Neues Rathaus in Hannover
Janina Schuster | am

Hannover: Stadt pflanzt 3.000 Bäume

Die Birken und Buchen in den Stadtwäldern Hannovers hatten es zuletzt nicht leicht: Trockenperioden, Schädlinge wie Borkenkäfer oder Eichenprozessionsspinner und erhöhte Lufttemperaturen setzten ihnen massiv zu.

3.000 junge Eichen sollen den Angaben der Stadt zufolge bis Ende März verpflanzt werden. In der Eilenriede rund 2.000, die anderen 1.000 Stück in den Forstorten Große Heide und Mecklenheide. Wissenschaftliche Untersuchungen ergaben, dass die Eiche ohne menschliches Einwirken in den nächsten Jahrzehnten aus den Stadtwäldern verschwinden könnte. Mit der Pflanzaktion möchte Hannover dem entgegenwirken. Die Kosten dafür belaufen sich auf 14.000 Euro.

Tiere sind spezialisiert auf die Eiche und von ihr abhängig

"Die Maßnahme ist wichtig für eine ‚standfeste Zukunft‘ unserer Stadtwälder und für eine größere biologische Vielfalt in der Stadt", begründet Sabine Tegtmeyer-Dette, Hannovers Erste Stadträtin und Wirtschafts- und Umweltdezernentin diesen Schritt. "Circa 500 Tiere wie etwa Hirschkäfer, Eichelhäher und Mittelspecht haben sich für ihre Nahrungsaufnahme auf die Eiche spezialisiert und sind damit entweder ausschließlich oder zumindest sehr stark von dieser Baumart abhängig."

Fehlender Niederschlag setzte Bäumen zu sehr zu

Mit dem fehlenden Niederschlag hatten die Bäume bereits ab 2018 stark zu kämpfen. Es war deutschlandweit das wärmste Jahr seit Beginn der Wetteraufzeichnung. Gleichzeitig gehörte es zu den Jahren mit dem wenigsten Niederschlag. Das Defizit konnte auch über die folgenden Jahre nicht mehr ausgeglichen werden. "1135 kranke und abgestorbene Bäume mussten gefällt werden, weil diese andernfalls im Rahmen der Verkehrssicherungspflicht eine potenzielle Gefahr für Menschen dargestellt hätten", sagte Pressesprecher Dennis Dix.

Eiche ist typisch niedersächsisch

Mit dem veränderten Klima kommen nicht alle Bäume gut zurecht. Die natürliche Anpassungsfähigkeit reicht nicht immer aus. "Die Buche braucht zum Beispiel ein feuchtes und kühles Klima", sagte Michael Rudolph, regionaler Pressesprecher der Niedersächsischen Landesforsten. Die Eiche sei eine anpassungsfähigere Alternative: "Sie kann die wärmeren Temperaturen gut vertragen und hält auch Stürmen stand", erklärt er. Auch Trockenperioden stecke die Eiche deutlich besser weg, so Rudolph. Angesichts des Klimawandels müsse vermehrt mit Trockenperioden und orkanartigen Stürmen gerechnet werden, erklären die niedersächsischen Landesforsten. "Zum Glück ist die Eiche ein niedersächsischer, sturmfester Baum."

Wuchshüllen als Gewächshaus

Die Eiche benötigt viel Sonnenlicht, um zu wachsen, sodass sie sich in den schattigen Wäldern Hannovers nicht selbst verjüngen kann. Die jungen Eichen würden somit an helle Standorte gepflanzt: "Auf Kahlflächen, wo etwa Borkenkäfer oder Raupenfraß Schäden angerichtet hat, macht es Sinn, Eichen zu pflanzen", sagt Rudolph. Um die jungen Bäume zu schützen, werden sie in sogenannte Wuchshüllen gepflanzt. Diese wirken wie ein Gewächshaus und begünstigen das Wachstum. Die Hüllen aus Pappe oder Kunststoff sind biologisch abbaubar. 

Mit Material von Neue Presse
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