Mann in Morgendämmerung mit Wäschekorb
Christel Grommel | am

Rehkitzrettung mit der Drohne

Rehkitze vor dem Mähtod zu retten, ist gar nicht so einfach. Mit Drohne, Wärmebildkamera und Wäschekorb entgeht den freiwilligen Rettern jetzt aber fast kein Kitz mehr.

Im hohen Gras sind Kitze gut versteckt und vor natürlichen Feinden geschützt. Nicht aber vor der Mähmaschine. Denn wenn die kommt, flüchten Kitze nicht, sondern harren aus und sterben dann meist. Rehkitzretter haben sich zur Aufgabe gemacht, das zu ändern. 

Die Kitze werden per Drohne und Wärmebildkamera aufgespürt. Deshalb müssen die Retter früh raus, denn in den kalten Morgenstunden findet die Kamera sie am besten. Um drei Uhr früh geht es für Wolfgang Moldehn und andere Freiwillige sowie dem zuständigen Jäger los. Sie fliegen im Auftrag von Landwirten die Felder ab. 

"Die Drohne fliegt in 80 bis 100 Metern Höhe", erzählt Moldehn, der Vorsitzender der Nabu-Kreisgruppe Goslar ist. Auf einem Monitor beobachten die Retter, was die Wärmebildkamera aufzeichnet. "Wir sind in der Lage, jeden Maulwurf zu finden, der an die Oberfläche kommt", sagt er. "Uns geht kein Kitz durch die Lappen."

Neue Methode verspricht mehr Erfolg

Zehntausende Rehkitze sterben Schätzungen zufolge jedes Jahr in Deutschland durch Mähmaschinen. Jahrelang haben Jäger, Landwirte und Naturschützer die Felder zu Fuß abgesucht. Dabei seien aber viele Kitze übersehen worden. Auch der Einsatz von Hunden hatte wenig gebracht, weil Kitze absolut geruchlos sind. 

Drohnen sind daher laut Moldehn die beste Möglichkeit, um die Jungtiere zu finden. Er betreibt die Wildtierrettung seit vier Jahren. "Wir haben jetzt 59 Helfer und sechs ausgebildete Drohnenpiloten", erzählt er über die Rehkitzrettungsgruppe, die inzwischen fünf hochwertige Drohnen-Systeme besitzt. "Das machen alle freiwillig und ehrenamtlich." Ziel sei, Tierleid zu verhindern.

Rettung von Mai bis Juni

Von Mai bis Juni sind im Agrarland Niedersachsen zahlreiche Rehkitzretter unterwegs - zunehmend auch mit Drohnen, wie der Sprecher der Landesjägerschaft Niedersachsen, Florian Rölfing, berichtet. Neben den klassischen Präventionsmaßnahmen wie dem Absuchen der Felder oder dem Einsatz von Knistertüten und Duschradios als Vergrämungsmaßnahme sind die Drohnen mit Wärmebild- oder Infrarottechnik sehr hilfreich.

Auch der Landesbauernverband sieht eine Entwicklung. "Der Einsatz von Drohnen hat zweifelsfrei zugenommen, aber wir haben keine Zahl, wie viele Landwirte diese Variante wählen", sagt Landvolk-Sprecherin Gabi von der Brelie. Eine Pflicht zum Absuchen der Felder vor dem Mähen gibt es nicht. Aber von der Brelie sieht ein Eigeninteresse bei den Landwirten: "Niemand möchte ein totes Kitz unter den Mähmessern finden."

Drohne und Wäschekorb im Team

Da die Rettung auf freiwilliger Basis geschieht, wird sie auch unterschiedlich organisiert. Die Drohnen werden oft mit Hilfe von Spenden angeschafft, die Mitglieder eines Naturschutzvereins oder Jäger holen auch die nötigen Genehmigungen ein. Das Absuchen wird den Landwirten kostenlos angeboten. 

In der Gruppe von Nabu-Vorsitzendem Hoffknecht in Neustadt gibt es inzwischen vier ausgebildete Drohnen-Piloten und eine Drohnen-Pilotin. "Wir haben eine Drohne mit Normalbild und Wärmebildkamera. Sie fliegt um die 20 Meter Höhe", sagt er. Eine Garantie, jedes Kitz zu finden, gibt es nicht. Im Vergleich zu herkömmlichen Methoden sei die Suche aus der Luft aber viel erfolgreicher. "Das Erlebnis, ein Kitz gerettet zu haben, das wird man nicht wieder los", schwärmt der 66-Jährige. "Es gibt nichts Schöneres." Hoffknecht hofft, dass Wildtierrettung per Drohne in Deutschland weiter zunimmt.

Eine weitere Neuerung bei der Rettung ist der Wäschekorb. Was hat ein Wäschekorb mit der Kitzrettung zu tun? Statt das Kitz aus dem Feld wegzutragen, stülpen Helfer einen Wäschekorb darüber und markieren die Stelle mit einer hohen Stange. Der Landwirt fährt beim Mähen um die Stelle herum, danach wird der Korb entfernt. Dabei ist die Belastung für das Kitz geringer: Der Stress des Wegtragens fällt weg, Füchse werden nicht durch Schreie des Kitz aufmerksam und kein Menschengeruch kommt an das Kitz. Die Kitzretter haben bereits mehrere Wäschekörbe geordert. 

Mit Material von dpa
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