Müllsammelaktion auf der Ostfriesischen Insel Mellum.

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Ellen Hartmann | am

Schwimmende Mülleimer für weniger Plastik in der Nordsee

Im Emdener Hafen sorgen momentan schwimmende Meeresmülleimer dafür, dass weniger Plastikmüll in die Nordsee gelangen kann. Mit nur wenigen Handgriffen kann so Müll aus dem Wasser gefischt werden.

Hafenbetreiber Niedersachsen Ports (NPorts) setzt auf die schwimmenden Mülleimer, um Plastikschwemme zu verringern. Mit einer Pumpe "schlucken" die Mülleimer nicht nur Verpackungen, sondern auch Flaschenkapseln und Mikroplastik. Laut Björn Fuhlendorf, Schleusenbootsmann im Emdener Hafen, bedeute das nur einen minimaler Arbeitsaufwand, aber einen großer Nutzen für den gesamten Hafen.

Hafenarbeiter leeren Mülleimer zwei Mal täglich

Mit wenigen Handgriffen kann Fuhlendorf einen Fangkorb mit allerlei Müll aus dem Wasser ziehen und den Inhalt am Hafenrand auskippen. Erst seit kurzem gibt es die Meeresmülleimer im Hafen. "Wir haben ja Umschlag im Hafen, da fällt natürlich mal was ins Wasser", so der Bootsmann. Dazu zählen Helme, Schuhe und oft auch kleinere Teile von Transportsicherungen, Verpackungen und Netzen. Grobe Stücke könne er noch per Hand aus dem Wasser sammeln, bei Mikroplastik sei das aber Sisyphusarbeit, sagt Fuhlendorf weiter. Hier sei der Meeresmülleimer (auch "Seabin" genannt) eine "tolle Unterstützung". Und der Bedarf ist da: Fuhlendorf und seine Kollegen leeren den Eimer bis zu zwei Mal am Tag. 

Wie funktioniert der Mülleimer?

Durch eine Tauchpumpe unter dem Korb wird permanent Wasser angesaugt. So werden Müll und Treibgut, das in der Nähe auf der Wasseroberfläche treibt, in den Eimer gesogen und im Auffangnetz festgehalten. Das Wasser jedoch fließt wieder zurück in das Hafenbecken. Zusätzlich hat der Eimer ein sehr feinmaschiges Netz, um Mikroplastik mit einer Größe von bis zu zwei Millimetern einzusammeln. Mithilfe eingebauter Ölpads können auch kleinere Mengen Öl aufgenommen werden. Vor zwei Jahren hatte Fuhlendorf die Idee, die Eimer anzuschaffen. Warum? "Bei meinen Hafenrundgängen fällt mir immer wieder auf, wie plastikvermüllt der Hafen einfach ist. Mir ist es einfach wichtig, etwas dagegen zu tun."

Eimer aus Australien?

Im Internet entdeckte der Bootsmann dann die Australier Andrew Turton und Pete Ceglinski - die Erfinder der Meeresmülleimer. Mittlerweile gibt es laut Turton und Ceglinski rund 860 "Seabins" weltweit, darunter auch in Emden. Nachdem Fuhlendorf im Intranet von NPorts die Idee geteilt hat, kaufte das Unternehmen im Frühjahr 2020 die ersten Eimer für die Standorte Wilhelmshaven und Emden. So ein "Seabin" kostet übrigens rund 5.000 Euro pro Stück. Der Eimer an der Borssumer Schleuse in Emden kann 20 Liter Müll fassen und fischt im Monat rund 120 bis 140 Liter Plastikmüll aus dem Hafen. "Da kann man mit der Hand nicht gegen anfischen."

Plastikmüll bereitet Experten Sorgen

Zahlen des Umweltbundesamtes aus dem Jahr 2017 verdeutlichen, was Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler schon lange umtreibt: an den Stränden der Nordsee liegt zu viel Müll. Im Durchschnitt wurden 389 Müllteile pro 100 Meter Strandabschnitt gezählt (Erhebung zwischen 2009 und 2014). Rund 88 Prozent der Masse sei Plastik, heißt es weiter. Der Müll stamme zu einem Drittel aus der Fischerei, ein einem Drittel von Tourismus- und Freizeitaktivitäten. Die Quelle des restlichen Mülls blieb allerdings unklar. Laut dem Meermüll-Experten Bernhard Bauske sei das Problem, dass sich größere Plastikteile wie Verpackungen mit der Zeit in immer kleinere Mikroplastikteile zersetzen würden. So gelangen diese Partikel dann durch Meereslebewesen im Verdauungstrakt von Fischen und Co. Derzeit seien aus diesem Grund rund 700 marine Tierarten weltweit bedroht. 

Löst der Mülleimer das Plastikproblem?

"Das grundlegende Problem, weltweit betrachtet, ist, dass Müll, gerade auch der Verpackungsmüll, nicht eingesammelt wird", erklärte Bauske. 75 Prozent des Plastiks in den Meeren stamme von nicht eingesammelten Abfällen. So könne der Müll in die Landschaft, in Flüsse und letztendlich ins Meer gelangen. Aber können Meeresmülleimer das Problem lösen? "Die Hauptmaßnahme, die wir ergreifen können, ist zu verhindern, dass Müll in die Umwelt gelangt", erklärt Lars Gutow, Wissenschaftler vom Alfred-Wegener-Institut (AWI). Zwar bleibe das Einsammeln durch die Meeresmülleimer nur ein kleiner Mosaikstein, könne aber dazu beitragen, dass der Müll nicht auf den Meeresboden sinke, so der Experte. 

NPorts setzt die Eimer mittlerweile auch in Cuxhaven ein und prüft derzeit weitere Einsatzorte. Das Unternehmen will die Zahl der schwimmenden Eimer verdoppeln - in den Versorgungshäfen zu den Inseln, aber auch im Binnenland. 

Mit Material von dpa

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