Windpark in der Nordsee
Hanna Zettel | am

Tennet legt Windstrom-Booster-Konzept vor

Gemeinsam mit den drei Nordseeanrainer-Bundesländern hat der Netzbetreiber Tennet das "Windstrom-Booster-Konzept" vorgelegt. Demnach soll der in den Offshore-Windparks erzeugte Strom bereits auf See gesammelt und über je drei 2-Gigawatt-Leitungen an Land gebracht werden.

Das Prinzip gleiche einer Mehrfachsteckdose oder einem Sammelverteiler: Der in den Windparks erzeugte Wechselstrom soll so noch direkt auf hoher See in Gleichstrom gewandelt werden und anschließend über die drei 2-Gigawatt-Leitungen in Küstennähe bei Heide (Schleswig-Holstein), Wilhelmshaven und im Raum Bremen angelandet werden.

An diesen drei Standorten wird er dann wieder in Wechselstrom umgewandelt und in die Netze eingespeist oder aber auch industriellen Großkunden, unter anderem für die Wasserstoffproduktion, angeliefert. In Zukunft sollen dann auch sogenannte "Gleichstromautobahnen" in den Süden entstehen.

Bis jetzt sind Offshore-Windparks nicht zu mehreren vernetzt, sondern ausschließlich durch Punkt-an-Punkt Verbindungen mit Stromnetz an Land gekoppelt. Durch das "Windstrom-Booster-Konzept" werde es, laut Tennet, zu weniger Flächenverbrauch, Kosten- und Zeiteinsparungen sowie einem deutlichen Schub für den Ausbau der Offshore-Windenergie kommen.

Ziele des Netzentwicklungsplanes bereits 2032 erreichbar

Im Netzentwicklungsplan ist vorgesehen, sechs Gigawatt Offshore-Windenergieleistung bis 2035 in das Stromnetz zu integrieren. Dies entspricht einer Leistung von sechs Großkraftwerken. Dank des Booster-Systems soll dies aber nun schon 2032 möglich werden.

Hinsichtlich auf die in Berlin stattfindenden Gespräche zwischen SPD, Grünen und FDP, betont Tennet-Geschäftsführer Tim Meyerjürgens: "Wir verstehen dies als ein Angebot auch für die aktuell laufenden Koalitionsverhandlungen, die bekanntlich einen Boost für den Ausbau der Erneuerbaren Energien in Deutschland suchen."

Verstärkter Zubau an Offshore-Windparks bis 2030

In diesem Jahr werde es erstmals seit vielen Jahren keine neuen Windanlagen auf See geben. Damit stagniert die Leistung der auf der Nordsee installierten Windräder bei 6,68 Gigawatt. Bis 2030 zielt die Bundesregierung aber einen Ausbau auf 20 und bis 2040 sogar auf 40 Gigawatt hin. Somit sei für die Branche ab Mitte bis zum Ende dieses Jahrzehntes ein verstärkter bis sehr starker Zubau zu erwarten.

Niedersachsens und Schleswig-Holsteins Umwelt- und Energieminister begrüßen das Booster-Konzept. "Angesichts des zuletzt stockenden Ausbaus der Windenergie auf See brauchen wir (...) Ansätze wie diesen, die uns wieder mehr Tempo aufnehmen lassen. Denn die Zeit läuft uns sonst davon", so der niedersächsische Minister Olaf Lies (SPD).

Auch der Energiekonzern Ørsted, der in der deutschen Nordsee vier Offshore-Windparks betreibt, begrüßt das Konzept. "Mit diesem Windstrom-Booster-Konzept wird die Energiewende zielgerichtet auf 2045 neu gedacht", betont Jörg Kubitza, Ørsted-Geschäftsführer in Deutschland. So wäre es möglich, die deutschen Offshore-Ausbauziele kurzfristig zu erhöhen.

Mit Material von proplanta
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