Hashtag #Dorfkinder
Meinung | Maren Diersing-Espenhorst | am

Von Dorfkindern und Stadtmenschen

Dass eine gut gemeinte Kampagne manchmal vollkommen nach hinten losgehen kann, musste auch das Bundeslandwirtschaftsministerium vor einiger Zeit feststellen.

Unter dem Hashtag #Dorfkinder wollte Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner mit ihrem Haus den Blick auf die Menschen lenken, die Tag für Tag daran mitwirken, die Dörfer und Landgemeinden voranzubringen.

Sie wollte damit zugleich eine Debatte über das Leben auf dem Land anstoßen. Und einen Austausch über Ideen, neue Entwicklungsansätze und echte Perspektiven für das Land. Geschehen sollte dies auf den Sozialen Medien.

Debattiert wird dort auch – aber auf einem Niveau, das mir die Schamesröte ins Gesicht und die Tränen in die Augen treibt. Ich habe es nicht für möglich gehalten, dass man sich im Jahr 2020 darüber streiten wird, ob die Menschen aus der Stadt oder aus dem Dorf die „besseren“ sind.

Sie denken ich übertreibe, liebe Leserinnen und Leser? Ich wünschte es wäre so. Aber nein, genau das passiert derzeit in den sozialen Medien und vor allem auf Twitter. Dort wird gestritten und beschimpft, mit Ausdrücken, die ich hier einfach nicht wiederholen will und kann.

Von Dorfkindern und Stadterwachsenen

Ich selber sehe mich als Dorfkind, das nun ein Stadterwachsener ist. Dieser wunderbare Ausdruck stammt übrigens nicht von mir. Ich habe ihn mir von einem netten Herrn geliehen, der ebenfalls auf dem Dorf aufwuchs und heute auch in der Stadt lebt.

Ich kenne also beide Seiten und sowohl das Dorf- als auch das Stadtleben haben Vor- und Nachteile. Ja, auf dem Dorf kriegt jeder fast alles über den anderen mit – aber glauben Sie mir, dass ist hier in der Stadt noch viel extremer. Meine älteren Nachbarn wissen, wann ich in der Regel das Haus verlasse und wann ich wieder da bin. Und sie fragen besorgt nach, ob es mir gut geht, wenn sie mich mal zwei Tage nicht gesehen haben.

Herausforderungen gibt es überall

Auf dem Dorf gibt es Natur und eine enge Gemeinschaft in Vereinen und der Freiwilligen Feuerwehr, in der Stadt gibt es Museen und Nahverkehr. Aber es gibt halt auch in beiden Regionen Herausforderungen: Auf dem Dorf fehlen inzwischen häufig Ärzte, Busse und teilweise sogar Schulen – von Internetanbindung und Handynetz sprechen wir lieber gar nicht erst. Dafür droht vielen Städten ein Verkehrskollaps oder ein Fahrverbot, es fehlen häufig naturnahe Erholungsgebiete und vor allem bezahlbare Wohnräume.

Es gibt nicht nur Schwarz und Weiß

Gegenseitige Beschimpfungen und absurde Schuldzuweisungen helfen hier einfach nicht weiter. Warum reden wir also nicht miteinander anstatt übereinander. Schauen wir lieber auf das, was uns verbindet: Zum Beispiel der Wunsch nach guter Bildung, Frieden, einem gewissen Wohlstand, Respekt und Wertschätzung.

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