Windkraftanlagen
Anne-Maria Revermann | am

Windräder: 1.000-Meter-Abstand in Niedersachsen kaum eingehalten

Der 1.000-Meter-Abstand von Windenergieanlagen zu Wohnhäusern wird in Niedersachsen nur zu Bruchteilen eingehalten.

Der von der Bundesregierung diskutierte 1.000-Meter-Abstand von Windenergieanlagen zu Wohnhäusern wird in Niedersachsen nur von einem Bruchteil der Anlagen erreicht. Von den 6.431 Windrädern zwischen Nordsee und Harz halten nur 854 diesen Puffer ein. Fast doppelt so viele - 1.582 Anlagen - haben dagegen nicht einmal 400 Meter Abstand. Das geht aus einer Auswertung des Energieministeriums in Hannover hervor.

Niedersachsen ist "Windland Nummer eins"

Niedersachsen ist das Windland Nummer eins. Nirgendwo in Deutschland stehen mehr Windräder. Den regionalen Schwerpunkt der Windkraft bildet der Nordwesten Niedersachsens an der Küste vor den ostfriesischen Inseln. Dort, im Landkreis Aurich, stehen auch besonders viele Windenergieanlagen mit weniger als 400 Metern Abstand zu Wohnsiedlungen. Auf den Plätzen folgen mit deutlichem Abstand Brandenburg, Nordrhein-Westfalen und Schleswig-Holstein.

Karten des Umweltministeriums zeigen zudem, wie sich der Anteil der Landesfläche in Niedersachsen, der für Windkraft genutzt werden kann, mit den unterschiedlichen Mindestabständen verändert. So wären mit dem 1.000-Meter-Abstand nur 3,61 Prozent nutzbar - bei 800 Metern wären es 6,75 Prozent und bei 400 Metern sogar 20,62 Prozent.

Abstandsregelung steht in Kritik

Die Bundesregierung sieht in der Abstandsregelung ein Instrument, das die Akzeptanz der Windenergie in der Bevölkerung erhöhen soll. Die Branche kritisiert das Vorhaben jedoch, da die verfügbare Fläche drastisch reduziert werde.

Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) hat schon angekündigt, von einer Öffnungsklausel Gebrauch zu machen: Das Land werde die 1.000-Meter-Regel nicht übernehmen. Die Erzeugung der Windenergie ist besonders umweltfreundlich und damit auch wichtig, um die Klimaziele der Politik zu erreichen.

Bis 2030 will die Bundesregierung den Anteil des Ökostroms am Stromverbrauch von zuletzt 43 Prozent auf 65 Prozent steigern. Dafür müssten nach Berechnungen des Energieverbands BDEW jährlich zwischen 2,9 und 4,3 Gigawatt aus Windenergieanlagen an Land zugebaut werden. Der Ausbau der Windkraft an Land ist in den vergangenen Monaten allerdings fast zum Erliegen gekommen.

Mit Material von dpa
Das könnte Sie auch interessieren