Heringe in einer Kiste
Christel Grommel | am

Rätselhaftes Heringssterben an der Nordsee

An der Nordseeküste von Schleswig-Holstein und Niedersachen sind in den vergangenen Tagen an mehreren Orten hunderte tote Fische angeschwemmt worden.

Die Ursachen waren zunächst unklar. "Das Meerwasser ist nur etwa 20 Grad warm, und Heringe weichen vor Überhitzung normalerweise in tieferes Wasser aus", sagt der Biologe Rainer Borcherding. Die Tiere seien nur wenige Monate alt und möglicherweise in Kontakt mit giftigen Algen gekommen. Diese beginnen sich aufgrund der warmen Witterung zu entwickeln.

An den Fundstellen wurden Proben entnommen, deren Analyseergebnisse in wenigen Tagen vorliegen sollen. Auch lebende Fische werden untersucht: "Zurzeit werden im Husumer Hafen und am Büsumer Hafen Proben von lebenden Fischen genommen, um sie auf verschiedene Parameter zu untersuchen", sagte Patrick Tiede vom Umweltministerium in Kiel.

Nach Informationen des Internetportals BeachExplorer.org wurden die Fische vor Büsum, Eiderstedt, Nordstrand und Cuxhaven angeschwemmt. Auf diesem Portal können auch weitere Fundstellen gemeldet werden.

Umweltschützer hatten wegen des Fischesterbens die Staatsanwaltschaft eingeschaltet. BUND, Nabu und WWF stellten Strafanzeige gegen Unbekannt, teilte der Nabu-Landesverband Hamburg auf seiner Homepage mit.

Inzwischen (29. Juni) hat die Schutzstation Wattenmeer eine Einschätzung zu den Gründen abgegeben. Es liegen vermutlich unterschiedliche Ursachen vor. Die in der vergangenen Woche tot im Fluss gefundenen Fische haben demnach sichtbare Verletzungen, die im Wattenmeer gefundenen toten Heringe nicht. Die mechanischen Verletzungen könnten durch Baggerarbeiten entstanden sein.

Die an der Nordseeküste von Schleswig-Holstein und Niedersachsen gestrandeten Fische waren nach ersten Erkenntnissen schlecht genährt. Die jungen, schwachen Tiere kamen demnach erstmals ins flache Wasser und verendeten dort. "Die Fische, die vital und gesund sind, werden nicht angeschwemmt", erklärte Katharina Weinberg von der Schutzstation. 

Mit Material von dpa
Das könnte Sie auch interessieren