Ein Wolf im Wald.
Ellen Hartmann | am

Ratgeber: So verhalten Sie sich bei Wolfsbegegnungen richtig

Ob beim Spazierengehen mit dem Hund oder beim Ausreiten – Wolfsbegegnungen in Niedersachsen häufen sich immer mehr. Wir haben mit einem Wolfsberater gesprochen und geben Ihnen Tipps, wie Sie sich bei einem Aufeinandertreffen möglichst verhalten sollten.

Christian Katt ist Wolfsberater im Kreis Rotenburg und hat bisher neun Nutztierrisse aufgenommen. Er ist Wolfsberater geworden, weil er der Meinung ist, dass bei der derzeitigen Diskussion um das Raubtier eines zu kurz kommt: die offenen Fragen der Weidetierhalter.

Wie können sich Tierhalter schützen?

"Die Schutzmaßnahmen in eigener Regie aufwerten", erklärt Katt. "Bei meiner Herde habe ich einen Graben am Grünland, der hoffentlich ein natürliches Hindernis darstellt. Der Sprung fällt dem Wolf da schon schwerer und das Buddeln seitlich liegt Wölfen nicht. Der beste Schutz ist der Nachtpferch. Aber das geht halt nicht überall." Weiter rät der Wolfsberater: "Man sollte irgendwie versuchen Ruhe zu bewahren." Allerdings weiß auch er, dass das in der Situation schwerer umzusetzen sei, als vermutet.

Was tun bei einer Wolfsbegegnung?

"Zuerst würde ich mich lautlos verhalten, um zu beobachten, ob mich der Wolf überhaupt wahrgenommen hat. Wenn das nicht der Fall ist, dann gilt es den Abzug des Wolfes abzuwarten. Wenn er mich aber wahrgenommen hat und mich ansteuert, dann muss der Wolf die Begegnung mit einem Menschen erkennen. Machen Sie sich groß!" Auch lautes Rufen würde helfen und dem Tier zeigen, dass ihm ein Mensch gegenüberstehe. "Wölfe können mit uns nichts anfangen und sie meiden die potenzielle Gefahr."

Das niedersächsische Umweltministerium rät in einem Schreiben: "Machen Sie sich bemerkbar durch reden, rufen oder in-die-Hände-Klatschen. Entfernen Sie sich dabei langsam und ruhig, immer mit dem Gesicht zum Wolf. Laufen Sie nicht weg." Folge das Tier einem weiter, könne man es mit dem Werfen von Steinen und Stöcken oder mit Pfefferspray vertreiben.

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Welches Verhalten ist falsch?

Laut Katt sei vor allem Weglaufen der falsche Weg: "Bei Wölfen ist nicht auszuschließen, dass ein Jagdinstinkt oder Greifreflex ausgelöst wird. Bei Jungwölfen ist diese Gefahr am größten." Falls Kinder bei der Begegnung dabei sind, hat Katt auch einen Rat: "Ich würde meinen kleinen Sohn auf die Schulter setzen. Das ist sinnvoll, denn zusammen sind wir noch größer. Und meine größere Tochter an die Hand nehmen und versuchen beide zu beruhigen."

Wenn Wolf und Hund aufeinandertreffen

Wenn ein Hund dabei ist, sollte das Tier an die Leine genommen werden. "Das ist das oberste Gebot!", verdeutlicht Katt. "Zudem sollte man den Hund beruhigen. Er darf nicht unruhig werden und versuchen den Wolf zu verbellen." Denn der Wolf sei territorial und sehe den Hund möglicherweise als Kontrahenten an. "Es kann bei einem direkten Kontakt lebensbedrohlich für den Hund ausgehen."

Doch wenn ein Wolf den Hund angreife, könne nicht mehr viel getan werden. "Versuchen Sie zu zeigen, dass Sie ein Mensch sind, um dem Wolf abzuschrecken. Gehen Sie niemals dazwischen!" Und auch für Reiter hat der Experte einen Tipp: "Pferde sind sehr unberechenbar, was Panik angeht. Der Reiter wird besser wissen, wie er sein Pferd beruhigt. Aber grundsätzlich sollte man niemals flüchten. Glauben Sie bitte nicht, Sie können einem Wolf davonreiten."

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Der Wolf in Niedersachsen

Wölfe stehen in Deutschland unter einem strengen Schutz und leben vor allem in Niedersachsen, Sachsen-Anhalt, Brandenburg, Sachsen und Mecklenburg-Vorpommern. Nach Angaben von Niedersachsens Umweltminister Olaf Lies leben allein in Niedersachsen 36 Rudel mit mindestens 350 Tieren. "Diese Veränderung beunruhigt", so der SPD-Politiker. Er ist sich daher sicher: die Zahl der Wolfsbegegnungen und auch die der Wolfsrisse wird weiter zunehmen. 

Weidetierhalter werden das Handtuch werfen

"Wenn es so weitergeht, wird es keine weiteren 10 Jahre dauern, bis die Mehrheit der Weidetierhalter das Handtuch geworfen hat und es den Weidegang von Schafen, Ziegen, Rindern und Pferden nur noch in aufwendigen Hochsicherheitstrakten geben wird", erklärt Bernhard Krüsken, Generalsekretär des Deutschen Bauernverbandes (DBV). "Der Einstieg in ein aktives Wolfsmanagement ist jetzt dringend erforderlich."

Mit Material von DBV, MU
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