Ein Biberbau an einem Bach
Janina Schuster | am

Hannover und der Biber: wird er zur Plage in der Stadt?

Was manche Behörden in drei Wochen nicht schaffen, erledigt der Biber innerhalb einer Mahlzeit. Im Stadtgebiet sorgt der Nager zunehmend für umstürzende Bäume und eine sich rasant verändernde Uferlandschaft.

"Diese Bäume haben die Tiere am vergangenen Mittwoch in einer Nacht gefällt", sagt Tina Kruse, Sachgebietsleiterin für Baum- und Flächenschutz bei der Stadt Hannover. Dabei blickt sie auf eine Reihe einst vier junger Weiden. Von ihnen sind nur noch Stümpfe zu sehen. Der Biber war am Werk und hat dieses innerhalb einer Nacht vollendet. In der niedersächsischen Hauptstadt haben die geschützten Tiere an weiten Teilen der Leine Reviere bezogen. "Wir kennen nicht alle Reviere, weil die Grenzen fließend sind und sich verschieben. Aber derzeit schätzen wir, dass es an Leine und Ihme zwölf Reviere sind", sagt Kristine Gilster, Biberberaterin beim Naturschutzbund (Nabu) in Laatzen. Pro Revier gehe man von 3,5 Bibern aus. Das ergäbe statistisch gesehen etwa 40 Reviere allein in Hannover.

Scheue Tiere, große Wirkung

Auf dem Speiseplan der Nager stehen typische Auenbäume wie Weiden, Pappeln und Erlen. In der Not greifen sie auch zu hartem Eichenholz. Doch die Tiere sind flexibel. "Im Frühling und Sommer fressen sie Wasserpflanzen und Ufergrün. Das finden sie im späten Herbst und im Winter nicht und stellen deshalb auf Knospen und Rinde von Gehölzen um", erläutert Gilster. Beim Verzehr werden Biber selten beobachtet. Die Tiere sind nachtaktiv und eher scheu. Bevorzugt halten sie sich in dicht bewachsenen Uferbereichen auf und verlassen diesen nur selten. Ihre Siedlungsaktivitäten erkennt man lediglich am Ergebnis: "Der europäische Biber baut keine großen Dämme, sondern zum Beispiel Erdbauten", erklärt Gilster. Und doch verschwinden innerhalb einer Nacht ganze Bäume.

Stadt hat Mehraufwand durch Ausbreitung

Das bringt auch Probleme mit sich, denn die über Nacht fallenden Bäume können ungünstig auf Wege oder Straßen fallen, befinden sich diese zu nah am Uferbereich. Für die Stadt bedeutet dies vor allen Dingen einen Mehraufwand, da die Baumkontrollen in den Biberrevieren verstärkt werden muss. Werden dabei gefährdende Hinterlassenschaften der Tiere gefunden, müssen diese eingekürzt oder komplett gefällt werden. Und das führt direkt zum nächsten Problem: die entstehenden Lücken verändern das Landschaftsbild. Um das zu verhindern, pflanzt die Stadt Bäume nach.

"Der Biber ist kein Schädling!"

"Der Biber sollte nicht als Schädling der Ufervegetation angesehen werden", stellt Martina Dahms vom Fachbereich Forsten, Landschaftsräume und Naturschutz der Stadt Hannover klar. Denn auch, wenn die von ihm herbeigeführten Veränderungen des Landschaftsbildes nicht allen gefallen mögen, trage er maßgeblich dazu bei, natürliche Lebensräume zu schaffen. "Seine Rückkehr ist deshalb auch als Indikator für eine zunehmende Naturnähe der Flüsse Leine und Ihme zu werten."

Mit Material von ndr, dpa, NP
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