Barbara Otte-Kinast
Ellen Hartmann | am

Otte-Kinast lädt Schweinehalter und Handel zum Krisengipfel

Durch die niedrigen Preise für Schweinefleisch geraten immer mehr Mästerinnen und Mäster in Niedersachsen in Not. Barbara Otte-Kinast lädt daher am 6. September nicht nur Schweinehalter, sondern erstmals auch Vertreter des Handels zum Krisengespräch.

"Die Lage ist wirklich dramatisch", so Jörn Ehlers, Vizepräsident des Niedersächsischen Landvolkes, gegenüber der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung (HAZ). Denn die niedrigen Preise für Schweine sowie für Schweinefleisch würden sich zusammen mit gestiegenen Preisen für Futtermittel verheerend auf die Betriebe auswirken.

Schweinepreis auf Tief von 1,30 Euro

Derzeit befinde sich der Schweinepreis auf einem Tief von 1,30 Euro, erklärt Ehlers: "Zu Beginn der Afrikanischen Schweinepest vor einem Jahr hatten wir auch schon tiefe Preise, aber damals war die Kostenlage für die Züchter und Mäster eine andere." Schweinehalter bräuchten mindestens 1,70 bis 1,80 Euro pro Kilo, um allein die Kosten decken zu können. Rund ein Viertel der knapp 20.000 deutschen schweinehaltenden oder -züchtenden Betriebe lägen in Niedersachsen. Laut der Interessengemeinschaft der deutschen Schweinehalter (isn) habe sich deren Zahl innerhalb der letzten zehn Jahre um rund ein Drittel verringert. Derzeit gebe es in Niedersachsen rund 5300 schweinehaltende Betriebe mit 8,3 Millionen Tieren, so Landwirtschaftsministerin Barbara Otte-Kinast

Afrikanische Schweinepest und Corona schuld am Markt

Ein Grund für das aktuelle Marktgeschehen seien durch die Afrikanische Schweinepest (ASP) ausgelöste Absatzprobleme. Durch die Tierseuche seien Handelsbeschränkungen für deutsche Schweineerzeugnisse (beispielsweise in China, Japan oder Brasilien) ausgesprochen worden. "Derzeit gibt es aufgrund des ASP-Ausbruchs in Deutschland auch Exportbeschränkungen nach Japan, Mexiko, China, Brasilien, Argentinien und Singapur", heißt es auf HAZ-Anfrage vom Landwirtschaftsministerium in Hannover. Zusätzliche Gründe für die niedrigen Preise sei die Corona-Pandemie, die sich vor allem auf die Gastronomie, auf Kantinen und auf Volksfeste ausgewirkt habe. 

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Otte-Kinast: "Die derzeitige Situation ist sehr angespannt"

Auch diverse Corona-Ausbrüche wie etwa beim Tönnies-Konzern hätten zum sogenannten "Schweinestau" geführt, also zu einem Überangebot von tiefgefrorenem Schweinefleisch. "Die derzeitige Situation ist sehr angespannt", macht Ministerin Otte-Kinast deutlich. "Umso wichtiger ist es, dass alle Beteiligten ihrer Verantwortung nachkommen – die Landwirte genauso wie die Schlachtbetriebe und der Handel." Erst vor wenigen Wochen hatte die Ministerin ein Krisengespräch mit Verbandsvertretern geführt und ins Gedächtnis gerufen, dass beispielsweise der Konzern Aldi bis 2030 nur noch Fleisch aus besseren Haltungsformen verkaufen wolle. 

Treffen für den 6. September angesetzt

Hinsichtlich der Handelsbeschränkungen für Schweinefleisch aus Deutschland in einigen Drittstaaten fordert Otte-Kinast auch vom Bund, die Gespräche - insbesondere mit China - weiterzuführen. Ob Ministergespräche eine Lösung für das Problem seien, sieht Landtags-Agrarexperte Hermann Grupe (FDP) jedoch kritisch: "Das Hauptproblem ist doch, dass der Markt mit vier bestimmenden Handelsketten nicht mehr funktioniert." Zudem erlebe man ein "durch politische Beschlüsse verursachtes Höfesterben." 

Der Krisengipfel ist für kommenden Montag (6. September) mit Vertretern von Verbänden, Schlachtbetrieben sowie dem Handel im Landwirtschaftsministerium in Hannover angesetzt. 

Mit Material von HAZ und dpa
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