Spielzeugmacher-Horst-Sander-Eselspiel
Chr. Hüneke-Thielemann | am

Diepholz: Wenn ein Tischlermeister Spiele fertigt

Rentner Horst Sander hat ein Hobby, das bei vielen Familien in seinem Umfeld für Unterhaltung und Spaß sorgt: Der 80-Jährige fertigt mit seiner Frau Margret Gesellschaftsspiele aus Holz an – der Renner dabei ist das Eselspiel.

Der Tischlermeister aus Harbergen im Kreis Diepholz war lange Zeit als Ausbildungsleiter bei der Nienburger Deula tätig und hat Generationen von jungen Landwirten im sicheren Umgang mit Kleingeräten und der Holzbearbeitung geschult. „Das war eine gute Zeit. Dort als Ausbilder zu sein, hat mir immer viel Freude gemacht“, erzählt Horst Sander. Manche Kontakte aus Deula-Zeiten würden noch heute bestehen.

Der Klassiker Eselspiel

Spielzeugmacher-Horst-Sander-Werkstatt

Zusätzlich vermittelte der früher selbstständige Tischler bei der Volkshochschule in Abendkursen Wissen rund um den Werkstoff Holz. Dort wurden neben größeren Werkstücken auch Holzspiele angefertigt.

Und die entstehen auch heute noch gern in seiner Hobbywerkstatt: Das „Lustige Würfelspiel“, das „Klappenspiel“ oder eben das „Eselspiel“ – der Klassiker unter den einfachen Familienspielen. Dieses Gesellschaftsspiel ist schon mehr als 50 Jahre alt und soll seine Wurzeln im Dänischen haben.

Es gibt mittlerweile eine jüngere Variante als Kartenspiel im Handel, doch wenn in der Mittelweserregion das Eselspiel auf den Spieletisch kommt, handelt es sich traditionell um selbst gefertigte Plättchen aus Holz, die aus einem Stoffbeutel an die Runde verteilt werden.

Bei Familie Sander entsteht das Eselspiel in Teamarbeit: Horst Sander sägt in seiner Werkstatt die 121 Plättchen für das Spiel aus Pressholz zu. Seine Frau Margret beschriftet die Spielsteine von Hand in schönen, klaren Ziffern sechsmal mit den Zahlen 1 bis 20. Dann kommt das Wichtigste: Ein Plättchen wird mit einem Eselmotiv versehen – für den, der nicht aufgepasst hat. Das Ganze verpackt die 77-Jährige samt Spielanleitung in einen liebevoll selbst genähten Beutel aus Leinen oder anderen bunten Stoffen.

Spielen statt daddeln

Allein in Sanders großer Familie gibt es reichlich Abnehmer für das Spiel um das störrische Grautier: Sechs Kinder hat das Harberger Ehepaar, 13 Enkelkinder und schon zwei Ur-Enkel. „Wenn sich an Weihnachten oder zu Geburtstagen die ganze Sander-Verwandtschaft samt Partnern und Enkeln trifft, dann wird eigentlich immer eines von Opas Spielen aus dem Schrank geholt“, erzählt Tochter Christa Sander. Und Opa Horst ergänzt: „Das ist auch ganz gut so, heute gucken ja schon die ganz Kleinen dauernd auf ihre Elektrokisten“. 

Umso mehr freut es den passionierten Handwerker, wenn dann irgendwann doch alle Enkel die Handys beiseitelegen und ganz analog ihren Spaß haben mit Opas klassischen Holzspielen.

Das Eselspiel kommt rum

Dass es bei Familie Sander selbstgebaute Spiele gibt, hat sich auch im Nachbar- und Freundeskreis herumgesprochen.

Besonders zu Weihnachten landen die hübschen Stoffbeutel gerne unterm Baum – da wird dann oft Heiligabend noch gespielt. Auch in den Ski-Urlaub reisen die Holzspiele bei einigen Nienburger Familien regelmäßig mit. Echte Fans der Eselei spielen allerdings nicht nur zur Winterzeit: Margret Sander hat schon von dem ein oder anderen Esel-Club gehört – da trifft man sich nicht zu Rommee oder Skat, sondern vertreibt sich mit 120 Zahlenplättchen und einem Esel trefflich die Zeit.

Auch beim Spielenachmittag der Wietzener Landfrauen geht’s regelmäßig darum, am Ende nicht den Eselsstein zu besitzen. Das Spiel ist übrigens nicht nur unterhaltsam und spannend, sondern auch gut für die Konzentration und das Reaktionsvermögen. Je mehr Mitspieler dabei sind (vier sollten es möglichst sein), desto schwieriger wird es, den eigenen Stapel und die der Mitspieler fest im Blick zu haben. Denn schließlich wachen alle mit Argusaugen darüber, wer sich als nächster zum Esel macht.

Wikingerschach und Klappenspiel

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Immer für eine lustige Runde in der Familie oder mit Freunden ist auch das „Klappenspiel“ gut: Dieses Würfelspiel ist ebenfalls schon alt und kommt bei Erwachsenen und Kindern gleich gut an. Für Kinder ist es zudem eine schöne Übung, um den ersten Umgang im Zahlenraum von 1 bis 20 spielerisch zu erlernen.

Das „Klappenspiel“ gibt es im Handel auch unter dem englischen Namen „Shut the Box“, wird aber ebenso wie das „Eselsspiel“ oft als selbst gefertigte Version auf Märkten und Basaren in der Region angeboten. 

Neu aufgenommen in sein Spiele-Repertoire hat der Tischlermeister eine Version von „Kubb“. Das auch als Wikingerschach bei jungen Leuten zunehmend wieder beliebte Freiluftspiel sägt er seit einiger Zeit ebenfalls präzisionsgerecht in seiner kleinen Harberger Hobbywerkstatt zu – inklusive praktischer Aufbewahrungskiste.

Fürs Altenheim in XXL

„Das Klappenspiel und das Würfelspiel habe ich für Bekannte in einem Altersheim auch schon mal als extragroße Variante gebaut“, erzählt Horst Sander. Wem das Greifen alters- oder krankheitsbedingt schwerfällt, der freut sich über die XXL-Ausführung der Spieleklassiker. Ebenfalls für Menschen mit Einschränkungen: Sein hölzerner Halter für Spielkarten beim Skat, Doppelkopf oder Rommeespiel.

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