Hannes Garbelmann (li.) und Jendrik Philipps ackern mit alten Geräten
Ellen Hartmann | am

Northeim: Zwei Studenten und die Leidenschaft für alte Geräte

Der eine fährt einen alten Hanomag R324 S, der andere einen Deutz D30 S: Hannes Garbelmann und Jendrik Philipps aus Dassel im Landkreis Northeim sind zwar keine Landwirte, aber hegen eine Leidenschaft für alte Trecker, Pflüge und Co. Aber wie hat das angefangen?

"[…] wer einen Trecker hat, der braucht einen Pflug und wer einen Pflug hat, der braucht eine Egge und so weiter", sagen Garbelmann und Philipps darüber, wie ihr Fuhrpark gewachsen ist. Gekauft haben sie die Geräte günstig über das Internet, Hilfe bekommen sie von einem befreundeten Landwirt. "Herausgekommen ist eine Symbiose, von der wir alle – auch als Gesellschaft – profitieren", sagt Stefan Golze, Ausprobier-Landwirt und Flächenbereitsteller für "Ackern mit alten Geräten".

Geräte werden auf dem Acker getestet

"Wir wollten immer schon Kartoffeln machen und fragten Stefan, ob wir für ihn welche legen könnten, um so endlich unsere alten Geräte auf seinem Acker zu nutzen", erklärt Philipps, der in Göttingen Agrarwissenschaften studiert. Garbelmann hingegen ist Bauingenieurstudent und hat ein paar Ackergeräte von seinen Großeltern geerbt. Landwirt Golze betreibt in Dassel am Solling einen Hof mit Hühnermobilen, Mutterkuhhaltung und Direktvermarktung und stellte den beiden "Landwirten" 3.400 Quadratmeter Land zur Verfügung. Hier arbeiten Philipps und Garbelmann mit Kartoffelroder, Mähbalken, Pflügen, Schwader, Sämaschine, Kartoffellegemaschine und Ballenpressen.

Einen Plausch am Feld halten

Viele Schaulustige haben mittlerweile einen Schnack mit Garbelmann und Philipps am Feldrand gehalten. "Das ist der Unterschied zur modernen Landwirtschaft, wo große High-Tech-Maschinen über das Feld fahren", sagt Golze. "Wir kamen mit den Leuten ins Gespräch, die selbst keine Ahnung von der Urproduktion haben. Hier sehen und schätzen sie die Arbeit. Einen Morgen mit einem Ein-Schar-Pflug zu bearbeiten, ist schon eine Aufgabe." Deshalb haben Garbelmann und Philipps mit Golzes Schwager Elisas Kreuzinger den Verein "Hof.Kultur" gegründet, um Landwirtschaft, Verbraucher, Gesellschaft und Öffentlichkeit zusammenzubringen. Geplant sind Hof- und Erntefeste sowie Aktionen rund um die Landwirtschaft und Lebensmittel.

Annabell, Belana und Linda sind bereits in der Erde

Zusätzlich sind die Männer auch in den sozialen Netzwerken aktiv: "Man sieht jeden Arbeitsschritt und einige mussten wir – gerade beim Kartoffelanhäufen – etliche Male wiederholen bis das Ergebnis uns einigermaßen zufrieden stellte", so die Retro-Landwirte. "Die haben wir mehr aus- als eingegraben – aber jetzt sieht man schon die ersten grünen Blätter neben dem Unkraut hervorschauen", geben sie zu. Mittlerweile wurden auf 1.800 Quadratmetern sieben Sorten gepflanzt, darunter Annabell, Belana und Linda. "Wir setzten auf regional und saisonal. Hacken, Häufeln und Striegeln ist angesagt und schauen, was rauskommt", so Golzes Devise. 

Experimente auf dem Versuchsfeld

Auf dem 1.600 Quadratmeter großen Versuchsfeld setzt das Trio auf ein Mix-Feld mit Erdbeeren, Bohnen, Sonnenblumen, Zuckermais, Rhabarber, Karotten und Kürbis. "Der Feldstreifen ist unsere Spielwiese", erklärt Golze. "Wir probieren ein paar Sachen aus, schauen wie es wächst und ob von Kundenseite Interesse daran besteht." Aber stehen denn schon alle Wunschgeräte in der Scheune? "Ganz oben auf der Wunschliste steht noch ein selbstfahrender oder anzuhängender Mähdrescher – natürlich passend aus den 1960er Jahren", geben Garbelmann und Philipps zu. "Doch jetzt haben die Kartoffeln und das Mähen des Grünlands erst einmal Vorrang."

Mit Material von LPD
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