Oliver Loges setzt am Schlachthof Holzminden auf Transparenz.
Laura Schneider | am

Schlachthof Holzminden: Hohe Nachfrage für ein besonderes Konzept

Oliver Loges ist Schweinemäster und Schlachthofbetreiber in Holzminden. Er setzt auf einen Nischenmarkt und volle Transparenz.

„Bis nachts um 1 Uhr haben wir 20 Bullen und acht Schafe geschlachtet, jetzt holen die Kunden ihre vorbestellten Waren ab, nachher kommt noch ein Weideschuss rein und zwischendurch sind die Schweine dran“, berichtet Schlachthofbetreiber Oliver Loges.

Geschäftig holt er aus dem Kühllager Schweinerippchen, Kotelett-Stränge und kiloweise Braten für die Kunden, die am frühen Samstagmorgen beim Schlachthof Schlange stehen.

Nischen-Dasein und volle Transparenz

Jede Woche werden im Schlachthof Holzminden im Schnitt 150 Schweine aus der Region geschlachtet. „Im Umkreis von 70 Kilometern sind wir der einzige Schachthof in Südniedersachsen“, erklärt Loges.

Der Betrieb schlachtet freitags Großtiere und samstags Schweine. Die Schweine werden schon am Freitag angeliefert, damit sie sich über Nacht akklimatisieren und zur Ruhe kommen können. „Das wirkt sich positiv auf die Qualität des Fleisches aus“, ist Loges überzeugt.

Neben seinem Nischen-Dasein setzt der Schlachthof auf volle Transparenz. „Bei uns kann jeder vorbeikommen und schauen, wie der Schlachtprozess abläuft. Wir haben nichts zu verbergen“, unterstreicht Loges seine Philosophie. Seine Angestellten seien ausschließlich Facharbeiter, die ordentlich bezahlt würden und voll hinter dem Schlachthof stünden.

Ackerbauer, Schweinemäster und Schlachthofbetreiber zugleich

Den Schlachthof Holzminden gibt es seit 1926. Loges übernahm ihn vor drei Jahren, um langfristig die Schlachtung seiner eigenen Schweine sicherzustellen.

Er hatte nach einer Ausbildung zum Steuerfachangestellten den elterlichen Hof übernommen. In Kooperation mit drei Partnern hält er 6.000 Mastschweine plus Ferkelaufzucht und betreibt Ackerbau.

Vor fünf Jahren übernahm Loges dann eine Fleischerei, die Wurstspezialitäten herstellt. Damit will er seine Philosophie „Wissen, woher das Fleisch kommt“ leben. Vor drei Jahren folgte der Schlachthof Holzminden. Inzwischen besitzt der Landwirt vier Hofläden in der Region Holzminden-Höxter und ist Arbeitgeber für 55 Mitarbeiter.

Vermarktung an Privatpersonen, Großhandel und Fleischereifachgeschäfte

Mit dem Weihnachtsgeschäft herrscht im Schlachthof Holzminden Hochbetrieb. Gleiches gilt für den Fleischgroßhandel Eilers direkt nebenan, den Loges 2018 übernahm. Die Kunden schleppen kisten- und kiloweise ihre Ware zum Auto und bescheinigen allesamt deren gute Qualität.

Doch der Vor-Ort-Verkauf ist laut Loges nur Nebengeschäft. Der Großteil der Frischfleischwaren geht an den Großhandel, Fleischereifachgeschäfte und vor Corona an die regionale Gastronomie.

„Leider fällt die Gastronomie aufgrund der Schließung weg, doch die Kunden kochen mehr zuhause und auf dem Land haben sie noch Kühltruhen. Neben den Edelteilen verkaufen wir vor allem an Kunden mit osteuropäischen Wurzeln auch Schnauze, Pfötchen und Innereien. Die wissen noch, wie man daraus leckere Gerichte kochen kann“, berichtet Loges.

Ein Schweinestall zum Reinschauen

Er sieht sich in seinem Konzept bestätigt: „Wir bedienen hier die Nische, die es immer geben wird, um die kleinen Märkte in der Region zu bedienen. Die Nachfrage ist da. Deshalb denken wir darüber nach, unsere Schlachtung weiter auszubauen.“

Aktuell lässt Loges einen Schau-Schweinestall bauen, um die Transparenz zu steigern. „Damit der Verbraucher lernt, dass die Wurst nicht am Baum wächst“, erklärt Loges.

Mit Material von LPD

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