Weinrebe mit Weinglas
Janina Schuster | am

Niedersächsischer Weinanbau: Weingesetz verhindert Regionalität

Wenn drei Jahre in Folge der Weizen vertrocknet, ist es Zeit sich Gedanken über eine neue Strategie zu machen. So jedenfalls sah das auch Gerald Meller, Landwirt und Neu-Winzer aus Burgdorf bei Hannover. Das Weingesetz legt ihm jedoch Steine in den Weg.

Der Klimawandel ist in aller Munde und trifft uns alle – Verbraucher wie Erzeuger. Und insbesondere letztere sehen sich im Ackerbau direkt mit den Konsequenzen der Erderwärmung konfrontiert. So auch Neu-Winzer Gerald Meller, Landwirt aus Burgdorf bei Hannover. Trockenheit, Überschwemmungen und die daraus resultierenden kaum kalkulierbaren Schäden dieser Extremwetterlagen lassen immer mehr Landwirtinnen und Landwirte nach Alternativen suchen. Der Weinanbau könnte eine sein. Nun vermutet man Weinhänge nicht unbedingt im Norden Deutschlands, doch habe sich die Klimazone für den Weinanbau in den letzten 30 Jahren um rund 400 Kilometer nach Norden bewegt. Die Bedingungen für Wein aus Niedersachsen seien also durchaus realistisch.

"Es werden mehr Winzer werden"

Doch gibt es ein Problem, welches auch Neu-Winzer Meller ärgert. Das Weingesetz sieht ein niedersächsisches Landweingebiet bislang nicht vor. Die Konsequenz: Mellers Wein darf nicht als regional gekennzeichnet werden, sondern wird in der unteren Güteklasse als deutscher Wein geführt. Und das wiederum hat Auswirkungen auf die Vermarktung und Etikettierung des niedersächsischen Weins. Seit 2016 besitzt das norddeutsche Flächenland Weinbaurechte. Landesweit dürfen im laufenden Jahr 38 Menschen professionellen Weinbau betreiben. Seit 2016 ist die Zahl der genehmigten Rebfläche von 7,6 Hektar auf rund 32 Hektar angewachsen. "Es werden mehr Winzer werden", meint Matthias Färber. Er ist Geschäftspartner von Gerald Meller und hat mit diesem den rund 5.500 Quadratmeter großen Weinhang mit knapp 2.000 Reben angelegt.

Verband muss sich einsetzen

Das glaubt auch Jan Brinkmann, Winzer aus Bad Iburg im Landkreis Osnabrück und Vorsitzender des niedersächsischen Weinbauverbandes. Er hat mit dem Weinanbau auf den Klimawandel reagiert. Das Interesse der Verbraucher am regionalen Wein sei groß, doch müsse der niedersächsische Wein noch bekannter werden. Das Weingesetz versteht auch er als ausgebildeter Winzer nicht und hält die Regelungen für kompliziert. Das Ziel sei ein niedersächsisches Weinbaugebiet, doch dies sieht auch er noch in weiter Ferne. Dabei könne sein Verband etwas für die Neu-Winzer tun. So sehen es jedenfalls Helmut Bäßmann und Günter Depke aus der Wedemark in der Region Hannover. Sie finden der Verband müsste sich einsetzen und um die Rechte der Winzer kämpfen. Und um die Ausweisung Niedersachsens als Weinbaugebiet.  

Mit Material von dpa
imago0116912308h.jpg
Produkte entdecken

Digitale Ausgabe

Jetzt bestellen
digitalmagazin

✓ Artikel merken und teilen

✓ exklusiv: Video und Audio

✓ Familienzugang

✓ 1 Tag früher informiert

Digitale Ausgabe

✓ Artikel merken und teilen
✓ exklusiv: Video und Audio
✓ Familienzugang
✓ 1 Tag früher informiert
 
Das könnte Sie auch interessieren

Inhalte der Ausgabe

  • Unkraut einfach weglasern - neue Möglichkeiten in der Landwirtschaft
  • Der Putenmarkt reagiert drastisch auf hohe Futterkosten und niedrige Erlöse
  • Das Winterprogramm der Niedersächsischen Landjugend ist da!
  • Investoren bedrängen Landwirte: Freiflächen-Photovoltaik

JETZT DAS WOCHENBLATT KENNENLERNEN – GEDRUCKT ODER DIGITAL!

Reinschnuppern: 12 Ausgaben ab 10€

Jetzt bestellen