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Johanna Ritter | am

Nienburg: Spazieren durchs Zuckerbäckerland

Ob Backstein- oder Naturstein, Putzfassaden mit Fachwerk, Türmchen oder Erker. Architektur verschiedener Stilrichtungen gibt es beim Spaziergang durch die im Landkreis Nienburg gelegene Stadt Rehburg zu erkunden.

Entlang der Straßen ziehen sich Bauwerke im "Rehburger Baustil", auch als "Zuckerbäckerbaustil" bekannt. Unterschiedliche Stilrichtungen wurden miteinander kombiniert und in Bauwerken vereint. So sind in Szene gesetzte Fensterumrahmungen, schlichte Putzfassaden mit Vorbauten und Erker ebenso zu finden wie Sandsteinsockel und verspielte Ornamente.

Diese Bauweise riefen die Rehburger Architekten Wilhelm Meßwarb und Sohn Ernst ins Leben. Seit dem beginnendem 19. Jahrhundert schrieben sie Rehburger Baugeschichte.

Der Feuerwehrturm ist das Wahrzeichen Rehburgs

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Als Ausgangspunkt dieser Exkursion bietet sich der Marktplatz in der Stadtmitte Rehburgs an. Hier steht unübersehbar, etwas abseits der Heidtorstraße, der Feuerwehrturm. Er ist das Wahrzeichen der Stadt. In ihm waren einst Schläuche zum Trocknen aufgehängt Sein sandsteinerner Sockel trägt den aus Ziegelmauerwerk gefertigten schlanken Turm. Auf halber Höhe prangt ein hölzerner Balkon mit Vordach und zu oberst thront ein Runderker.

Ein Märchen auf der Fassade

Nur einen Katzensprung entfernt befindet sich die ehemalige Gemeindeschule, in der heute die Polizeistation untergebracht ist. Unter Symbolen wie der steinernen Eule, einem aufgeschlagenen Buch, einem Tafelschwamm, die im Fries über der Eingangstür platziert wurden, gingen Schulkinder hier lange Zeit ein und aus.

Doch die Fassade hat noch mehr Sehenswertes zu bieten. Tür- und Fenstersprüche in Sandstein und Holz gefasst, eine Szene aus dem Märchen "Rotkäppchen und der Wolf" sowie das Rehburger Wappen unter der Giebelspitze wollen gesehen werden.

Spannende Geschichte im Heimatmuseum

Wenige Schritte weiter hat das Heimatmuseum, das im Stil eines Bürgerhauses errichtet wurde, seinen Platz. Mit dem Bau dieses Hauses soll Ernst Meßwarb seiner eigenen Sammelleidenschaft und der seines Vaters nachgekommen sein.

Dementsprechend finden sich seine Worte auch in einem Beitrag zur Heimatgeschichte: "Die Landschaft zwischen Weser und Steinhuder Meer, die bis zum Jahre 1956 im Wesentlichen das alte hannoversche Amt Rehburg und das freie Stift Loccum umfasste, weist in ihren Ortsgeschichten mannigfaltige Gebräuche und Begebenheiten auf".

Mit einem Brunnen mit hölzernem Aufbau, zeigt sich ein kleineres Exemplar der Zuckerbäckerbaukunst auf dem Platz vor der St. Martini Kirche. Er erinnert an die erste Wasserleitung, die Rehburg im Jahr 1888 von dem moorigen Wasser des Steinhuder Meerbachs unabhängig werden ließ.

Zeitzeugen des Handwerks

Weiter entlang der Heidtorstraße fällt der Blick auf einen imposanten roten Backsteinbau. Heute der Ratskeller, früher Gaststätte, Stadtverwaltung und städtische bautechnische Winterschule. Hier wurden Lehrlinge in verschiedenerlei Handwerkskünsten ausgebildet.

Zeitzeugen, wie der Schriftzug im Giebel und Zunftzeichen entlang der Längswände des Saales machen auch heute noch die einstige Bestimmung des Gebäudes sichtbar. Mit aufmerksamen Blick auf die Hausfassaden, ob nicht doch noch ein Meßwarbscher Erker zu finden sei, macht schließlich der weiß verputzte Uhrturm, mit Stadtwappen und Sonnenuhr auf sich aufmerksam. Er ist das jüngste Bauwerk der Rehburger Bauart.

Bauliche Besonderheiten im Rehberger Umland

Weitere bauliche Besonderheiten von Vater und Sohn gibt es im Umland zu sehen. Die Wandelhalle des Bad Rehburger Kurparks, der Vierungsturm der Klosterkirche Loccum, die neugotische Kirche in Leese, das Dorfgemeinschaftshaus im Nachbarort Mardorf, den Kirchturmaufbau im nahegelegenen Schneeren sowie viele weitere Bauten tragen Meßwarbs Handschrift und warten nur darauf entdeckt zu werden.

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