Harvester räumt Waldschäden auf
Christian Mühlhausen | am

Waldschäden: Forstgenossen bald zahlungsunfähig

Stürme, Käferbefall, Dürrejahre und ein am Boden liegender Holzmarkt – den Waldbesitzern und Betreuungsforsten in Niedersachsen geht es nicht gut.

Der Harz ist waldreich, vor allem die Fichte dominiert. Auch in der 180 Hektar großen Forstgenossenschaft Grotenberg-Jerstedt sind zwei Drittel der Flächen mit Fichte bestanden. Davon ist jedoch nach Sturm Friederike, Käferbefall und zwei Dürrejahren nicht mehr viel übrig.

80 Hektar Schadholzfläche gab es hier, 60 davon wurden aufgearbeitet. 20 Hektar blieben mangels wirtschaftlicher Perspektive stehen. Nun sind die Rücklagen aufgebraucht. Wilfried Stecher, Vorsitzender der Forstgenossenschaft Grotenberg-Jerstedt, macht die prekäre Lage klar: „Wir haben schlichtweg kein Geld mehr.“

Fehlendes Engagement der Politik bemängelt

Nicht nur die Aufarbeitung des Totholzes und die Räumung der Flächen sei kostenintensiv, sondern auch das anschließende Aufforsten und die jahrelang notwendige Pflege. Bei 2.500 Euro pro Hektar seinen so weitere 200.000 Euro aufzubringen.

Stecher kritisiert in diesem Zusammenhang die „Lippenbekenntnisse“ der Politik. Versprechen über Förderungen und Zuschüsse seien obsolet, weil diese nur rückwirkend bewilligt würden. Man habe aber in den Forstgenossenschaften bereits jetzt nicht mehr die Mittel, um solche Summen vorzuschießen.

Auch künftig wenig Einnahmen erwartet

Mann lehnt an Baum

Die Forstgenossenschaft habe bis 2017 noch kleine Summen ausgeschüttet, dann aber in Voraussicht auf die schwierige Situation Rücklagen gebildet. Dieses Geld würde aber bis zum Frühjahr aufgebraucht sein. Das Einsammeln einer Umlage bei den Mitgliedern oder eine Beleihung des Eigentums seien ausgeschlossen.

Fehlende künftige Einnahmen machen die Situation noch prekärer. Selbst bei besserem Holzmarkt seien in den nächsten 30 Jahren keine großen Erträge zu erwarten, sagt Stecher voraus: „Ein Fünftel unserer Fläche ist blank, da kommen in den nächsten 30 Jahren keine Erträge.“

Stecher fordert Zahlungsboykott

Bei der Jahresversammlung der Betreuungsforsten des Forstamtes Seesen forderte Stecher Reaktionen. Das Land möge auf die Erhebung des sogenannten Forstbesoldungsbeitrages für die geleistete Beförsterung verzichten. Stecher schlug vor, dass betreute Forstgenossenschaften und Waldbesitzer die Bezahlung dieses Beitrags geschlossen verweigern sollten, um ein starkes Signal an die Politik zu senden.

Stecher habe den Eindruck, dass die starken Probleme der Waldbesitzer gar nicht bei der Politik ankämen. Er wolle diesen Boykott aber keinesfalls als Kritik an den Landesforsten verstanden wissen. Die Landesforsten wiederum weisen die Forderung nach dem Boykott als vertragswidrig und obsolet zurück, da das Problem durchaus in der Politik bekannt sei.

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