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Dr. Jürgen Fisahn, BZ Oldenburg-Nord, LWK Niedersachsen | am

Ratgeber: Verunkrautung von Grünland

Trockenheit und Schädlinge haben vielen Grünlandflächen in Niedersachsen zum Teil sehr stark zugesetzt. Hier lesen Sie, wann Pflanzenschutzmaßnahmen bei der Narbenreparatur hilfreich sind.

Die Verunkrautung von Grünland ist oft auf Narbenschäden zurückzuführen. Diese können vielfältige Ursachen haben. Zu den gängigen Bewirtschaftungsfehlern zählen Narbenverletzungen durch Erntemaschinen, Fahr- und Trittschäden, aber auch eine Narbenabdeckung durch Erntereste, den Aushub der Grabenreinigung oder durch nicht angepasste Einzelgaben von Gülle oder Festmist.

Darüber hinaus können tierische Schaderreger (Mäuse, Tipualarven, Engerlinge, im Küstenraum auch Gänse), Pilzbefall wie Schneeschimmel und Rost oder Standortmängel (Vernässung, Bodenverdichtung, Baumschatten) bzw. Nährstoffungleichgewichte zu Narbenlücken und in der Folge zum Einwandern unerwünschter Arten führen.

Großräumige Schäden

Der Grünlandbestand sollte zu mindestens 80 bis 90 % aus wertvollen Gräsern, zu 10 bis 15 % aus Kräutern und zu 5 bis 10 % aus Weißklee bestehen. Der Grasbestand wiederum sollte zu etwa 60 % aus Deutschem Weidelgras und zu etwa 20 % aus den Komponenten Wiesenlieschgras, Wiesenrispe bzw. Wiesenschwingel bestehen. Wird auf dem intensiv genutzten Grünland eine Zunahme von unerwünschten Pflanzen festgestellt, sollte man einer Ausbreitung frühzeitig entgegenwirken. Neben vorbeugenden Maßnahmen sind mechanische und chemische Pflanzenschutzmaßnahmen erforderlich, um den Pflanzenbestand wieder zu sanieren.

Stumpfblättriger und Krauser Ampfer

Diese Pflanze verbreitet sich vor allem über die zahlreich gebildeten Samen. Die Samenbildung ist durch frühe Mahd oder Nachmahd zu unterbinden. Der optimale Bekämpfungstermin ist das Rosettenstadium (bis 20 % Blütenstängel geschoben). Die Bekämpfung kann bei geringem Besatz als Einzelpflanzenbehandlung mit Simplex, Ranger oder Glyphosathaltigen Präparaten erfolgen. Im Frühjahr sollte Harmony SX nicht angewendet werden, da Weidelgräser zu diesem Zeitpunkt mit einem vorübergehenden Wachstumsstopp reagieren.

Löwenzahn

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Löwenzahn wird auf der Weide gerne gefressen und verbessert die Futterqualität, allerdings ist er ertragsschwach und für die Konservierung aufgrund von Bröckelverlusten schlecht geeignet. Löwenzahn breitet sich über den Samen schnell in lückigen Beständen aus. Pflegemaßnahmen wie eine zeitige Mahd noch vor der Blüte und eine sich anschließende Mähweidennutzung reichen allein oft nicht aus, ihn ausreichend zurückzudrängen. Wichtig gegen Neuanflug von Samen sind alle Maßnahmen, die einen dichten Narbenschluss gewährleisten.

Für Herbizideinsätze eignet sich besonders der Spätsommer sowie als Alternative das Frühjahr vor dem ersten Schnitt. Die Behandlung sollte bei vollständiger Blattentwicklung kurz vor dem Aufbrechen der Blütenknospen erfolgen.

Vogelmiere

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Die Vogelmiere breitet sich dank ihrer polsterbildenden Wuchsform rasch aus und stellt insbesondere in Neuansaaten ein Problem dar. Das Unkraut bleibt auch bei nasskaltem Wetter mit niedrigen Temperaturen noch wachstumsaktiv, selbst dann, wenn sich die Gräser in der Winterruhe befinden. Vor allem in milden Wintern gefährdet die Vogelmiere lückige Grasbestände und gewinnt bis zur Vegetationszeit der Gräser entscheidende Konkurrenzvorteile. Durch Striegeln bzw. scharf gestellte Wieseneggen lässt sich der Vogelmierebesatz mechanisch vermindern. 

Eine chemische Behandlung gegen Vogelmiere verspricht bei beginnender Polsterbildung den besten Erfolg, oft sind nur Teilflächenbehandlungen erforderlich.

Jakobskreuzkraut

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Die Pflanzen sind stark giftig und können die Gesundheit von Pferden und Rindern in sehr hohem Maße gefährden. Ein günstiger Bekämpfungstermin ist das Rosettenstadium, bevor der Stängel schiebt. Blühende Bestände sollten daher zunächst abgemäht (Mähgut verwerfen!) und dann im Nachwuchs behandelt werden. Jakobskreuzkraut wird sehr gut mit 2 l/ha Simplex bekämpft. 

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