können. Gerechnet wird aber auch mit Einnahmeausfällen bei Fischern und im Tourismus.

Gemeinsam stärker

Auf der ersten Versammlung des Vereins am 7. November in Rorichum

Um nun „mit einer Stimme“ gegenüber den Landkreisen sprechen und sich auch juristischen Beistand leisten zu können, haben sich bereits jetzt 70 Betroffene in dem Verein „Nachhaltige Naturlandschaften e.V.“ zusammengeschlossen. „Wir werben bei jedem Bürger zwischen Strackholt und Rorichum um ihre Mitgliedschaft in unserem Verein“, so Smit, denn viele von ihnen sind direkt oder indirekt durch das geplante neue Naturschutzgebiet betroffen.

Der Verein will „alle Interessen der Naturnutzer und Naturschützer bündeln und ohne ideologische Vorgaben mit einer nachhaltigen Bewirtschaftungsweise die lebenswerte Umwelt im Bereich Fehntjertief und Bagbandertief erhalten“ so der Wortlaut in der Vereinssatzung.

Natur- oder Landschaftsschutz

Juristischen Beistand hat sich der Verein durch Dr. Helmar Hentschke, Spezialist für Unterschutzstellungen aus Potsdam, geholt. Dieser hatte bei einem Treffen in Rorichum klar gemacht, dass an einer Unterschutzstellung des Gebietes kein Weg vorbeiführe. Das das Gebiet sei bei der EU gemeldet und müsse zwingend unter Schutz gestellt werden. Die entscheidende Frage ist laut Hentschke aber, ob das Gebiet zwingend unter Naturschutz gestellt werden muss, oder ob nicht auch der Landschaftsschutzstatus reicht, um die Auflagen der EU zu erfüllen.

Und genau hierfür will sich der neugegründete Verein stark machen. Smit, der Vorsitzender des Vereins ist: „Es geht uns um drei Dinge: Das Gebiet sollte nur unter Landschaftsschutz gestellt werden, wir wollen genau erfahren, was in der Verordnung steht, und was fordert die EU eigentlich für solche Gebiete“.  Ein Landschaftsschutzgebiet bietet den Bewirtschaftern weiterhin die Möglichkeit, die Flächen zu nutzen. Ein Nachteil ist, dass es in Landschaftsschutzgebieten keine Ausgleichszahlungen gibt. Das ist an sich schon bitter genug für die Landwirte, aber in einem Naturschutzgebiet ist eine ökonomische Bewirtschaftung nicht mehr möglich.

Bewirtschaftung hält Landschaft offen

Es gibt aber aus Sicht der Landwirte einen gewichtigen Grund für ein Landschaftsschutzgebiet, der auch aus Naturschutzsicht viel ernster genommen werden sollte: „Erst durch unsere Art der Bewirtschaftung mit Grünlandnutzung und Weidewirtschaft bleiben die Landschaften offen und geben Wiesenbrütern ein ideales Brutgebiet“, so Soeken.

In dem bereits existierenden 1.300 ha großen Naturschutzgebiet der Landkreise Aurich und Leer im Bereich Flumm Fehntjer Tief , ist die Nutzung so weit eingeschränkt, dass sich Prädatoren (z.B. Füchse) dort zu wohl fühlen und den Wiesenvogelbestand dezimieren. Damit ist aus Sicht der Landwirte bewiesen, dass ein Naturschutzgebiet nicht zwingend das Schutzziel erreichen kann, auch nicht, indem man seine Größe verdoppelt, wie jetzt vom Landkreis angestrebt wird. Ohne die Landwirte sind solche Gebiete überhaupt nicht richtig zu pflegen, sind die Vereinsgründer überzeugt. 

Am 28. November 2019 werden alle Landwirte und Eigentümer der betroffenen Region zu einer Versammlung in das Companiehaus, 26629 Großefehn, Kanalstraße Süd 64, eingeladen, Beginn der Versammlung um 20 Uhr.

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