Waldmoor im Solling
Christel Grommel | am

Northeim: Moorrenaturierung wird beschleunigt

Die Niedersächsischen Landesforsten beschleunigen ihr Moorschutzprogramm. Sie wollen das 30 Hektar große, vollständig von Wald umgebene Hangmoor im Solling wieder vernässen.

Im Forstamt Dassel nahe Sievershausen wollen Forstleute bis Ende 2022 ein weiteres großes Waldmoor im Solling wiederbeleben. Derzeit laufen im Friedrichshäuser Bruch noch die Baumfällarbeiten, denn damit die Torfmoose wieder wachsen können, müssen Fichten aus dem Moor weichen.

Das Moor hat eine bessere Klimabilanz als Bäume. Damit sich der Torfkörper aufbauen kann, müssen spezielle Torfmoose wachsen. Dafür ist die Wiedervernässung Voraussetzung. Gräben und aufwachsende Fichten entziehen dem Gebiet bisher das Wasser und lassen das Moor schwinden.

Ein intaktes Moor speichert CO2 beim Wachsen der Torfmoose. Hat sich das Friedrichshäuser Bruch nach der Renaturierung erholt, arbeitet das Gebiet langfristig wieder als Kohlenstoff-Senke. 166 Tonnen CO2-Emissionen werden pro Jahr eingespart, berechneten Wissenschaftler. Das Moor leiste damit langfristig mehr für den Klimaschutz als ein Wald.

Wasserhaushalt im Mittelgebirge verbessern

Die Landesforsten wollen mit dem Moorschutz auch den Wasserhaushalt der Mittelgebirgslandschaft Solling verbessern. 

Moore speichern beachtliche Niederschlagsmengen, wirken ausgleichend bei Starkregenfällen und steigern die Bildung von sauberem Grundwasser. Der Gewässerschutz und die Versorge für Trinkwasser würden immer wichtiger, erklärt Naturschutzförster Kai Conrad.

Über eine Million für die Renaturierung

Nahaufnahme von Pflanzen und Bach im Moor

Über eine Millionen Euro investierten die Forstämter Dassel und Neuhaus in den letzten 10 Jahren in die Belebung ihrer Waldmoore. Rund 30 Einzelmoore zählen Forstleute zwischen einem und 60 Hektar Größe. "Sämtliche ehemalige Moor- und Feuchtwaldstandorte im Solling sind kartiert und nun gehen wir bei der Renaturierung systematisch und nach Prioritäten vor. Rund 250 Hektar nasse Standorte sind in gutem Zustand oder bereits renaturiert. Das ist ein Drittel der langfristig geplanten Fläche“, bilanziert Förster Kai Conrad.

Die Landesforsten erhalten sowohl vom Land Niedersachsen als auch durch Fördermittel der EU finanzielle Unterstützung. Die EU und das Land Niedersachsen haben die Bedeutung dieser seltenen Biotope erkannt und wollen deren Renaturierung vorantreiben. Aktuell laufen mit dem Hangmoor Wildenkiel im Forstamt Neuhaus und dem Friedrichshäuser Bruch im Forstamt Dassel zwei große Moorrenaturierungen im Solling.

Die im Februar 2020 begonnenen Arbeiten sind Teil des umfangreichen Hilfspaketes, mit dem das gefährdete Naturschutzgebiet gerettet werden soll.

Gemeinwohlaufgabe für kommende Generationen

Ursprünglich nahmen Moorflächen im Solling weit mehr Raum ein als heute, Fachleute schätzen sie auf über 1.000 Hektar. In den letzten zwei Jahrhunderten wurden fast alle Moore entwässert. Im Solling geschah das hauptsächlich, um sie danach mit Fichten aufzuforsten.

Von den einst meterhohen Torfschichten im Friedrichshauser Bruch ist an vielen Stellen noch über ein Meter übrig. Es leben aber noch Torfmoose und andere wichtige Moorpflanzen im Gebiet. "Sonst wäre eine Renaturierung gar nicht sinnvoll", sagt Kai Conrad. Das Bruch biete sich auch wegen der immer noch gut schüttenden Quellen und der relativ hohen Niederschlägen für eine Wiedervernässung an. Mit 30 Hektar sei es eines der größten Moore im Solling und beherberge besonders seltene Pflanzenarten.

Landesforsten-Präsident Merker sieht die Renaturierung als Gemeinwohlaufgabe für kommende Generationen: „Die Niedersächsischen Landesforsten als Anstalt öffentlichen Rechts sind nicht nur der Holzproduktion verpflichtet, sondern auch dem Gemeinwohl kommender Generationen: also dem Erhalt der Erholungsfunktion und der biologischen Vielfalt, dem Klimaschutz, Hochwasserschutz sowie dem Schutz des Grundwassers. Mit der nun begonnenen Renaturierung des Friedrichshäuser Bruches werden diese Ziele in die Praxis umgesetzt.“

Mit Material von Niedersächsische Landesforsten

Inhalte der Ausgabe

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  • Geld und Recht: Vorsorgeleistungen bei Hofübergabe vertraglich klar regeln
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