Junger Biolandwirt Steffen Thudt
Christian Mühlhausen | am

Goslar: Den Hebel auf Ökolandbau umlegen

Vorbei die Zeit, in der man mit 100ha eine Familie ernähren konnte. Auch Steffen Thudt orientiert sich neu und stellt auf Öko um.

Betriebsaufgaben, Kooperationen zu Betriebsgemeinschaften und Spezialisierungen der Betriebe sind die Folge des Strukturwandels. Für viele Landwirte ist dabei der Ökolandbau eine echte Option geworden, wie aktuelle Zahlen belegen. Wir haben uns beim Umsteller Steffen Thudt aus Herrenhausen bei Seesen umgeschaut.

Seit Juli 2019 ist der Hof, der noch auf Thudts Vater Hans-Joachim (61) läuft und zum Sommer übergeben werden soll, in der Umstellungsphase nach den Biolandkriterien. Noch bis zum Jahr 2015 hielt die Familie 18 Milchkühe. Die Milchviehhaltung wurde dann aber aus gesundheitlichen Gründen des Vaters aufgegeben. Seitdem werden die 25 ha Grünland mit einer Mutterkuhherde gepflegt. Hinzu kamen 85 ha Ackerbau mit Raps, Weizen, Gerste und etwas Zuckerrüben im Anbau.

Keine Option: Hof in den Nebenerwerb überführen

„Wir standen vor der Frage, wie es weiter geht“, schildert Steffen Thudt, der gerade in Göttingen sein Masterstudium der Agrarwissenschaften beendet. Weiter so wie bisher und versuchen, zu wachsen? „Schwierig in unserer Gegend, der Wettbewerb ist stark und die Preise hoch“, bemerkte er. In die Veredlung investieren und einen Stall bauen? „Ich möchte mich in diesen unsicheren Zeiten ungern für 20 Jahre und mehr festlegen“, erklärte der Neueinsteiger. Einen anderen Job suchen und den Hof im Nebenerwerb weiterführen, kam für ihn nicht infrage. Dafür liebt er diesen Beruf zu sehr.

Thudt: "Die Rahmenbedingungen im Ökolandbau stimmen"

Im Agrarstudium faszinierte Thudt der ökologische Pflanzenbau. Mit jeder Vorlesung und jeder Exkursion reifte bei ihm die Idee, den eigenen Betrieb umzustellen. Auch äußere Rahmenbedingungen gaben dem Umstellungswunsch Auftrieb:

  • Klimawandel
  • Wegfall von chemischen Wirkstoffen
  • zunehmende Resistenzen
  • Kritik aus der Gesellschaft und Politik an der konventionellen Landwirtschaft

Auch die Verpächter mussten über die Umstellung informiert werden. Mit jedem von ihnen habe er Gespräche geführt und sei auf Zuspruch gestoßen. Und daheim? „Mein Vater hat den Betrieb 38 Jahre geführt und mit intensiver Bestandesführung hohe Erträge erwirtschaftet. Da legt man nicht einfach von heute auf morgen den Hebel auf Öko um“, beschreibt Thudt den Prozess. Letztlich war es neben dem Vertrauen auch die Gewissheit, dass die kommende Generation den Betrieb in die Zukunft

Ackerbohne ersetzt künftig den Raps

Die Umstellungsphase begann im vergangenen Spätsommer mit der Aussaat von 15 ha Kleegras, dem „Motor der Fruchtfolge“. Thudt tauscht den Aufwuchs wird mit einem kooperierenden Ökobetrieb gegen Rindergülle. Die Fruchtfolge passt der junge Landwirt an: Statt einer eingliedrigen nun eine zweigliedrige und statt einer dreifeldrigen eine fünffeldrige Fruchtfolge - wobei die Ackerbohne den Raps als Blattfrucht in der Fruchtfolge ersetzt. Zudem drillte Thudt bereits ein Erbsen-Triticale-Gemenge sowie separat Triticale und Winterweizen aus.

Mit dem Verkauf von Eiern (120 Legehennen im Hühnermobil), Kartoffeln und Gemüse hat Thudt sich gemeinsam mit seiner Freundin Jessica Lange schon einen kleinen Kundenstamm aufgebaut. Pfiffig: Eine „stille“ WhatsApp-Gruppe informiert interessierte Kunden, wenn neue Ware im Verkaufsraum liegt.

Was Thudt für besonders wichtig im Öko-Gesamtsystem hält lesen Sie in der LAND & FORST 19/20 und in unserem Digitalmagazin.

Inhalte der Ausgabe

  • Thema der Woche: Landwirte im Klimawandel - Täter, Opfer oder Retter?
  • Tierhaltung: Innovationspreis Tierwohl (ITW) für Schweinemäster aus Haschenbrok
  • Forst: Ergebnis Waldzustandsbericht - Fichtenschäden sind verheerend

Reinschnuppern: 12 Ausgaben ab 10€

Jetzt bestellen

Digitale Ausgabe

Jetzt bestellen
digitalmagazin

✔ Mehrleser-Funktion

✔ Artikel merken und teilen

✔ exklusiv: Audio und Video

✔ 1 Tag früher informiert

Digitale Ausgabe

✔ 3 Endgeräte
✔ Merkliste
✔ Audio und Video
 
Das könnte Sie auch interessieren

Inhalte der Ausgabe

  • Thema der Woche: Landwirte im Klimawandel - Täter, Opfer oder Retter?
  • Tierhaltung: Innovationspreis Tierwohl (ITW) für Schweinemäster aus Haschenbrok
  • Forst: Ergebnis Waldzustandsbericht - Fichtenschäden sind verheerend

JETZT DAS WOCHENBLATT KENNENLERNEN – GEDRUCKT ODER DIGITAL!

Reinschnuppern: 12 Ausgaben ab 10€

Jetzt bestellen