Kreativhof-Marklohe-Wolfgang-Katja-Sichert
Chr. Hüneke-Thielemann | am

Nienburg: Vom Schweinestall zum Wohnpark

Was tun mit einem überraschend vererbten Hof? Umbauen, sanieren und daraus einen Wohnpark für mehrere Generationen machen.

Was tun mit dem traditionellen Neddermeyer-Hof in Lemke, Kreis Nienburg, der überraschend dem Sohn vererbt wurde? Das Areal an der Sulinger Straße liegt mitten im Dorf, in Nachbarschaft von Schule und Kindergarten. Der öffentliche Bus hält direkt vorm Grundstück und ein geplantes Seniorenheim ist in Sichtweite.

„Wir fanden, diese Lage schreit doch geradezu nach einem Miteinander von Jung und Alt, von Wohnen in Gemeinschaft und kreativen Veranstaltungen mit Gästen“, sagt Wolfgang Sichert (54) aus Twistringen, der mit dem verstorbenen Besitzer eng befreundet war.

Unterschiedliche Wohnkonzepte

Die Idee vom „Kreativhof Marklohe“ war geboren. Erste Bewohner sind bereits bezogen, weitere Häuser in Planung.

Die Doppelhäuser grenzen unmittelbar an den Gemeinschaftsgarten des Hofes und sind ein Teil der drei geplanten unterschiedlichen Wohnkonzepte. In einem dritten Konzept-Teil sind später barrierefreie Pflege-Appartements in ähnlichen Häusern geplant. Das Hofgrundstück mit den nebenliegenden Grundstücken umfasst rund 6.000 Quadratmeter.

70-er Jahre-Stil

Herzstück des Wohnparkkonzepts sind das geräumige Haupthaus als Gemeinschaftswohngebäude und die angrenzenden ehemaligen Wirtschaftsgebäude als multifunktional nutzbare „Kreativräume“.

„Das alte Bauernhaus ist in den 70er Jahren nach einem Brand wieder neu aufgebaut worden“, erzählt Wolfgang Sichert. „Wir haben es kernsaniert und modernisiert, aber unser Ziel war es, möglichst viel vom typischen 70er Jahre-Stil zu erhalten“.

Mix aus alt und neu

Kreativhof-Marklohe-Scheune

Ein Mix aus neuen und alten Elementen macht nun den Charme des Hauses aus. Der typische Steinboden im Eingangsflur, der glänzende Fliesenspiegel in der großen Gemeinschaftsküche oder der Bodenbelag in der Waschküche erinnert an diese Bauperiode. Sämtliche Türen wurden auf rollstuhlgerechtes Maß erweitert, der Eingang barrierefrei gestaltet.

„Hier sollen Ältere und Alleinstehende, aber auch Menschen mit Einschränkungen – egal welchen Alters – mit Selbstbestimmung und aktiver Mitgestaltung leben können“, betont der Bauherr.

Rinder- und Schweinestall als Workshop-Räume

Wo einst der Rinderstall war, ist ein heller Raum entstanden, in denen Ausstellungen, Versammlungen oder Feiern denkbar sind. Ein Hingucker: Die ehemalige Futterrinne hat Wolfgang Sichert mit Sicherheitsglas überdeckt und so als ungewöhnliches Schmuckelement integriert.

Auch der ehemalige Schweinestall ist saniert und multifunktional einsetzbar: vom Workshop über Seminare bis zum Kartenspielnachmittag. Die aufwendig mit fünf Ebenen umgebaute Scheune ist derzeit Domizil für Trecker, allerhand Werkzeug und den „Hausherrn“, wie Sichert im Scherz den alten, grauen Claas-Drescher mit der für heutige Zeiten winzigen Spurbreite nennt.

Beim Rundgang durch den Hof finden sich ländliche Geräte und Möbel von antik bis zur Wirtschaftswunderzeit. „Fast wie ein kleines Museum“, meint Katja Sichert, die sich vor allem um die Dekoration kümmert.

Welche WG-Bewohner sich künftig am großen Esstisch in der renovierten Bauernküche versammeln werden, steht noch in den Sternen: „Ob es Senioren und Alleinstehende sind, junge und ältere Menschen mit Einschränkungen, oder vielleicht auch mal eine Familie, die mit einem behinderten Familienmitglied ein Urlaubsdomizil am Weserradweg sucht – da sind wir offen. Wichtig ist uns Wohnen in Gemeinschaft und Teilhabe“, freut sich das Kreativhof-Team auf Vielfalt und neues Leben.

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