Am Feldrand tankt Lohnunternehmer Stöver die Gülle über.
Cord Leymann | am

Nienburg: Lohnunternehmer Stöver analysiert Gülle per NIR-Sensor

Mit einem NIR-Sensor checkt Lohnunternehmer Ehler Stöver aus Schweringen (Kreis Nienburg) beim Gülleausbringen alle Nährstoffe.

Seit gut fünf Jahren ist Lohnunternehmer Ehler Stöver nun dabei, Gülle bei der Ausbringung exakt zu analysieren und die Daten zu dokumentieren. Zusammen mit dem Hersteller John Deere wird das eingesetzte System ständig optimiert. „Wir merken gut, wie inhomogen die Gülle immer noch ist, die wir bekommen. Das war am Anfang noch extremer“, betont der Betriebsleiter aus Schweringen im Landkreis Nienburg.

Mit sieben Festangestellten und zwei Auszubildenden arbeitet sein Unternehmen in den Schwerpunkten „Ernte (Strohpressen/Mais)“ und „Gülleausbringung“.
Viel Gülle kommt aus den westlich liegenden Landkreisen. Gerade diese organischen Dünger mit ihren unterschiedlichen Inhaltsstoffen hatten Stöver anfänglich Kopfschmerzen bereitet. Was ist wohl in den Flüssigkeiten exakt drin?

NIR-Sensor als Herzstück

Ehler Stöver, Lohnunternehmer aus Schweringen

Im Jahr 2015 brachte das Lohnunternehmen deshalb in der Nähe des Verteilers der Harvest Lab-Sensor für den Nah-Infrarot-Bereich (NIR) an. Dieser war in Zusammenarbeit mit Carl Zeiss entwickelt worden. Der Sensor bildete das Herzstück des Systems.

Er hat die Inhaltsstoffe der Güllebestandteile (Gesamtstickstoff, Ammoniumstickstoff, Phosphor, Kalium, Trockenmasse) während der Ausbringung auf dem Feld geprüft.

In diesem Startmodell wurde die Ausbringmenge durch das „Tractor Impelment Automation-System“ (TIA) gesteuert. Die Geschwindigkeit und die auszubringenden Kubikmeter werden vom Traktor bestimmt.

Kooperation mit John Deere

Zusammen mit dem Hersteller haben sich die Experten dann überlegt, wie das System an die beiden aktuellen Fässer (1. Ein 24,5 m3-Fass mit 30 m Schleppschlauch; 2. Ein 31 m3-Fass mit 33 m Schleppschlauch) gebaut werden kann. Stöver betont: „Beide Seiten, John Deere und wir, haben natürlich großes Interesse, dass es funktioniert. Ich bekomme jegliche Unterstützung seitens des Unternehmens.“

Das gesamte System lässt sich intuitiv über das Display bedienen. Durch die Verwendung einer Applikationskarte kann man sich die Arbeit zusätzlich vereinfachen.

Effizienter Einsatz von Gülle

Der nun aktuelle Harvest Lab 3000 Sensor ist, laut John Deere, eine wichtige Technologie für ein nachhaltiges Management des Nährstoffkreislaufes. Es sichert den effizienten Einsatz von Gülle.

Dank einer Infrarotlinse wird die Analyse der Hauptkomponenten der Gülle am Fassausgang vorgenommen. Diese Aufnahme berücksichtigt die Elemente:

  • Stickstoff (N),
  • Phosphor (P),
  • Kalium (K),
  • Ammonium (NH4) und
  • Trockenmasse.

NIR-Sensor steuert Auslassschieber

    Der NIR-Sensor sendet ein Spektrum, welches durch die Inhaltsstoffe der Gülle bestimmt wird. Diese Rückstrahlung setzt sich aus verschiedenen Wellenlängen der Inhaltsstoffe zusammen. So wird während der Ausbringung wird Über- oder Unterdüngung vermieden. Der Sensor steuert dann den Auslassschieber am Fass:

    • Die Analyse der Nährstoffe erfolgt mit 17 Messungen pro Sekunde und einer Präzisionsabweichung von 0.72 %. Somit ist die Analyse statistisch abgesichert.
    • Man kann Stickstoff, Phosphor und Kali präzise anhand von Nährstoffzielvorgaben und/oder maximalen Ausbringmengen in kg/ha bzw. teilflächenspezifischen Düngekarten dosieren.
    • Die Bestandteile der Gärreste, Rinder- und Schweinegülle können in Echtzeit analysiert und entsprechend der Ziel- und Grenzwerte bedarfsgenau ausgebracht werden.

    Gülle-Inhaltsstoffe kurz vor Ausbringung messen

    Ein Lohnunternehmer bringt Gülle aus

      Es gibt Unterschiede der Nährstoffmengen bei den verschiedenen Güllefässern, den Lagerungen der Gülle und dem Transport, sowie zwischen den einzelnen Füllungen der Fässer. „Die integrierte Messung bringt den Vorteil mit sich, dass die Inhaltsstoffe der Gülle nur kurz vor der Ausbringung gemessen werden, was jegliche störende Einflüsse verhindert“, sagt Stöver. 

      Dennoch kann das System nur die Inhaltstoffe der Gülle vor der Ausbringung messen und nicht die effektiven Nährstoffe, die von den Pflanzen aufgenommen werden. Die durch den Sensor gesammelten Infos werden an den Rechner verschickt. Dieser kombiniert die Angaben mit denen des Durchflussmessers und des NIR-Sensors.

      Mehr über das Vorgehen von Lohnunternehmer Stöver lesen Sie in der LAND & FORST 3/20. Stöver hofft nun auf ein schnelle Zertifizierung des Systems. In Schleswig-Holstein, Nordrhein-Westfalen und Thüringen ist es bereits zugelassen.

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