Niedersaechsische Nordseekueste,Schafe grasen auf dem Deich in Schillig

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Andrea Borsat | am

Plakataktion für Küstenschutz - Jäger wollen wolfsfreie Zonen am Deich

Mit der Plakataktion „Wolf und Küstenschutz“ am Mittwoch fordern die Küstenjägerschaften mehr Priorität für die Deichsicherheit.

Am Mittwochvormittag (07.06.) haben die zehn Küstenjägerschaften die Plakataktion „Wolf und Küstenschutz“ vorgestellt. Mit der Plakataktion soll auf die sogenannte Auricher Erklärung hingewiesen werden. In dieser hatten die Jägerschaften Anfang April wolfsrudelfreie Zonen entlang der Küste gefordert. Die Sicherheit von Deichen soll Priorität vor dem Schutz von Wölfen haben. An der Aktion beteiligt sich neben den Jägern aus Niedersachsen auch die Landesjägerschaft Bremen.

Zäune und Herdenschutz an Deichen nicht praktikabel

Aus Sicht von Jägern und Deichschäfern ist die Weidetierhaltung mit Schafen insbesondere an den Deichen mit dem Wolfsschutz nur schwer vereinbar. Großflächige, wolfsabweisende Zäune seien weder praktikabel noch umsetzbar. Auch Herdenschutzhunde seien in direkter Nähe zu Touristen keine Option.

Effektiver Küstenschutz ist nur mit Deichschafen möglich

Für den Küstenschutz sind die Deichschafe unentbehrlich. Sie halten die Grasnarbe der Küstenschutzbauwerke kurz und treten mit ihren Hufen den Boden fest. „Über Generationen, wenn nicht gar Jahrhunderte hatte die Deichsicherheit oberste Priorität an der Deutschen Nordseeküste“, so Simon Grootes, Vorsitzender der Jägerschaft Wittmund. „Diese Grundhaltung wird derzeit von Artenschutzzielen, hier speziell dem Wolfsschutz, in Frage gestellt.“

Simon Grootes, Bezirksvorsitzender der Jägerschaften im Bezirk Ostfriesland (3.v.l.) und der stellv. Bezirksvorsitzende Gernold Lengert (4.v.l.) mit weiteren Unterzeichnern der „Auricher Erklärung“.

Volksinitiative zum Wolfsmanagement geplant

Mit einer Volksinitiative solle die rot-grüne Landesregierung aufgefordert werden, eine Bundesratsinitiative zu starten oder zu unterstützen, die ein regional differenziertes Bestandsmanagement ermögliche, sagte der Präsident der Landesjägerschaft in Niedersachsen (LJN), Helmut Dammann-Tamke. Noch stehe die Idee am Anfang. Dazu solle es ein Bündnis mit anderen Gruppen des ländlichen Raumes geben. Das Landvolk habe bereits Unterstützung signalisiert. Mit einer Volksinitiative können wahlberechtigte Bürgerinnen und Bürger nach Angaben des niedersächsischen Landtags das Parlament zwingen, sich mit einem bestimmten Thema zu befassen. Laut dem Landtag sind dafür 70.000 Unterschriften notwendig.

NABU: Volksinitiative zum Wolf trägt nicht zum sachlichen Diskurs bei

Der Plan der Jägerschaften, eine Volksinitiative zum Bestandsmanagement des Wolfes starten zu wollen, trägt aus Sicht des NABU Niedersachsen nicht zu einer konstruktiven und sachlichen Diskussion bei. Der Landesvorsitzende des NABU, Dr. Holger Buschmann sagte: „Die im Positionspapier erhobene Forderung nach ‚wolfsfreien Zonen‘ ist eine ausschließlich populistische. Der Wolf – der Streifgebiete von bis zu 350 Quadratkilometern nutzt – müsste, um solche Zonen umzusetzen, in Nordniedersachen vollständig vergrämt bzw. entnommen werden." Außerdem würde es für Einzeltiere oder Rudel, andere Gebiete zu besiedeln und die sogenannten wolfsfreien Zonen zu durchwandern, erklärte Dr. Holger Buschmann. Die wolfsfreien Zonen würden neben einer vollständigen Entnahme des Wolfes im Norden Niedersachsens auch die Durchmischung unterschiedlicher Wolfspopulationen verhindern. Das hätte Inzucht der verbleibenden isolierten Rudel zur Folge.

 

Stefan Erb ist Schäfermeister und hält 1.000 Mutterschaffe mit ihren Lämmern in Bleckede am Elbdeich.

NABU unterstützt einen sachlicher Umgang im Wolfsmanagement

Der NABU Niedersachsen begrüße ausdrücklich einen sachlichen Umgang der zuständigen Ministerien mit der Situation. Es müsse gesichert bleiben, dass finanzielle Schäden ausgeglichen werden. Die Nutztierhaltungen müssen in ihrer Arbeit, ihre Tierbestände vor Wölfen zu schützen, in vollem Umfang unterstützt werden. Vordringlich ist auch die Entbürokratisierung und Beschleunigung, sowohl bei der Förderung von Herdenschutzmaßnahmen, als auch bei der Beantragung von Entschädigungen.

Mit Material von NDR, dpa, LJN, NABU

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