Henning Dangers Speisemohn
Charlotte Meyer | am

Neustadt am Rübenberge: Landwirt baut Mohn an

Sonderkulturen erfreuen sich immer größerem Interesse. Ein Landwirt aus Eilvese probiert sich im Mohnanbau.

Auf der Fahrt durch das kleine Dorf Eilvese bei Neustadt am Rübenberge tut sich überraschend mitten im Dorf ein prächtig lila blühendes Feld mit Mohn auf. Lilafarbener Mohn? Ist der nicht normalerweise rot? Henning Dangers, Besitzer des Ackers, klärt auf: „Nur Klatschmohn ist rot blühend, der Speisemohn hat aufgrund der verschiedenen Züchtungsprozesse alle möglichen Farben. Die hier angebaute Sorte Zeno Morphex ist eben lila.“

Der Nebenerwerbslandwirt aus Eilvese baut derzeit im dritten Jahr die sonst im Orient heimische Kultur an.

Ein Videointerview mit Henning Dangers sehen Sie in unserer digitalen Ausgabe.

Alle paar Jahre kommen Totalausfälle vor

„Als ich vor fünf Jahren begann, mich für den Mohnanbau zu interessieren, bekam ich nur Informationen aus dem Internet.“ Da die Beratungsmöglichkeiten in Niedersachsen sehr dürftig waren, knüpfte Dangers auf diesem Weg Kontakte nach Österreich, wo der Mohnanbau bereits flächendeckender etabliert ist, und später auch nach Mecklenburg. „Die meisten Erfahrungen habe ich über die Jahre aber selbst gemacht.“ Die ersten Tipps die er bekommen hat, haben sich in der Praxis nicht so gut umsetzen lassen wie zuerst gedacht. Besonders der Wintermohnanbau sei vor allem etwas für Hartgesottene, denn die Kultur verzeiht keine Fehler und alle paar Jahre müsse man damit rechnen, Totalausfälle zu haben.

„Es ist wunderschön, wir haben einen lila Horizont. Danke für diese Augenweide bei uns im Dorf!“

Während Dangers am Ackerrand steht, halten immer wieder Dorfbewohner und Radfahrer an, machen Fotos und bedankten sich für die Blütenpracht. Dangers lächelt, er scheint sich sehr darüber zu freuen. Vor allem heutzutage, da viele Menschen der Landwirtschaft kritisch gegenüberstehen, sei solch ein positives Feedback etwas Besonderes, sagt er. Fügt aber hinzu: „Die meisten sehen nur die Blüte. Für mich ist das nur ein schöner Nebeneffekt, der vielen eine Freude macht. Wirklich wichtig sind für mich nur die Kapseln.“ Im besten Fall setze eine Mohnpflanze bis zu fünf Knospen an, in denen sich der wertvolle Mohn versteckt. Das Dreschen beschreibt Dangers als eine Herausforderung.

Viel Eigeninitiative des Landwirts für Mohnaufbereitung nötig

Doch es gab kaum Mühlen, die sich dem exotischen Erntegut annehmen wollten. Denn zum einen haben sie nicht die passenden Siebe für die sehr kleinen Mohnkörner oder die Reinigung war sehr teuer. Also beschloss Dangers, selbst zu investieren. Bisher flossen bereits 10.000 € in eine eigene spezielle Reinigungsanlage, welche auch die 0,8 mm „großen“ Mohnkörner von unerwünschtem Beiwerk trennt. Der Landwirt erklärt: „Die Reinigung des Mohns ist wirklich sehr aufwendig und dauert lang. Zum Vergleich – meinen Weizen reinige ich mit 9 t/h, der Durchlauf beim Mohn beläuft sich auf knapp 50 kg/h.“ Dabei wird die ganze Familie eingespannt, denn die Siebe verstopfen regelmäßig und müssen gereinigt werden.

Vergleich Mohn Raps

Trotz all der Strapazen hält der Mohnanbauer an seiner Kultur fest. Er plant sogar eine Ausweitung der Flächen von fünf auf 20 Hektar und bei den Erträgen gibt es auch noch Luft nach oben: „Derzeit ernte ich 300- 400 kg endgereinigte Ware. Mein Ziel ist die Ernte einer Tonne Mohn pro Hektar.“

Ein Videointerview mit Henning Dangers sehen Sie in unserer digitalen Ausgabe. Den ganzen Artikel lesen können Sie in der LAND & FORST Ausgabe 23/20.

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