Ein Schottergarten mit sehr wenig Bepflanzung.
Ellen Hartmann | am

Hannover: Stadtverwaltungen wollen Schottergärten loswerden

Manche nennen sie "Gärten des Schreckens" – Schottergärten. Auch Hannover und Burgdorf sind nicht begeistert von dieser Gartengestaltung und wollen gerade in Neubaugebieten jetzt baupolizeilich gegen Eigentümerinnen und Eigentümer vorgehen. Dabei sollen auch Bußgelder drohen.

Gerade in Neubaugebieten in der Stadt Hannover sowie in der Region Hannover setzen viele Bauherren auf Schottergärten. Aber das ist nicht nur dem Naturschutzbund (NABU) ein Dorn im Auge. Auch den Stadtverwaltungen von Hannover und Burgdorf gefallen diese Art der Gartengestaltung nicht, die nach der niedersächsischen Bauordnung sogar untersagt ist.

Burgdorf geht gegen Steinwüsten vor

Wer sich in Burgdorf in den Straßen Potsdamer Winkel, Weimarer Bogen und Schweriner Reihe umschaue, entdecke eine Vielzahl solcher Bodenversiegelungen, so die Hannoversche Allgemeine Zeitung (HAZ). Viele Anwohner würden sich bei der Stadt über die Schottersteinflächen beschweren, heißt es weiter. Daher habe die Stadtverwaltung bereits Kontrolleure in diese Siedlung geschickt, die rund 30 Verstöße festgestellt hätten, so die Stadt Burgdorf. Besonders auffällig sei gewesen, dass Bauherren in 27 Fällen ihrer Pflicht zur Dachbegrünung nicht nachgekommen wären.

Was ist der Reiz der Schottergärten?

Nun will die Stadt Burgdorf mit verwaltungsrechtlichen Schritten vorgehen. "Je nach Einzelfall wird der Verlauf nach einer Anhörung zu einer Beseitigungsverfügung oder ähnlichen baurechtlichen Verfahren führen", lässt die Behörde verlauten. Aber warum setzen so viele Bürger auf Schottergärten? "Die Leute wollen wenig Arbeit mit ihrem Vorgarten haben", weiß Michael Scheer-Behrens, Vorsitzender des NABU Burgdorf. Er spricht sich auch gegen die Steinwüsten aus, da die sowohl keinen Lebensraum für Flora und Fauna bieten als auch die Bodenfunktion als Wasserspeicher unterdrücken würden. 

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Hannover will "Schotterpolizei" etablieren

Hannover will sogar Mitarbeiter einstellen, die gegen die Schotterwüsten vorgehen sollen. "Wir werden da systematisch rangehen", so Stadtbaurat Thomas Vielhaber gegenüber der Neuen Presse (NP). Denn die Stadt Hannover wolle verhindern, dass Nachbarn sich anschwärzen würden. Hier soll die sogenannte "Schotterpolizei" helfen und vermitteln. Wer neu baut, soll zukünftig mit der Baugenehmigung einen Flyer zugeschickt bekommen, der nochmal auf das Verbot von Schottergärten hinweist. "Wir wollen nach Möglichkeit nicht erst einsteigen, wenn das Kind schon in den Brunnen gefallen ist", macht Vielhaber deutlich.  

Was droht den Sündern?

Bisher gab es in Hannover keine Strafen für das Anlegen von Schottergärten, doch das soll sich jetzt ändern. Dass es bislang keine Sanktionen gegeben habe, liege, laut Simon Biederbeck, an der Deregulierung des Baurechts. Somit sei die Gartengestaltung nicht mehr Teil der Prüfung von Bauanträgen. "Die Baurechtsverstöße fallen deshalb nicht im Genehmigungsverfahren auf", so der Leiter der hannoverschen Bauordnung. Die Lösung: "repressiv im Ordnungsverfahren" dagegen vorgehen. Felix Semper von der CDU regte sogar an, sich am Beispiel Recklinghausen zu orientieren. Hier werde ein naturfreundlicher Umbau mit der Übernahme von bis zu 80 Prozent der Kosten von Pflanzen und Material - bis maximal 2.500 Euro - unterstützt.

Mit Material von HAZ und NP
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