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Hilke Lehmann | am

Ostfriesland – Ursprünglichkeit, maritimes Flair und viel Ruhe

Ostfriesische Weiten - fast jeder kennt den Landstrich und mindestens einen der zeitweise so beliebten "Ostfriesenwitze". Was macht den Landstrich im hohen Norden aus?

Besonders und doch unaufgeregt – so könnte man Ostfriesland charakterisieren. Eine bekannte Besonderheit des Landstrichs mit den grünen Weiten ist die „Friesische Freiheit“. Schon über 800 Jahre gibt es sie, im „Römischen Reich Deutscher Nation“ hatte Ostfriesland einen Sonderstatus inne: Jeder Ostfriese ist ein freier Mensch. Das ist bis heute ein charakteristisches Merkmal von Land und Leuten. Das Lehnswesen war hier unbekannt, die bäuerlichen Landesgemeinden entwickelten Strategien zur Verteidigung der friesischen Freiheit und schufen ihr eigenes Rechtssystem. In Aurich erinnert das Upstalsboom-Denkmal als Symbol der Freiheit daran.  

Ostfriesland ist landwirtschaftlich geprägt

Die Landwirtschaft spielte in Ostfriesland jahrhundertelang wirtschaftlich eine große Rolle. Und auch heute noch prägen stolze Gulfhöfe und schwarzbunte Kühe auf Weiden das Landschaftsbild. In Küstennähe werden auf Polderböden Raps und Getreide angebaut. Ansonsten dominiert hier der Futterbau, denn viele Flächen sind nur als Grünland nutzbar.

Der Landwirtschaftliche Hauptverein Ostfriesland gab für das Jahr 2016 knapp 3.200 Betriebe an, von denen rund 1.900 Milcherzeugung als Hauptbetriebszweig hatten. Von der 196.000 ha großen bewirtschafteten Fläche waren zwei Drittel Dauergrünland.  Gut 100 Ökolandbau-Betriebe quer durch alle Betriebsformen wurden gezählt.

Die Schafe, die viele Menschen mit Ostfriesland verbinden, gibt es bei den Hobbyhaltern wie auch bei den großen Deichschäfereien.

Die Küste und Inseln locken die Touristen

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Ostfriesland hat mehr Beschäftigte in der Landwirtschaft als der niedersächsische Durchschnitt. Allerdings macht das keine zwei Prozent der ostfriesischen Beschäftigten aus. Heute arbeiten in Ostfriesland mehr Menschen in Dienstleistungsberufen, Verwaltung und Bildung, der Windenergie oder dem Tourismus.

Der regionale Tourismus ist ein starker Wirtschaftszweig. 2013 belief sich der gesamte Umsatz durch Feriengäste in allen Branchen auf mehr als 2,8 Milliarden Euro – das ist ein Anteil von 9,8 Prozent am Einkommen der Einwohner Ostfrieslands. Allein damit konnten fast 70.000 Ostfriesen ihren Lebensunterhalt bestreiten.

Landwirtschaft und Tourismus ergänzen sich

Urlaub im eigenen Land liegt im Trend, nicht zuletzt auch wegen der CO2-Bilanz. Vivien Ortmann ist Geschäftsführerin der Landesarbeitsgemeinschaft Urlaub und Freizeit auf dem Lande. Sie empfiehlt daher landwirtschaftlichen Betrieben, sich mit den Chancen von „Urlaub auf dem Bauernhof“ zu beschäftigen. „Wenn landwirtschaftliche Betriebe vor der Frage stehen, ob sie in der jetzigen Form noch weitermachen können oder wollen, sollten sie sich mit den Chancen der Einkommenskombination ‚Urlaub auf dem Bauernhof‘ beschäftigen. Der Tourismus hat sich bei vielen unserer Mitgliedsbetriebe zum wichtigen Standbein entwickelt, wodurch das Familieneinkommen vieler Höfe weiterhin gesichert werden konnte und die Hofgebäude in der Nutzung blieben.“

Die Ruhe und Ursprünglichkeit in Ostfriesland sind beliebt

Ratsdelft in Emden

Ortmann kennt den Wert von Ostfrieslands Charakter: „In unseren hektischen, schnelllebigen Zeiten sehnen sich die Menschen nach Ruhe und Ursprünglichkeit, nach echten Erlebnissen mit Tieren und auch nach Antworten auf die Frage "Woher kommt mein Essen"?“

In Ostfriesland kann man aber mehr tun als die Ruhe zu genießen und am Strand zu liegen. Emden ist zum Beispiel immer einen Ausflug wert: Ein Besuch in der Kunsthalle, eine Fahrt mit dem Grachtenboot, der Ratsdelft und natürlich Radtouren. In Norden kann man etwas typisch Ostfriesisches erleben: Den Tee. Im Teemuseum Norden erfährt man alles über den ostfriesischen Tee und die damit verbundenen Bräuche. Die Seehundstation in Norddeich oder die Sielhäfen sind das Richtige für alle, die das maritime Flair Ostfrieslands genießen wollen.

Thema der Woche

  • Thema der Woche: Klimaschutz - ein Milchviehbetrieb mit Klimabilanz
  • Agrarpolitik: Einreiseverbot für Saisonarbeitskräfte
  • Geld und Recht: Corona - Soforthilfen beantragen
  • Tierhaltung: Tierwohl in der Hähnchenmast
  • Pflanzenbau: Auf Fehlersuche bei der Düngung
  • Leben auf dem Land: Beef Kings - Rindfleisch aus Bötenberg

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