Ein Mädchen und ein June im Gartenpool.
Ellen Hartmann | am

Hannover: Der Streit um Gartenpools

Die Stadt Hannover und der Bezirksverband der Kleingärtner wollen die Größe von Pools in Schrebergärten in Zukunft begrenzen. Aber nicht nur darüber wird momentan in Hannover diskutiert, sondern auch darüber, ob Gartenpools eigentlich umweltschädlich sind. Ein Überblick.

Gartenpools verursachen einen hohen Wasserverbrauch und produzieren viel Lärm beim Baden und Planschen, dieser Meinung sind die Stadt Hannover und der Bezirksverband der Kleingärtner. Sie wollen jetzt die Größe der Pools in Schrebergärten beschränken. Doch viele Besitzerinnen und Besitzer haben nicht nur viel Geld in ihre Parzellen gesteckt, sie wollen sich jetzt auch wehren und notfalls klagen. Momentan wird beim Thema Gartenpools in Hannover aber nicht mehr nur über die Größe diskutiert, sondern auch, ob die Becken umweltschädlich sind. 

Wie sehen die bisherigen Regeln aus?

Noch sieht man in vielen Kleingärten Hannovers verschiedene handelsübliche Gartenpools mit rund 1,25 Meter hohen Beckenrändern und einem Fassungsvolumen von 15,5 bis rund 55 Kubikmeter. Die Stadt Hannover möchte die Becken allerdings auf einen Durchmesser von 2,5 Meter sowie eine Wassertiefe von 60 Zentimetern reduzieren. In Kleingärten sind in den Boden eingelassene Schwimmbecken bereits verboten, zudem sind Pools mit mehr als einem Meter Höhe und mehr als 100 Kubikmeter Volumen genehmigungspflichtig. 

BUND: Pools tragen zur Wasserverschwendung bei

Von der Umweltorganisation BUND heißt es, dass der Badespaß mit Blick auf den Klimawandel und Dürreperioden im Sommer unverantwortlich sei und auf dem Rücken der Allgemeinheit ausgetragen werde. "Nach unserer Meinung müsste das viel besser geregelt werden", so Sebastian Schönauer, Sprecher des BUND-Arbeitskreises Wasser, gegenüber der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung (HAZ). Denn wenn Pools ständig neu befüllt und das bereits benutzte Wasser entsorgt werden würde, würde Wasser verschwendet werden, heißt es vom BUND weiter. Zusätzlich würden viele Kleingärtner befürchten, dass es irgendwann zu wenig Wasser für ihre Pflanzen geben könnte. 

Gibt es Auswirkungen auf das Trinkwasser?

Vom Bezirksverband der Kleingärtner in Hannover heißt es, das die Mitglieder Wasser in der Regel aus einem eigenen Gartenbrunnen beziehen würden. Wer eine neue Pumpe installieren wolle, müsse dies aber bei der Region Hannover melden. Auch sei ein Gartenbrunnen nicht in allen Kolonien möglich, wie am Lindener Berg. Hier werde für die Pools Trinkwasser genutzt. Doch besonders die Nutzung eigener Brunnen könne zu Wasserknappheit führen, so die Stadtverwaltung. "Es ist vorgekommen, dass in Kleingartenanlagen in den besonders trockenen Sommern diese Schichten temporär versiegten aufgrund des hohen Bedarfes an Wasser für Bewässerung der Kulturen sowie auch für eine zunehmende Anzahl Pools", berichtet ein Sprecher der Stadt der HAZ.

Sind Pools umweltschädlich?

Chemische Zusätzen würden theoretisch die ganze Sommersaison über im gleichen Wasser bleiben, heißt es von der HAZ. Lediglich im Herbst solle das Becken ein paar Tage ohne Bedeckung stehen, das Chlor solle so unschädlich verdampfen. Allerdings würden viele Menschen das Poolwasser in den Boden ablassen, auch zwischendurch würde mal der Stöpsel des Beckens gezogen werden. Laut Naturschutzbund (NABU) sei gerade dieses Verhalten eine Gefahr für Grundwasser und Bodenlebewesen. Denn Biozide würden dafür sorgen, dass Pilze, Algen und Bakterien nicht nur im Poolwasser getötet werden würden, sondern auch im Boden. Gerade die Bodenorganismen seinen wichtig für Kleinstlebewesen sowie für die Fruchtbarkeit des Bodens. Daher fordert der NABU auch, dass Poolwasser-Chemikalien, Flockungsmittel, Desinfektionsmittel und andere Biozide nicht in die Umwelt gelangen dürften. Übrigens: In Berlin wird Poolwasser als Schmutzwasser eingestuft, das über die Kanalisation oder über Spezialfahrzeuge entsorgt werden muss. 

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