Traktor fährt Gülle aus
Christel Grommel | am

Hannover: Landjugend bezieht Stellung zur Düngeverordnung

Die Niedersächsische Landjugend hat sich mit den Neuerungen der Düngeverordnung auseinandergesetzt. Einige Punkte stoßen dabei auf Kritik.

Der Arbeitskreis Agrar der Landjugend hat sich konstruktiv mit den Änderungen beschäftigt und einige davon als sinnvoll erachtet, wenn sie mit verhältnismäßigem Mehraufwand umgesetzt werden können. Dazu gehören die Meldepflicht für Düngebedarfsermittlung, verpflichtende Wirtschaftsdünger- und Gärrestuntersuchungen sowie die Einarbeitung von flüssigem Wirtschaftsdünger innerhalb einer Stunde auf unbestelltem Ackerland.

Viele Kritikpunkte

Viele Punkte stießen jedoch bei der Landjugend auf Kritik, die konstruktive Gegenvorschläge brachte.

Die Bewertung der Nitratbelastung solle nach Meinung der Landjugend transparenter erfolgen. Für eine Bewertung gebe es drei Kriterien, ist eines davon erfüllt, gibt es eine Experteneinschätzung. Diese ist aber nicht öffentlich einsehbar oder nachvollziehbar. Der Arbeitskreis Agrar möchte daher eine komplette Offenlegung aller Entscheidungen und wissenschaftliche Belege für diese.

Zudem sollen alle Messstellen, vor allem die flachen, kontinuierlich überprüft werden. Es müsse möglich sein, dass eine Messstelle ihren Status als roten Brunnen wieder verlieren kann, ebenso die Ausweisung eines Grundwasserkörpers als Rotes Gebiet.

Realisierbare Fristen

Ein weiterer Kritikpunkt sind die Fristen für den Bau von Lagerraum. Bis Ende Dezember 2021 muss vorzuweisen sein, dass flüssiger Wirtschaftsdünger oder Gärrückstände sieben Monate lang gelagert werden können. Angesichts der Zeit, die eine Baugenehmigung sowie der Bau selbst bedürfen, ist diese Maßnahme nicht zu realisieren. Die Landjugend sieht eine Fristverlängerung als sinnvoll an.

Pflanzen müssen bedarfsgerecht gedüngt werden

Die neue Düngeverordnung sieht für Betriebe in Roten Gebieten eine niedrigere höchstzulässige N-Düngung vor. Das habe zur Folge, dass Pflanzen nicht bedarfsgerecht ernährt werden könnten. Die Ertragsrückstände würden die Existenz von landwirtschaftlichen Betrieben gefährden. Pflanzen würden außerdem bei einer Düngung unter dem Bedarf weniger Stickstoff aus dem Boden binden.

Ein Verbot der Herbstdüngung von Zwischenfrüchten ohne Futternutzung sieht der Arbeitskreis aus folgendem Grund kritisch: Bildet eine Pflanze nicht genug Biomasse, insbesondere Wurzelwerk, kann sie die gewünschte hohe N-Aufnahme und den Humusaufbau nicht leisten. Das ist ein klimarelevantes Ziel, dem die neue Düngeverordnung im Wege stünde.

Alternative Maßnahmen

Die jungen Landwirte sprechen sich daher gegen die geplante Düngeverordnung aus und schlagen alternative Maßnahmen vor. Beispielsweise der intensivere Einsatz von Untersaaten im Mais und vermehrter Anbau von Zwischenfrüchten. Das würde zu einer besseren Bindung von Stickstoff aus dem Boden führen. Auch eine Wasserschutzberatung mit einzelbetrieblichen Beratungen, die individuelle und umsetzbare Lösungen erarbeitet, sei sinnvoll.

Mit Material von Niedersächsische Landjugend

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